»Handwerker helfen Handwerkern«

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Das heimische Handwerk steht zusammen: Die Initiatoren der Solidaritätsaktion aus der Schreiner-Innung Traunstein, Obermeister Andreas Weinzierl (links) und Kilian Pfohl (rechts) freuten sich, der Obermeisterin der Friseur-Innung, Evelyn de Marco-Maier (2. von links) wichtige finanzielle Unterstützungen für die Innungsbetriebe zukommen zu lassen. Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter (Mitte) und Geschäftsstellenleiterin Manuela Deneri zeigten sich begeistert über die Aktion.

Mit einer beispielhaften Solidaritätsaktion unterstützen die Innungen in der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land die 95 Betriebe der Friseur-Innung. Ihr wird für heuer der Innungsbeitrag erlassen.


Die Coronapandemie kennt neben den gesundheitlichen Folgen auch wirtschaftlich schwere Schicksale, die nicht nur so manchen Betroffenen die eine oder andere schlaflose Nacht bereiten, sondern darüber hinaus auch die Bevölkerung bewegen. Wie der lange Zeitraum, in dem die Friseurgeschäfte im zweiten Lockdown von Dezember bis Anfang März schließen mussten.

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Nach und nach realisierte die Politik im Januar und Februar aber, dass sich die Schließung nicht durchhalten lassen würde. Letztlich waren nicht nur die sich langsam aber stetig in Richtung der 1968er Jahre entwickelnden Haarlängen ein Grund, dass sich mehr und mehr die Forderung nach Öffnung der Friseurgeschäfte durchsetzte. Auch das konsequente Umsetzen von Hygienekonzepten und die geringe Anzahl von durch den Besuch von Friseurgeschäften ausgelösten Coronafällen wurde dabei honoriert.

Dennoch hatte sich der Lockdown für so manchen Friseurbetrieb zur akuten Existenzgefährdung entwickelt. Staatliche Hilfen hin oder her: Viele Betriebe standen und stehen immer noch finanziell mit dem Rücken zur Wand. Das immer lautere Alarmschlagen und die Hinweise auf wirtschaftliche und zunehmend existenzielle Nöte hatte aber auch unter den heimischen Handwerkern zu einer bundesweit fast einzigartigen Solidaritätsaktion geführt, ganz nach dem Motto: »Handwerk hilft Handwerkern«. Die beiden Schreinermeister und Innungskollegen in der Schreinerinnung Traunstein, Kilian Pfohl und Obermeister Andreas Weinzierl, hatten sich Gedanken über die Notlage der Friseurbetriebe in der Region gemacht.

»Die gehören zum Handwerk. Wie können wir Handwerker, denen es wirtschaftlich gut geht, denen helfen, die pandemiebedingt große Probleme haben? Selbstständige Friseure, die ihre Miete nicht mehr bezahlen können waren Bilder, die mich traurig gemacht haben«, so Schreinermeister Pfohl der auf die Idee kam, dass jeder Innungsschreiner einen Tag solidarisch für die Friseure arbeitet. Praktisch helfen und Zusammenstehen im Handwerk war die Devise, die es zu verwirklichen galt. Aus dem Dialog unter Kollegen entwickelte sich schnell eine konkrete Umsetzung.

Obermeister Weinzierl trug den Gedanken in die Vorstandschaft der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land, die sich mit der Schreiner-Initiative anfreundete. Und so war die Idee schnell in eine praktische Hilfe umgesetzt. »Natürlich werden wir damit nicht die Welt retten«, so Weinzierl, der neben der praktischen Kollegen-Hilfe auf Handwerkerebene auch ein Zeichen in Sachen Solidarität, der Menschlichkeit und dem Verbreiten von guten Nachrichten setzen wollte.

Ein Gedanke und eine Solidaritätsaktion, die auch bei Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter vollste Zustimmung fand: »Die lokalen Handwerker halten zusammen und helfen einander.« Für die Kreishandwerkerschaft sei das selbstverständlich. »Wir helfen zusammen und unterstützen die durch den Lockdown hart getroffenen Friseure.« Und so beschlossen in der Onlinekonferenz der Kreishandwerksmeister, seine Stellvertreter und die Obermeister der 13 Innungen innerhalb der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land, den 95 Betrieben der Friseur-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land für das laufende Jahr den kompletten Innungsbeitrag zu erlassen, was sich immerhin auf die stolze Summe von 29 000 Euro addiert. Der Beitrag wird von den anderen Innungen übernommen. Die Geber-Innungen verhinderten damit für die Friseurbetriebe – neben der wirtschaftlich dringend erforderlichen Unterstützung für die Betriebe – letztlich auch eine zu befürchtende massive Austrittswelle der vielen wirtschaftlich gebeutelten Gewerbetreibenden.

Hoch erfreut zeigte sich die Obermeisterin der Friseur-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land, Evelyn de Marco-Maier, über die Solidaritätsaktion »Handwerker helfen Handwerkern«. »Das ist in der momentan äußerst schwierigen Zeit ein starkes Zeichen nach außen. Für unsere Innungsmitglieder ist es ein Lichtblick nach einer so langen Zeit geschlossener Salons und eine finanzielle Entlastung, was von allen Mitgliedsbetrieben äußerst positiv aufgenommen wurde und auch die Zusammengehörigkeit in der Innung signalisiert.« Sie hoffe darauf, dass zukünftig noch mehr Betriebe der Innung beitreten werden.

awi

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