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Handwerk, Technik und Industrie

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Die Ausstattung der vor über 60 Jahren gegründeten »Grassauer Sportschuh-Fabrik« wird im Schusterhof in Bergen gezeigt.

Der Landkreis Traunstein beteiligt sich nächste Woche am Sonntag, 13. September, wieder am europaweiten »Tag des offenen Denkmals. Er steht unter dem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vorgegebenen Thema »Handwerk – Technik – Industrie«. Die große Bedeutung der wirtschaftlichen Vergangenheit soll gezeigt werden. Dazu präsentiert Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika drei Besonderheiten.


In Klaffmühle bei Asten im Gebiet der Stadt Tittmoning können in einem geführten Rundgang um 14 Uhr eindrucksvolle Relikte technikgeschichtlicher Besonderheiten besichtigt werden. Seit 1382 vollzog sich hier die Entwicklung der Gebäude und technischen Anlagen von einer Mühle mit Säge bis zum Elektrizitätswerk und einem Kalkofen. Eine technische Einzigartigkeit sind die nur noch hier vorhandenen »Widderanlagen« die seit 1900 Wasser für Asten und die Umgebung lieferten.

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Im Schusterhof in Bergen wird die Ausstattung der vor    über 60 Jahren gegründeten »Grassauer Sportschuh-Fabrik« gezeigt. Einige seltene Nähmaschinen sind zu sehen. ebenso wie Schuhleisten, Stanzeisen und Schusterhammer. In Bildern von anderen früheren Arbeitsgeräten wird der Übergang vom Handwerk zur industriellen Fertigung von Sportschuhen sichtbar. Wie das Schuhmacherhandwerk geht, zeigt am Tag des offenen Denkmals Franz Kolbeck, der letzte Lehrling des Betriebs. Der Weg zur Ausstellung, die von 14 bis 17 Uhr geöffnet ist, führt dann auch durch die Ausstellungsräume der Zirm-Stiftung mit ihrem reichen Bestand an Trachten und Weihnachtskrippen.

Im Klaushäusl an der Bundesstraße 305 zwischen Grassau und Rottau befindet sich die einzige, vollständig erhaltene Solepumpstation der ehemaligen Soleleitung zwischen Berchtesgaden und Rosenheim. Herz dieses einzigartigen Industriedenkmals ist eine Reichenbachsche Solehebemaschine aus dem Jahr 1810. Sie ist eine der Hauptattraktionen am Tag des offenen Denkmals.

Diese Soleleitung beförderte die konzentrierte, wässrige Kochsalzlösung (Sole) von Berchtesgaden bis Rosenheim. Dort standen genügend Torf und Holz zur Verfügung, um die Sole in großen Sudpfannen einzusieden. Die Solepumpstation im Klaushäusl pumpte die Sole von der »Niederreserve« in die 40 Meter höher gelegene »Hochreserve« von wo sie dann in natürlichem Gefälle weiterfloss.

Museumsleiter Klaus Thiele bietet um 11 Uhr eine kostenlose Führung durch die Pumpstation an. Zusätzlich gibt es noch folgende Programmpunkte: Um 12 Uhr wird ein Film des Bayerischen Fernsehens über den Ingenieur Georg von Reichenbach gezeigt. Über das »Leben an einer Solepumpstation« erzählt um 13 Uhr Marianne Maier, die letzte Brunnwartin im Brunnhaus Nagling bei Inzell. Um 14 Uhr hält Martin Kuglstatter, Verfasser der Broschüre »Die Bayerischen Soleleitungen«, einen Vortrag zu der hohen Zeit der bayerischen Ingenieurkunst zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Am »Tag des offenen Denkmals« sind alle Angebote kostenlos zu besuchen - eine gute Gelegenheit, sich diese Besonderheiten, die sonst nicht besichtigt werden können, zeigen zu lassen. fb