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Handwerk, Hitze und ein Hauch Olympia

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Die Botschafter und Fans des deutschen Schreinerhandwerks bei den WorldSkills in Abu Dhabi: Florian Stitzl, Sebastian Daxenberger, Vizepräsident Bernhard Daxenberger, Bundestrainer Florian Langenmair, Simon Daxenberger, Georg Scheuerer, Ex-Bundestrainer Richard Schauer mit Ehefrau, Walter Langenmair, Tina Töpfer, Benedikt Brüderl sowie Obermeister Andreas Weinzierl. Foto: privat

Traunstein – Sie haben vier intensive Wettkampftage hinter sich, 22 Stunden höchster Konzentration, mit Zeitdruck und Anspannung vor zehntausenden Schülern, internationalen Besuchern und riesigem Medieninteresse.


Alle 1300 Teilnehmer aus 59 Ländern und Regionen haben bei der Weltmeisterschaft der Berufe, den "World-Skills" in Abu Dhabi, Bestleistungen gezeigt. Jetzt gab es für die Besten der Besten in 51 Berufen die verdienten Medaillen und Auszeichnungen.

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Lauthals angefeuert von deutschen Fangemeinden aus Familien, Freunden, Kollegen und der Schreiner-Innung Traunstein feierte das Team Germany das Finale der ersten "World-Skills" in der Region Naher und Mittlerer Osten in der voll besetzten "du Arena" von Yas Island. Die deutsche Nationalmannschaft war mit 42 Frauen und Männern aus Industrie, Handwerk und Dienstleistungsbereich angetreten. Dabei konnte man den besten Schreinern, Landschafts- und Karosseriebauern, Floristen, Friseuren, Schweißern, Stuckateuren, Anlagenmechanikern, Web-Designern, Automatisierungstechnikern, Mechatronikern und technischen CAD-Konstrukteuren der Welt auf die Finger schauen.

In den klimatisierten Hallen herrschte regelrecht olympisches Fieber, das Teilnehmer und Besucher erfasste. Im Medaillenspiegel schnitt Deutschland allerdings nur mittelmäßig ab, so Obermeister Andreas Weinzierl von der Traunsteiner Schreiner-Innung. Hauptgrund sei der zu geringe gesellschaftliche Stellenwert der beruflichen Bildung.

In Fernost würden die Teilnehmer zwei Jahre lang regelrecht gedrillt, während das weltbeste duale System in Deutschland "fürs Erste und sinnvollerweise in die Breite geht", um einen Gesamtüberblick eines Gewerks zu vermitteln. In Deutschland geschehe das Training zudem überwiegend ehrenamtlich und nahm bei den Schreinern gerade mal fünf Wochen in Anspruch. "Es wäre eine politische Aufgabe, die Teilnehmer – wie beim Sport auch – entsprechend zu fördern."

Im industriell geprägten Deutschland, wo zudem zwischenzeitlich zwei Drittel der Schulabgänger auf die Universitäten drängten, wäre dies ein richtiges wie auch notwendiges Signal, so Weinzierl. Immerhin konnten sich die Bundessieger aus den Bereichen Bau- und Möbelschreiner, Markus Figl aus Fürstenfeldbruck und Fabian Ackermann aus Wieden über die beachtlichen Plätze neun und elf freuen. "An der Weltspitze geht es letztlich nur noch um winzige Details, und auch das Quäntchen Glück entscheidet", fügte der Vizepräsident des bayerischen Schreinerhandwerkes, Bernhard Daxenberger aus Seeon, hinzu.

Der Delegation blieb abseits der Wettkämpfe auch die Zeit, um die atemberaubende Stadt Abu Dhabi samt ihres künstlich angelegten Festlandes, ihrer Skyline und der Scheich-Zayid-Moschee zu besuchen, die selbst den handwerklich vorbelasteten Mitgliedern der Schreinerinnung regelrecht den Atem stocken ließ. fb

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