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»Hallenbäder und Freibäder sind immer defizitär«

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Das Traunsteiner Schwimmbad ist beliebt, doch es kostet die Stadt jedes Jahr viel Geld. Nun wurden verschiedene Möglichkeiten erörtert, wo vielleicht Geld eingespart werden könnte. Entschieden ist noch nichts. (Foto: Stadt Traunstein)

Traunstein – Das Schwimmbad in Traunstein machte im vergangenen Jahr ein Defizit von über 700 000 Euro. Kosten senken und Einnahmen erhöhen – das steht nun auf der Agenda.


Nun diskutierte der Hauptausschuss des Traunsteiner Stadtrats darüber, ob es eine Möglichkeit gibt, die Kosten zu senken beziehungsweise die Einnahmen zu erhöhen. Dabei waren vonseiten der Stadt im Vorfeld verschiedene Ideen erarbeitet worden – wie etwa, die Wassertemperatur um ein Grad zu senken oder die Eintrittspreise zu erhöhen. Entschieden ist aber noch nichts.

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»Hallenbäder und Freibäder sind immer defizitär, in jeder Gemeinde. Das ist also kein Traunsteiner Problem«, sagte Oberbürgermeister Christian Kegel. Die Besucherzahlen – vergangenes Jahr waren es rund 86 000, heuer fast 90 000 – würden beweisen, dass das Erlebniswarmbad von den Bürgern sehr geschätzt werde.

Kämmerer Reinhold Dendorfer rechnete vor, dass die  Stadt  jeden  Besucher des  Schwimmbads  mit 8,50  Euro  bezuschussen müsse. Die Einnahmen hätten sich im Jahr 2016 auf rund 181 000 Euro belaufen, die Ausgaben auf etwa 882 000 Euro.

Temperaturen in den Becken über Solaranlage steuern

Von der Stadtverwaltung waren verschiedene Möglichkeiten ausgearbeitet worden, wo möglicherweise Geld eingespart werden könnte. Die Grundtemperatur der Becken im Nichtschwimmer- und im Kinderbecken beträgt 26,5 Grad, im Sportbecken 25,5 Grad. Die Beheizung der Becken erfolgt mittels einer Wärmepumpe, sodass an kälteren Tagen der Strombedarf steigt. An schönen Tagen können die Temperaturen mit Hilfe der Solaranlage gehalten werden. Der Hauptausschuss beauftragte die Verwaltung, auszurechnen, was durch die Absenkung der Temperatur um ein Grad im Sportbecken an Kosten eingespart werden kann.

Die Wasserrutsche musste in dieser Badesaison einige Wochen gesperrt werden, weil umfangreiche Reparaturarbeiten nötig waren (wir berichteten). Es ist laut Stadt nicht auszuschließen, dass auch in den kommenden Jahren immer wieder Sanierungsmaßnahmen an der Rutsche selbst, der Stahlkonstruktion oder beim Treppenturm anfallen. Stefan Namberger (CSU) fragte deshalb, ob es nicht sinnvoller und kostengünstiger wäre, eine neue Rutsche anzuschaffen.

»Eine neue Rutsche würde mindestens 165 000 Euro kosten«, sagte Kämmerer Reinhold Dendorfer. Es gehe vor allem aber um eine grundsätzliche politische Entscheidung für oder gegen eine Wasserrutsche. Denn auch ein Abbau der Rutsche sei denkbar.

Eintrittspreise erhöhen?

Christa Fuchs (CSU) gefiel der Vorschlag, die Eintrittspreise für Erwachsene um 50 Cent anzuheben, also von 3,50 auf 4 Euro. Außerdem überlegte sie laut, ob nicht anstatt des Personals an der Kasse Automaten aufgestellt werden sollten. »Das klappt in anderen Bädern auch«, betonte sie.

Thomas Stadler (Grüne) wollte wissen, warum die jährlichen Wasserverluste im Schwimmbad so hoch seien. Pro Tag liegt dieser bei 25 bis 30 Kubikmetern allein im Sportbecken. Das entspricht bei 140 Tagen einem Verlust von 3500 Kubikmetern und einer zusätzliche Ausgabe von rund 6500 Euro, wie die Stadt in ihrer Beschlussvorlage vorrechnete.

»Das Wasser haut uns ab«, hieß es auf Stadlers Frage. Um das zu vermeiden, müssten die Becken eigentlich saniert werden. Doch aufgrund der hohen Kosten von rund einer halben Million Euro habe man sich bislang dagegen entschieden.

Saisonbeginn verschieben, Öffnungszeiten kürzen?

Zu den Vorschlägen, den Saisonbeginn nach hinten zu verschieben und/oder die Öffnungszeiten zu verkürzen, sagte Traudl Wiesholler-Niederlöhner (SPD): »Da ist meine Fraktion dagegen. Die Leute wollen ja eher noch längere Öffnungszeiten«, betonte sie. Außerdem werde man damit nicht viel Geld einsparen können.

Ernst Haider (UW) schlug vor, direkt am Schwimmbad einen Parkautomaten aufzustellen. »Das gibt es am Chiemsee zum Beispiel auch«, sagte er.

Diesen Vorschlag fand Oberbürgermeister Christian Kegel nicht schlecht. »Das würde vielleicht auch die Situation für die Anwohner entspannen«, sagte er. Und alle, die nichts fürs Parken bezahlen wollen, könnten ja – wie bisher auch – kostenlos am Festplatz parken.

Geprüft werden soll des Weiteren auch, ob ein Betreiberwechsel finanzielle Vorteile bringen könnte. Denn in den Nachbarstädten Trostberg und Traunreut werden die Freibäder von den Stadtwerken betrieben. Erste Gespräche mit den Stadtwerken Traunstein habe es diesbezüglich bereits gegeben, hieß es. Der Stadtrat wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag erneut mit dem Thema befassen. KR