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Hallenbad-Komplex: Lösungen sind nicht in Sicht

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Unterwössen. Einen Abend mit zwei Halbzeiten haben die überraschend vielen Besucher im vollbesetzten Wössner Gemeindesaal erlebt. Bürgermeister und Verwaltung waren angetreten, um über den Sachstand rund um das Unterwössner Hallenbad zu informieren. In der ersten Hälfte sprachen Bürgermeister Hans Haslreiter und Verwaltungsleiter Thomas Müllinger. Das Ergebnis ihrer Ausführungen war ernüchternd. Nach der Pause in der zweiten Halbzeit setzten andere mit fundierten Wortbeiträgen Höhepunkte. Es brach sich aber auch der Bürgerunmut seinen Raum. Mit nach Hause nehmen konnten die Besucher, dass Bürgermeister, Verwaltung, aber wohl auch Gemeinderäte keine ausreichende Finanzkraft im Dorf sehen, den Schwimmbetrieb im Hallenbad für die Zukunft zu sichern. Lösungsvorschläge, die anderes dennoch möglich machen, werden herbeigesehnt. Sie sind aber nicht in Sicht.


Bürgermeister Hans Haslreiter gab einen objektiven Bericht über die Geschichte und die Anstrengungen zu einer Lösung um den Unterwössner Hallenbad-Komplex. Verwaltungsleiter Thomas Müllinger präsentierte Zahlen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen.

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Jährliches Defizit wird künftig auf 200 000 Euro steigen

Der Hallenbad-Komplex bietet heute neben Bad und Sauna Platz für einen Schützenverein und den Wössner Regenbogen mit seiner Kinderbetreuung; außerdem gibt es dort einen Gymnastikraum, eine Gaststätte, den Jugendtreff und den Gemeindesaal. 97 Schulklassen aus der Region mit rund 2400 Schülern nutzten zuletzt das Hallenbad. Die Kehrseite sind die Finanzen. Derzeit ergibt sich ein jährliches Betriebsdefizit von 170 000 Euro – und es wird zukünftig vermutlich auf 200 000 Euro steigen. Ein Schuldendienst für etwaige Finanzierungsdarlehen sei da noch nicht gerechnet, so Müllinger.

Ein gangbarer Weg zu einer Lösung für den Hallenbad-Komplex ist die Ausrichtung des Hallenbades als Schulbad. Die damit mögliche Unterstützung durch das Kultusministerium gibt es aber nur für eine große Lösung. Die verlangt eine Generalsanierung mit einer Investitionssumme zwischen einer und zwei Millionen Euro – eine Million bei einer »nur technischen Sanierung«, bis zu zwei Millionen bei einer »auch energetischen Sanierung«. Die Gemeinde müsste davon zwischen 650 000 und 1,3 Millionen Euro schultern. Die späteren Betriebskosten bleiben der Gemeinde allein. Dafür gibt es keine Zuschüsse.

Allein, so führten Haslreiter und Müllinger aus, sind diese Investitionssummen und die zukünftigen Kosten von 200 000 Euro für den jährlichen Betrieb von der Gemeinde nicht zu schultern. Schon jetzt zeichne sich ab, so Müllinger, dass der Erlös aus dem Verkauf des Gemeindegrundstücks im Dorfzentrum für andere Maßnahmen wie die Kanalsanierung in Oberwössen weitestgehend aufgebraucht wird.

So haben Bürgermeister und Verwaltung umfangreiche Gespräche mit den Achental-Gemeinden geführt, diese für die Zukunft des Hallenbades mit ins Boot zu nehmen. Vergeblich. Jede Kommune hat genügend eigene Kosten, Schleching und Marquartstein unterhalten zum Beispiel Bergbahnen.

Nach dieser düsteren Perspektive erhielt nach der Pause gleich Günther Dörr als Sprecher für die Freunde der Unterwössner Sauna großen Beifall, als er die Absicht der Saunafreunde erläuterte, schon jetzt und möglichst schnell den Saunabetrieb aufzunehmen und die dafür erforderlichen Verhandlungen zu führen. Der spätere Diskussionsabend ergab, dass auch anstehende umfangreiche Sanierungsarbeiten in der Sauna die Saunafreunde nicht abschrecken.

Unsachliche Zwischenrufe und viel Unmut

Ludwig Entfellner listete anschließend die sich abzeichnenden Alternativen auf: Weiterführung des Bades, Ausbau als Bürgerhaus-Komplex, Erweiterung des Komplexes durch gewerbliche Nutzung oder Abriss. Den Abriss schloss Entfellner gleich aus, weil kein Geld da sei, um auf dem Grundstück neue Ideen zu verwirklichen. Mit seinem Gleichnis, dass es am Berggipfel zwar schön sei, aber 10 Meter darunter immer noch, ließ er zugleich erkennen, wohin die Reise für ihn persönlich geht.

Die anschließende Möglichkeit einer fruchtbaren Diskussion über die von Entfellner aufgeführten Alternativen nutzte das Publikum nicht. So brach sich in den Wortbeiträgen und vor allem auch durch unsachliche Zwischenrufe einiger Unmut Bahn. In die Enttäuschung über die Entscheidungslage suchten die Wortbeiträge nach Fehlern in der Vergangenheit und erhoben Vorwürfe gegen Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung.

Das Fazit nach der Versammlung fiel entsprechend aus. Erfreut zeigten sich die Teilnehmer aus allen Lagern, jetzt sachlich informiert und mit belastbaren Zahlen und Möglichkeiten versorgt zu sein. Enttäuscht waren sie davon, dass die nachfolgende Diskussion nicht wirklich Schritte und Ideen hin zu einer gemeinsamen Lösung gebracht hat. lukk