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Häcksler sind jetzt wieder im Dauereinsatz

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Stefan Warislohner ganz in seinem Element – beim Fahren eines 13,5 Tonnen schweren Maishäckslers. Der 31-Jährige ist hauptberuflich Schreiner und hat sich für die Maisernte vier Wochen Urlaub genommen. (Fotos: Grimm)
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Der Kipper-Fahrer lädt den zerhäckselten Mais in einem Silo ab und fährt zurück aufs Feld.

Kirchanschöring. Überall auf den Feldern kann man sie derzeit sehen, die großen Häcksler, die die Maisernte einholen. Das Traunsteiner Tagblatt hatte in Reichersdorf bei Kirchanschöring Gelegenheit, den Landwirten bei der Maisernte über die Schultern zu schauen und auf einem der Häcksler mitzufahren.


Warm ist es und die Sonne zeigt sich nochmals gut gelaunt in spätsommerlicher Manier. Der 13,5 Tonnen schwere Häcksler des Maschinen- und Betriebshilfsrings Laufen steht einsatzbereit vor der großen Scheune auf dem Hof von Landwirt Josef Hubert in Reichersdorf.

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Vier Häcksler gehören zum Bestand der 50 Mitglieder starken Gemeinschaft, die 1991 gegründet worden ist. »Der Maschinenring ist wichtig, weil ein Landwirt alleine sich heutzutage eine solche Maschine kaum mehr leisten kann«, erzählt Geschäftsführer Herbert Galler. Bis zu einer halben Million Euro kann ein Häcksler kosten.

Insgesamt sind für den Maschinenring Laufen 15 Fahrer im Einsatz, die auf verschiedenen Höfen im Rupertiwinkel meist von 8 Uhr bis 20 Uhr im Einsatz sind. »Die Landwirte rufen bei uns an und sagen, wie viel Hektar Mais zu ernten sind. Wir stellen dann den Häcksler und einen Radlader zur Verfügung«, erzählt Galler. Die Maisernte dauert durchschnittlich vier Wochen und die Fahrer sind beinahe täglich im Einsatz.

Herbert Galler, Josef Hubert und Rainer Aicher, Landwirt aus Greiner und ebenfalls Mitglied beim Maschinenring, gehen durch den Kuhstall in Richtung der Silos. Aicher nimmt das Futter in die Hand und erklärt: »Anhand des Geruchs erkennt man, ob das Futter gut ist oder eben nicht. Riecht es zu sehr nach Buttersäure, ist das Futter auf jeden Fall schlecht. Das mögen dann die Kühe auch nicht.« Die scheinen jedoch eher unbeeindruckt von den Besuchern zu sein und fressen unbeirrt weiter.

Kolumbus brachte den Mais von Mexiko nach Europa

Ursprünglich kommt der Mais aus Mexico und der Überlieferung zufolge brachte Christoph Kolumbus ihn nach Europa. Demzufolge ist er warme Temperaturen und viel Sonne gewöhnt und benötigt diese auch, um gut zu wachsen und zu keimen.

2014 ist ein gutes Jahr für den Mais. Die Sonnenstunden waren zwar ein wenig kürzer als im vergangenen Jahr, allerdings blieben lang anhaltende Dauerregenphasen wie im vergangenen Juni aus. Man sei »durchaus zufrieden« mit dem diesjährigen Ertrag, erklären die Männer einvernehmlich. Ab einer Temperatur von acht Grad Celsius kann der Mais anfangen zu keimen und wird dann, je nach Wachstumsentwicklung, Ende September oder Anfang Oktober, geerntet.

Draußen bei den Silos angekommen, presst ein gelber Radlader die Ernte gerade zusammen. »Es ist extrem wichtig, dass die Arbeit gründlich gemacht wird, sowohl für das Vieh als auch für den Landwirt«, sagt Galler.

Ein Kipper fährt zu einem der Silos und kippt eine neue Ladung zerhäckselten Mais hinein. Obwohl der Häcksler 400 Meter entfernt auf dem Feld zu Werke ist, sind die lauten Geräusche deutlich auf dem Hof zu hören. 300 000 Euro hat der Häcksler gekostet, der auf dem Hof von Landwirt Hubert im Einsatz ist.

»Früher haben zwei Geräte zusammen 500 000 DM gekostet, das ist ja heute undenkbar«, bemerkt Aicher. »Natürlich sind die Maschinen von damals mit denen von heute nicht zu vergleichen, die Technik ist ja weit besser als früher. Viel kann man mittlerweile vom Fahrerhaus aus steuern«, merkt er an.

Mit dem Joystick lässt sich der Häcksler steuern

Von innen ist der Häcksler ebenso imposant wie von außen. Über eine Leiter gelangt man in das Fahrerhaus der Maschine. Sie besitzt einen Autopiloten, und über einen schwarzen Joystick lässt sich das große Maisgebiss unten am Häcksler ansteuern. Ein Bildschirm, der auf der rechten Seite des Lenkrads befestigt ist, zeigt dem Fahrer Daten wie Spritverbrauch, Fläche und ähnliches an.

Auch die Lautstärke des Häckslers ist enorm: In einem Umkreis von fünf Kilometern ist er zu hören. Die Fahrer jedoch, scheint das nicht zu stören, sie verzichten auf einen Gehörschutz während der Fahrt. Die Lautstärke ist auch der Grund, warum versucht wird, möglichst nicht in die Nacht hinein zu fahren. »Wir wollen die Nerven der Anwohner ja auch nicht überstrapazieren«, sagt Galler.

Draußen auf dem Feld dreht der Maishäcksler, begleitet von einem Traktor mit Kipper, seine Runden. Sechs Reihen Mais kann die Maschine mit Hilfe des Maisgebisses auf einmal zerhäckseln. Der Mais gelangt noch auf dem Feld direkt in den Kipper. Die Geschwindigkeit müssen die beiden Fahrer einander anpassen, damit nichts von der Ernte danebengeht.

»Die Arbeit macht wirklich großen Spaß«, sagt Aicher. »Große Maschinen und eine Menge PS – welcher Mann wird da nicht wieder zum Kind?«, meint er schmunzelnd. Christina Grimm