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Guter Start für Sozialpädagogik-Fachakademie

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Traunstein. Einen »Blick in die Baustelle« – gemeint war die staatlich anerkannte Fachakademie für Sozialpädagogik in Traunstein – ermöglichte Schulleiter Michael Väth dem Kreisausschuss in dessen jüngster Sitzung. Die Einrichtung des Diakonischen Werks Traunstein, die bereits 2009 startete, wird zum Schuljahr 2015/2016 voll ausgebaut sein für die Ausbildung von 250 Erziehern aus der Region.


Väth hob heraus: »Die Fachakademie ist eine gute Ergänzung zum breiten schulischen Angebot im Landkreis Traunstein.« Noch existierten nach Väth wenige derartige Fachakademien in Südostbayern. Die Einrichtung in Mühldorf, die der Landkreis Traunstein für Schüler aus seinem Kreisgebiet finanziell unterstützt, besteht schon länger.

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Der regionale Bezug auf der Grundlage christlicher Werte sei ihm sehr wichtig, unterstrich Väth in der Sitzung. Die Fachakademie mit Sitz an der Herzog-Friedrich-Straße verstehe ihren Bildungsauftrag als gegenseitigen, partnerschaftlichen Lern- und Entwicklungsprozess, der die individuellen Erfahrungen ernst nimmt und zur konstruktiven Auseinandersetzung mit Fremderfahrungen nach dem Motto »Bildung öffnet Horizonte« anregt.

Die Fachakademie mit Kombination aus Theorie und Praxis sei durchlässig, stehe auch Absolventen von Kinderpflegeschulen offen und ermögliche den Erwerb der Fachhochschulreife samt weiterem Studium. Haupteinzugsgebiet seien die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land.

Die Erfolgsquote von weit über 90 Prozent der Abschlüsse sei hoch. Seit dem Schuljahr 2013/2014 könne man 60 Studierende pro Jahr neu aufnehmen durch den zweizügigen Ausbau, dazu 30 am einzügigen Sozialpädagogischen Seminar. Der Schulleiter berichtete über kontinuierlich gewachsene Schülerzahlen – von anfangs 18 auf aktuell 214 junge Menschen.

Väth appellierte zu einer Mithilfe des Landkreises, weitere Praktikumsstellen zu finden, etwa in kommunalen Kindertagesstätten. Bei der Auswahl der Studierenden, aber auch bei Fortbildungen hätten Bewerber aus der Region den Vorzug.

An die Probleme in den Jahren 2006/2007 und die Debatte, wie es angesichts hoher Defizite in Mühldorf weitergehen sollte, erinnerte Landrat Steinmaßl. Eine staatliche Schule dort sei gescheitert. Dann sei das Diakonische Werk Traunstein, zuständig für die Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting, eingesprungen. Seither habe der Landkreis Traunstein an die Akademie in Mühldorf Gastschulbeiträge bezahlt und werde das auch künftig tun, versicherte Steinmaßl.

Vizelandrat Josef Konhäuser, SPD, monierte, dass der Staat zwar die Studiengebühren abgeschafft habe, aber für die Schulbeiträge der Fachakademie nicht einspringe. Damit rannte er offene Türen im Ausschuss ein. Dazu Willi Geistanger, Bündnis 90/Die Grünen: »Wir als Kommunen müssen wieder offene Lücken stopfen.«

Der Kreisrat fragte nach den Berufsaussichten für Erzieher und wollte wissen, wie man es an der Fachakademie mit muslimischen Studierenden halte. Arbeitsplätze in der Region gebe es in ausreichender Zahl, erwiderte Väth. Zum Thema Konfessionen erklärte er: »Wir nehmen auch Muslime und Religionslose auf. Erzieher müssen im späteren Beruf offen mit dem Thema umgehen. Wir haben nur wenige Muslime, aber wir haben sie. Wir pflegen interreligiöse Gastfreundschaft.«

Johann Schild, SPD, bezeichnete die Fachakademie als »große Hilfe« für die Gemeinden. »Noch absolvieren überwiegend Mädchen die Schule. Wir brauchen auch junge Männer im Erziehungsbereich«, merkte Waltraud Wiesholler-Niederlöhner, SPD, an. Der Schulleiter vertrat die gleiche Meinung: »Wir haben wenig männliche Studierende. Aber wir arbeiten daran.« kd