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Gutachter sieht viel Potenzial im Gebäude

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Sachverständiger Josef Krautloher (rechts) präsentierte im Wössner Gemeindesaal sein Gutachten zum Hallenbad. (Foto: Flug)

Unterwössen. 2,75 Millionen Euro für eine Generalssanierung und 150 000 Euro jährlich für den laufenden Betrieb. Das würde laut Sachverständigem Josef Krautloher der Weiterbetrieb des Unterwössner Hallenbades kosten. Zu viel für die Gemeinde. Allerdings schwärmte der Fachmann geradezu von den Alternativnutzungen, die ihm in dem »beeindruckenden Gebäudekomplex« einfielen.


Sein Gutachten präsentierte er vor rund 100 Besuchern im Wössner Gemeindesaal. Diplomingenieur Josef Krautloher steht einem Vilshofener Architektenbüro mit 12 Mitarbeitern vor, das lange Erfahrung im Bau und der Bewertung von Hallenbädern hat. Dem Unterwössner Bad gewann der Experte viel Gutes ab: die Lage im Ortszentrum, das Umfeld mit dem Kurpark, die Busanbindung. Krautloher lobte, dass viele Räumlichkeiten im Komplex sinnvoll anderweitig genutzt würden. Das Hallenbad biete Potenzial. Doch die heute strengen Vorschriften verlangen zwingend eine Generalsanierung – praktisch die Entkernung des Hallenbadbereichs.

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Eine Sanierung bringe Einsparungen bei den Betriebskosten von jährlich rund 67 000 Euro, rechnet der Sachverständige vor und warnt davor, beim Sanieren zu sparen: das schlage sich in höheren Betriebskosten nieder. Im Hinblick auf die Gästezahlen – sie sanken von jährlich bis zu 50 000 auf zuletzt etwa 17 000 Besucher – geht Krautloher nicht von einer großen Veränderung aus. Eine Sanierung könne nur Vorhandenes verbessern, keine neue Attraktivität schaffen.

Zwei Redner traten für den Erhalt als Hallenbad ein. Eine begeisterte Segelfliegerin sah bei den Kindern und Jugendlichen am Flugplatz einen »ungeheuren Bedarf« nach dem Hallenbad. Ein anderer Bürger sah im Hallenbad den einzigen Garanten, dass die Schüler in der Region schwimmen lernen.

Allgemein stellten sich die Zuhörer im Saal angesichts der aufgezeigten Kosten aber gegen den Hallenbad-Betrieb. Bürgermeisterkandidat Ludwig Entfellner sah im Haushalt eine freie Verfügungsmasse von 500 000 Euro – Bürgermeisterkandidatin und Gemeinderätin Sandra Sonntag nicht einmal so viel. Verschreibe man sich der Hallenbad-Idee, so Entfellner, bliebe zu wenig Geld für andere Projekte. Entfellner setzte auf Bürgerbeteiligung und die Umwandlung der Hallenbadräume in einen multifunktionalen Raum für die unterschiedlichsten Zwecke der Dorfgemeinschaft. »Wir sollten nach vorne denken und einen Neuanfang wagen.«

Sandra Sonntag riet zu einem Tourismusverband Achental. Zu dem sollten sich die Achental-Gemeinden zusammenschließen und die Anlagen und Kosten gemeinsam tragen. Sonntag weiter: Wir sollten »die Bürger einbeziehen« und »etwas Neues für uns machen«. Der Unterwössner Gerhard Meirer lenkte den Blick besonders auf die hohen jährlichen Betriebskosten. Die verlangten eine günstigere, alternative Nutzung. »Wir sollten uns die Zeit nehmen, damit wir etwas Nachhaltiges finden, an dem wir alle Spaß haben«, meinte er.

Die Zukunft einer sich selbst tragenden Sauna sieht der Sachverständige Krautloher in einem Zusammenspiel aus wirtschaftlicher Größe, Besucherzahlen und Eintrittspreisen. Rentabel sei das Ganze bei 20 000 bis 25 000 Besuchern pro Jahr – für Unterwössen schwer zu erreichen. Eine solche Sauna verlange neben der Sanierung zusätzliche Attraktionen. Eine minimale Lösung für die Sauna mit leichter Attraktivitätssteigerung sei nach seinen Berechnungen mit 220 000 Euro zu haben. Die Gemeinde werde sich schwertun, eine Sauna in kommunaler Verwaltung zu betreiben. Der Schlüssel liege damit in privater Trägerschaft.

Etwa 15 Alternativen stellte der Sachverständige anschließend dar. Darunter auch solche, die er selbst für »irrwitzig« hielt, wie ein Spielkasino. Andere erschienen nur auf den ersten Blick abwegig: eine Kletterhalle, ein Wellnesszentrum, ein Fitnessprojekt, eine Tropen- oder Schmetterlingshalle, ein Funpark für Kinder. Denkbar wäre auch ein Autohaus oder eine andere gewerbliche Nutzung, ein Markt für regionale Produkte oder die Verlegung des Rathauses und der Touristinformation in das Hallenbad. Niemand baue Modellfliegern eine Halle, in der sie fliegen können, meinte Krautloher. Hier wären die Raumabmessungen aber da, stellte der Sachverständige zum wiederholten Mal die besonderen Abmessungen des Hallenbades heraus.  Krautloher sieht vielfältige Möglichkeiten einer kommunalen oder privaten Trägerschaft oder Mischformen.  Ebenso  vielfältig seien die Finanzierungsmöglichkeiten. lukk