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Gutachten: Mit weit über 100 statt 70 km/h? Unfall sei unvermeidbar gewesen

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Foto: Montage (dpa/FDLnews)

Drei Todesopfer gab es bei einem schweren Verkehrsunfall auf der St 2095 in Egerer am 26. Juni 2015 – am Mittwoch wurde ein 25-Jähriger vom Amtsgericht Traunstein verurteilt; er soll damals deutlich zu schnell gefahren sein.


Zusammenfassung, 16.30 Uhr:

Am Mittwochnachmittag verkündete der vorsitzende Richter Christopher Stehberger das Urteil: Der 25-Jährige wird wegen dreifacher fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von insgesamt 4500 Euro und einem Fahrverbot von drei Monaten verurteilt.

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100 km/h und deutlich mehr – das sagen die Gutachten:

Insgesamt liegen den Vorsitzenden drei angefertigte Gutachten vor. Deren Aussagen gehen in eine ähnliche Richtung: Der Transporter war mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h oder deutlich darüber unterwegs.

Ein Crash hätte laut zwei Gutachtern bei Tempo 70 vermieden werden können. Laut dem dritten Sachverständigen hätte der Crash in keinem Fall verhindert werden können. Allerdings wäre die Wucht des Zusammenstoßes bei den vorgeschriebenen 70 Stundenkilometern erheblich geringer gewesen.

Ausführlicher Bericht:

Drei Menschen kamen bei dem schweren Verkehrsunfall am frühen Montagmorgen des 26. Juni 2015 auf der Staatsstraße 2095 in Egerer bei Chieming ums Leben. Drei Slowaken fuhren an dem Morgen kurz nach 5.30 Uhr mit ihrem Opel auf die Staatstraße ein und übersahen dabei einen Transporter, der mit voller Wucht in den Wagen der zwei Männer und einer Frau krachte.

Der Fahrer und ein Mitfahrer des Opels wurden damals so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle verstarben. Die Beifahrerin konnte von den Rettungskräften zunächst wiederbelebt werden, starb jedoch wenig später im Klinikum Traunstein an ihren Verletzungen. Der Fahrer des Transporters wurde schwerst verletzt und leidet auch heute noch unter den Verletzungen.

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Polizisten untersuchen am 26.06.2015 das vollkommen zerstörte Wrack, in dem zuvor drei Menschen ihr Leben lassen mussten. (Foto: FDL/Kirchhof)

Hätte er den Unfall verhindern können? 25-jähriger Trostberger vor Gericht

Seit dem heutigen Mittwochvormittag sitzt der inzwischen 25-jährige Trostberger vor dem Amtsgericht Traunstein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit durch den Streckenabschnitt gefahren zu sein. Im Bereich der Kreuzung sind 70 Stundenkilometer erlaubt.

Der junge Mann wird der fahrlässigen Tötung in drei Fällen beschuldigt. Hätte er sich an die dort erlaubte Höchstgeschwindigkeit erlaubt, hätte er den Unfall durch eine Vollbremsung vermeiden können, so die Traunsteiner Staatsanwaltschaft.

Aussage des Angeklaten:

Er kenne die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Strecke, schließlich fuhr er sie jeden Tag zu seiner Arbeitsstätte, so der 25-Jährige im Verhör. Er habe sein Fahrzeug auf die vorgeschriebenen 70 Stundenkilometer heruntergebremst, sagte er weiter. Die Folgen des Unfalls trafen auch ihn schwer: Er hat eine neue Hüfte bekommen und hat Lähmungen am linken Bein.

Der junge Mann erinnert sich nur noch an einen "schwarzen Schatten". "Dann hat es schon gekracht." Bis zu seiner Bergung aus seinem Fahrzeugwrack habe er nichts mehr mitbekommen.

Eine Zeugin musste den Unfall mit ansehen:

Anschließend wurde eine Zeugin gefragt, die den Unfall aus ihrem Auto von der gegenüberliegenden Einmündung beobachtet hatte. Sie brach in Tränen aus. Wie schnell der 25-Jährige mit seinem Transporter wohl unterwegs gewesen sei, fragte Richter Christopher Stehberger die Frau im Zeugenstand. Das könne sie nicht mehr einschätzen, erwiderte sie.

Medien-Galerie vom Horror-Unfall:

Zum Bericht vom 26. Juni 2015: Drei Todesopfer bei Verkehrsunfall.

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