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Gut 250 Köhler aus ganz Europa trafen sich in Neukirchen

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Das zufriedene Organisationskomitee (von links): Helmut Birner, Franz Aicher, die Neukirchner Köhler-Führung Alois Prechtl und Martin Maier und der europäische Präsident Karl Josef Tielke.
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Die Köhlerliesl Saskia Abstreiter tanzte beim »Bayerischen Festabend« fleißig. (Fotos: Mergenthal)

Teisendorf – Für alles hatten die Neukirchner gesorgt, sogar für das passende Wetter: »Wir haben nicht nur heiße Temperaturen im Meiler, sondern auch außerhalb«, sagte Landrat Georg Grabner darum schmunzelnd in seinem Grußwort beim zehnten Europäischen Köhlertreffen. Drei Tage lang genossen gut 250 Köhler aus ganz Europa mit dem Köhlerverein Neukirchen ein abwechslungsreiches Programm. Großen Anklang, auch bei der zahlreich vertretenen einheimischen Bevölkerung, fand der abschließende »Bayerische Festabend« im voll besetzten Bierzelt.


Grabner zeigte sich beeindruckt davon, »dass da so viel Herzblut hinein gesteckt worden ist, das alte Handwerk zu pflegen«, und lobte die Gastgeber für die gute Organisation und die Einbeziehung der Jugend als »Jungköhler«. Letztere richten sonst, wie Köhlerliesl Saskia Abstreiter verriet, während der Köhlerwochen ihre »Pech-und-Schwefel-Party« aus. Stattdessen bauten sie heuer eine »Köhlerbar« auf. Die Köhlerliesl hatte für den Landrat eine kleine Überraschung dabei: Bei einem vermeintlichen Kuss malte sie Grabner mit Kohlestiften schwarz an.

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Vor dem Beginn des formellen Akts, der Versammlung, hatte der ausrichtende Verein Gäste aus den Bereichen Heimatkunde, Tourismus und Medien eingeladen. »Wenn ich schon Köhl heiße, muss ich auch zum Köhlertreffen gehen«, scherzte BGLT-Geschäftsführer Stefan Köhl, der den Teisenberg bisher nur vom Skifahren kannte. »Das ist ja der Wahnsinn!« – diesen Ausruf entlockten ihm die Traditionspflege und Aktivität des Vereins. Präsentiert wurde in den vergangenen Jahren während der Köhlerwochen auch immer anderes altes Handwerk wie Holzbringung, Brotbacken, Schmieden und Zimmern, Imkerei oder das Abdichten von Fässern mit Baumpech.

Präsident hob Bedeutung der Holzkohle hervor

»Ohne Holzkohle wäre kein Gramm Erz geschmolzen worden. Vielleicht würden wir sonst immer noch mit Holzlöffeln essen. Ohne Holzteer wäre kein Schiff seetüchtig gewesen«, hob der europäische Köhler-Präsident Karl Josef Tielke aus Paderborn hervor. Bedeutsam sei die Holzkohle heute weltweit noch in der Silizium- und Stahlproduktion.

Alois Prechtl und Norbert Abstreiter führten alle, die sich die Versammlung im überhitzten Zelt sparen wollten, zu alten Kohlstätten im Bergwald bei Teisendorf. »Wenn man mit offenen Augen durch die Wälder geht, sieht man überall die Kohllöschen«, erzählte Prechtl. Sein Urgroßvater, ein kinderreicher, kleiner Bauer, brannte mit seinen Buben noch im Winter Kohle, aus Holz vom eigenen Wald oder – gegen einen Obolus – vom Staatswald. »So Platzerl hob i dahoam a«, verriet Johann Hochecker aus Niederösterreich. Der Landwirt köhlert seit 35 Jahren. Sein Vater begann mit dem althergebrachten Nebenerwerb 1960 wieder und holte sich Tipps bei Familie Wieser aus Rohr im Gebirge, wo die Kohlbrenn-Tradition nie abriss. Hochecker zündet heuer schon seinen sechsten Meiler an und baute Schaumeiler in der Steiermark und in Vorarlberg. In der eigens aufgestellten Präsentationshütte führt seine Frau oft Schulklassen.

Mit der Trachtenkapelle Neukirchen, die auch bei einem kurzen Stromausfall wegen des Gewitters in aller Ruhe weiterspielte, Weisenbläsern, Tanzlmusi, Goaßlschnalzern, Tänzen und Plattlern der Neukirchner Trachtler wie dem »Knappentanz« oder dem »Watschentanz« und vielen Geschenkübergaben klang das Köhlertreffen am Samstagabend aus. vm