weather-image
15°

Günter Richter lebt nicht mehr

5.0
5.0

Marquartstein. Kaum vier Wochen konnte sich Günter Richter an der ihm Anfang April verliehenen Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Marquartstein erfreuen. Jetzt starb er im Traunsteiner Klinikum an den Folgen eines Schwächeanfalls in seiner Backstube. Richter hat sich wie kaum ein anderer »um die Entwicklung der Gemeinde außerordentlich verdient gemacht«, wie es in der Urkunde zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde heißt.


Am 17. Oktober 1939 in Nürnberg geboren, kam er schon 1944 mit seinen Eltern, beide Berufsmusiker, und einem Bruder nach Grabenstätt. Hier wuchs er auf einem Bauernhof auf, begann mit 14 Jahren eine Bäckerlehre in Grabenstätt, die er nach zweieinhalb Jahren mit der Gesellenprüfung abschloss. Dann lernte er den Beruf Konditor in Reit im Winkl. Die Gesellenjahre führten ihn unter anderem nach Bad Tölz, die Holledau, Traunstein und Trostberg. 1965 legte er in München die Meisterprüfung zum Konditor ab und war einige Monate Backstubenleiter im Parkcafé in Unterwössen, bevor er Ende Oktober 1965 das Café Marquart in Marquartstein übernahm.

Anzeige

Kurz vorher heiratete er seine Ursula, eine Konditoreifachverkäuferin, die von da an ununterbrochen auch im Betrieb an seiner Seite war. In diesem Oktober hätte Günter Richter sein Café 49 Jahre lang betrieben. Innerhalb dieser Zeit bildete er über 20 Lehrlinge aus, oft aus sozial einfachen Verhältnissen, weil er sich an seine eigene, finanziell oft schwierige Jugend erinnerte. Sein Ehrgeiz war von Anfang an, das Café mitten im Ort »im klassischen alten Stil« zu führen. 1974 wurde Sohn Stefan geboren.

Schon früh begann sich Günter Richter für den Ort zu engagieren. Bereits unter Matthias Dögerl wurde er 1984 zum Gemeinderat gewählt und war zusätzlich ab 1990 ununterbrochen bis vor zwei Wochen Zweiter Bürgermeister. 16 Jahre war Richter Vorsitzender des Fremdenverkehrs- und Kulturvereins und organisierte seit 1988 den Christkindlmarkt sowie seit 1990 das Ferienprogramm der Gemeinde. 1986 rief er den Marquartsteiner Kinderspielplatz ins Leben. 1987 wurde auf seine Idee der Ritter-Marquart-Brunnen in der Dorfmitte errichtet.

Weil Günter Richter auch am Wochenende jahrzehntelang in seiner Konditorei stets anzutreffen war, war er über alle Geschehnisse im Dorf meist als einer der Ersten informiert und konnte immer wieder helfend eingreifen. »So ein Job wäre nicht möglich, wenn nicht eine starke Frau neben dir ist«, antwortete Richter auf die Frage, wie er das alles habe schaffen können. Nicht nur seine Familie mit zwei Enkeln trauern um Günter Richter. Marquartstein ist um eine immer für das Allgemeinwohl engagierte Persönlichkeit ärmer geworden. Christiane Giesen