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»Gscheid wenig Leid« in der Bürgerversammlung

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Foto: Symbolbild (pixabay)

Petting – »Früher war der Saal brechend voll«, erinnerte sich Franz Vordermayer, inzwischen seien jedoch »gscheid wenig Leid« bei der jährlichen Bürgerversammlung. Woran liegt das? Darüber und über die diversen Besucherbeiträge diskutierte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.


»Ist das geringe Interesse sogar ein gutes Zeichen? Möglicherweise sind ja alle zufrieden«, spekulierte Vordermayer, »vielleicht ist die Versammlung aber einfach zu langweilig.« Eineinhalb Stunden Bürgermeisterbericht und eine halbe Stunde Geschäftsleiter, dessen »Weisheiten« nicht jeder hören wolle, seien eventuell Gründe für den mangelnden Zuspruch.

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»Eine feste Form für die Bürgerversammlung gibt es nicht«, erklärte Karl Lanzinger, »es muss halt ein Rechenschaftsbericht sein.« Er versuche, all das anzusprechen, was interessant sein könnte. »Wenn ihr sagt, der Bürgermeister muss sich kürzer halten, mach ich das. Es geht auch in 55 Minuten.« Für den Rathauschef ist das schwindende Interesse auch »eine Zeiterscheinung«. Anders als früher, als aus jedem Haushalt mindestens einer zur Versammlung gekommen war, sei das Interesse an lokaler Politik und an der Gemeinde gesunken.

Lanzinger erinnerte an »strittige Themen« aus der Vergangenheit wie Schule und Turnhalle. Bei diesen teils emotionalen Diskussionen sei das Interesse durchaus groß gewesen. »Ich glaube schon, dass die allermeisten relativ zufrieden sind«, sagte zweiter Bürgermeister Ludwig Prechtl. Zudem würden die Bürger viel aus dem Gemeindeblatt erfahren, »und von unserem fleißigen Zeitungsschreiber.« Vordermayer könnte sich ein »Frageblatt« vorstellen, auf dem die Bürger ihre Themen notierten und anonym bei der Gemeinde einwürfen.

Die jetzige Form beibehalten

»Ich würde nichts ändern«, plädierte Theo Pastötter für ein Beibehalten der jetzigen Form. »Die Beiträge unseres Geschäftsleiters werden wir eh nicht wegbekommen«, meinte Prechtl schmunzelnd. Gemeint waren die Exkurse von Reinhard Melz, der am Ende seines Finanzberichts stets einen Blick auf die Finanzwirtschaft wirft, auf die Steuern und das Geldsystem insgesamt. Der reagierte auf Prechtls Einwurf: »Das g'hört unter d'Leut.«

Karl Hoenke hatte in der Bürgerversammlung den Pettinger Grüngutplatz als »Zumutung« bezeichnet, barrierefrei sollte man sein Grüngut abladen können. Derzeit ermöglicht eine etwa 1,5 Meter hohe Metalltreppe, den Container auf ganzer Länge zu befüllen. »Wir haben da schon öfter überlegt«, erinnerte Lanzinger, »aber so einfach ist das nicht.«

Derzeit würde der Container mit Greifer entleert, man wisse jedoch nicht, ob das so bleibe, denn eigentlich sollte der Container – wenn voll – abgefahren werden. Etliche Gemeinderäte berichteten von ihren Kenntnissen aus anderen Gemeinden und schlugen vor, sich im Landratsamt über Lösungsmöglichkeiten zu informieren.

Hans Steinmaßl hatte angeregt, die Höchstgeschwindigkeit auf der Staatsstraße 2104 bei den Badeplätzen in Musbach im Sommer zu beschränken. »Anfragen kann man ja«, meinte Prechtl, worauf Vordermayer auf die 70-er Beschränkung bei Kühnhausen verwies. Lanzinger wird daher bei der Verkehrsbehörde und dem Bauamt vorstellig werden.

Johann Drexlers Vorschlag, kaputte Kleingeräte ins Reparatur-Cafe nach Traunstein zu bringen oder in Petting selbst ein solches einzurichten, will die Bürgerhilfe aufgreifen. Georg Straßers Klage über den Zustand der Gemeindestraße von Mandlberg nach Gesselberg wird man insoweit aufgreifen, als man die Löcher über den Winter provisorisch mit Kies ausbessert, ehe die Straße im kommenden Jahr saniert wird.

ILE-Projekt »Wanderwege« zieht sich

Zur Anregung von Michael Luckas, Wanderwege und Anschlüsse zu verbessern und zu beschildern, verwies Lanzinger auf das ILE-Projekt »Wanderwege«, das »sich leider hinzieht«. Man werde das abwarten, und daher »keinen Schnellschuss« abfeuern. Luckas hatte in der Bürgerversammlung den enormen Flächenverbrauch auch in Petting kritisiert. »Wir befriedigen nur den heimischen Bedarf«, widersprach dem Lanzinger, die Bauplätze im Kirchfeld und in Schönram-Nordost seien »rucki-zucki« weg gewesen. Und er versprach: »Wir sorgen auch künftig für eine maßvolle Entwicklung.«

Zum Thema Leerstand gebe es ebenfalls ein ILE-Projekt. Weil es sich aber in der Regel um Privatbesitz handle, habe die Kommune wenig Möglichkeiten. »Trotzdem dürfen wir das nicht aus den Augen verlieren«, appellierte Franz-Martin Abfalter, denn allein in der kurzen Zeit, die er im Gemeinderat sitze, sei viel versiegelt worden. »Es kann nicht bis in alle Zeiten so weitergehen.«

Der Trend müsse wohl zu dichterer Bebauung gehen, pflichtete dem Lanzinger bei. In die Höhe zu bauen, sei vielleicht im Ort möglich, nicht jedoch in den Dörfern. Prechtl könnte sich Mehrgenerationen-Häuser vorstellen, was Abfalter so ergänzte: »Offen sein für neue Konzepte und schauen, was zu uns passen könnte.«

Luckas forderte die Gemeinde auf, auf Missstände nach dem Verursacherprinzip zu reagieren. Etwa dann, wenn Anlieger Hecken nicht zurückschnitten, der Schnee nicht geräumt werde oder Bauern bis ans Bankett heranackerten. Eine »harte Linie« sei nicht leicht, sagte Lanzinger dazu, Straßen seien häufig knapp vermessen, hätten sich im Lauf der Jahre »in der Natur verlegt«. Man versuche zu reden, um möglicherweise »endlosen Rechtsstreit« zu vermeiden. »Es sind eh immer die Gleichen«, kommentierte das Theo Pastötter. Das Gremium nahm das ohne Beschluss zur Kenntnis. höf

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