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Grüne wählen Pfarrer zum Bundestagskandidaten

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Der evangelische Pfarrer Andreas Herden ist Bundestagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Die Grünen im Stimmkreis 225 – er umfasst die Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein – haben den 49-jährigen Pfarrer Andreas Herden zu ihrem Kandidaten für die Bundestagswahl 2017 gewählt. Bei der gemeinsamen Versammlung der beiden Kreisverbände im Gasthaus Unterwirt in Waging erhielt Herden, der in Trostberg wohnt und eine halbe Pfarrstelle in Burgkirchen innehat, 50 von 55 abgegebenen Stimmen. Zwei entfielen auf den Freilassinger Georg Brandl, der spontan und für alle unerwartet seine Kandidatur erklärt hatte. Nun hoffen die Grünen in der Region, dass Herden bei der Aufstellungsversammlung in Augsburg einen guten Listenplatz bekommen wird.


Herden ist seit 2011 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen, war 2014/15 Kreisrat im Landkreis Traunstein, ehe ihn die evangelisch-lutherische Kirche vor die Alternative »Mandat oder Kanzel« gestellt hatte. Er bezeichnet sich selbst als »Sozialpolitiker«, was bei seiner Aufgabe bei der Inneren Mission in München auch ein beruflicher Schwerpunkt war: Dort war er von 2010 bis 2015 Abteilungsleiter für Behindertenhilfe, Sozialpsychiatrie, Migration und Asyl gewesen. Zuvor hatte er Pfarrstellen in Burghausen (2001 bis 2005) und in Trostberg inne (2005 bis 2010).

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Politische Vorbilder entfachten seine Leidenschaft

Es seien vor allem gewisse Personen gewesen, die seine Leidenschaft für Politik geweckt und ihn zur Kandidatur gebracht hätte, sagte Herden bei seiner Vorstellung. Eine große Rolle habe dabei unter anderem die Trostberger Stadträtin Marianne Penn gespielt, die ihn »beharrlich« immer wieder darauf angesprochen habe. Im Übrigen verneige er sich in Hochachtung vor Menschen wie Gisela Sengl, die gezeigt habe, was man erreichen kann, wie Sepp Daxenberger, der in ganz Bayern den Boden für die Grünen bereitet habe, oder auch Ruth Rehmann, die die erste Bundestagskandidatin der Grünen in der Region war und die er auf dem Sterbebett noch habe begleiten dürfen.

Ein ganz wichtiger Schwerpunkt sei ihm eine offene Gesellschaft, die nicht zuletzt eine Frucht der beharrlichen Arbeit der Grünen sei, sagte Herden unter dem Applaus der Anwesenden. Es dürfe keinen Spielraum geben für Hass. Sorgen bereite ihm der Vertrauensverlust in die Politik. Ihm graue davor, dass 2017 eventuell Gruppen »wie die AfD mit ihrem einfältigen, dumpfen Patriotismus« in den Bundestag einziehen können: »Dann wird die Bundesrepublik eine andere sein.« Er erlebe selbst in den Schulen, in den Leserbriefen, an den Stammtischen blanken Hass; diese Einstellungen müsse man im Keim ersticken.

Als weitere Schwerpunkte nannte Herden die Unterstützung Benachteiligter, Gerechtigkeit und Frieden, die untrennbar mit dem Klimawandel verbunden seien; hier müsse vor Ort und auch global schnell und entschlossen gegengesteuert werden. Kommunikation, Dialog, Ausgleich und Kompromissfähigkeit seien für ihn »die politischen Instrumente Nummer eins«. Sich selbst sehe er vor allem als Idealisten und Pazifisten. Darum erklärte er auf eine Anfrage aus der Versammlung auch klipp und klar, dass er niemals zustimmen würde, »Menschen mit der Waffe in der Hand irgendwohinzuschicken«.

Für den Wahlkampf, für den er von der Kirche zwei bis drei Monate freigestellt werde, habe Herden, wie er sagte, bereits viele Ideen parat. Der persönliche Kontakt zu den Menschen sei ihm eine ganz wichtige Form des Wahlkampfes. Und was den Erfolg bei der Wahl betreffe, glaube er »an ein kleines Wunder«.

Georg Brandl ist pensionierter Studienrat und war als solcher in den Bereichen Ernährung und Sozialkunde in München tätig. Er ist in Traunwalchen aufgewachsen, seit langem aber in Freilassing zu Hause. Er ist erst seit wenigen Monaten Mitglied der Grünen und hatte bisher auch noch nicht Kontakt zum Freilassinger Ortsverband; so sorgte seine Kandidatur für manches Stirnrunzeln. Auf die Frage nach der Motivation für seine Kandidatur meinte er, es sei demokratische Gepflogenheit, dass es bei Wahlen eine Alternative geben solle: »Es ist nicht von Nachteil, wenn es mehrere Bewerber gibt.« Und auch die Nachfrage, ob der Orts- oder Kreisverband hinter ihm stehe, antwortete er: »Ich hoffe es, aber die wissen von nichts.«

Wahl war eine klare Sache

Die Wahl war dann letztlich eine klare Sache: 50 Stimmen für Herden, zwei für Brandl, eine ungültig, zwei Enthaltungen. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses durch den Traunsteiner Kreisvorsitzenden Sepp Hohlweger gab es viel Applaus für den neu gekürten Kandidaten.

In getrennten Kreisversammlungen wurden dann noch die Delegierten für die Aufstellungsversammlung in Augsburg gewählt. Für Traunstein sind dies Helga Mandl, Marianne Penn, Marlis Neuhierl-Huber, Karl-Heinz Boxhammer, Josef Hohlweger und Wolfgang Schnell; Ersatzdelegierte sind Andreas Herden, Wolfgang Wörner und Peter Kirchgeorg. Den Landkreis Berchtesgadener Land vertreten Elisabeth Hagenauer, Bernhard Zimmer und Gisela Bechmann; Ersatzdelegierte wurden hier nicht gewählt. he