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Gründung von Soldaten- und Arbeiterräten

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Landkreis Traunstein Weltkrieg
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Foto: dpa

»Jeder muß sich bewußt sein, daß keine Obrigkeitsregierung im alten Sinne mehr vorhanden ist«, schreibt Bürgermeister Dr. Georg Vonficht am 13. November in seinem »Aufruf an die Bürger- und Einwohnerschaft Traunsteins« im Traunsteiner Wochenblatt. Noch am 8. November hatte sich in den Reihen des Traunsteiner Grenzschutzes und Wachkommandos des Gefangenenlagers ein Soldatenrat gebildet. Ein Arbeiterrat formierte sich schließlich im Traunsteiner Rathaus am Montag, 11. November 1918: auf Einladung des Stadtmagistrats.


Dieser habe sich aber, so analysiert es Gerd Evers in »Traunstein 1918-1945«, nicht »spontan und aus eigener revolutionärer Machtvollkommenheit, sondern auf Einladung des Magistratsvorstands unter Einbeziehung der christlichen Gewerkschaften und des bayerischen Eisenbahnarbeiterverbandes«. Den Vorsitz des Arbeiterrates hatte der Sozialdemokrat Franz Kattan inne. Fortan waren neben dem Stadtmagistrat auch die Räte Entscheidungsträger auf kommunaler Ebene.

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Dass es in dieser Zeit zu keinen größeren Auseinandersetzungen gekommen ist, mag zum einen daran gelegen haben, dass Traunstein zu jener Zeit eine Schul- und Beamten-, aber keine Arbeiterstadt gewesen ist. Eine Revolution der Arbeiterschaft war daher in großem Ausmaße nicht zu befürchten. Zum anderen an der Fähigkeit von Bürgermeister Vonficht, dass Arbeiter- und Soldatenrat mit dem Stadtmagistrat zusammenarbeiteten. »Die Stadtverwaltung sowie der neugebildete Arbeiter- und Soldatenrat betrachten es als ihre wichtigste Aufgabe, für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu sorgen und haben zu diesem Zweck einen vorläufigen gemeinsamen Sicherheitsausschuss gegründet«, heißt es am 13. November 1918 im TWB. Zudem gelang es Vonficht, dass die Beamten des Stadtmagistrats freiwillig kundtaten, »die neue provisorische Regierung zu unterstützen und jeder in seiner Verwaltung und im Kollegium wie bisher dem Vaterlande und dem Wohle unserer Stadt zu dienen«.

Die Aufgaben waren klar verteilt. So sollte der Soldatenrat zusammen mit der städtischen Polizei Plünderungen verhindern und die Versorgung mit Lebensmitteln sicherstellen, um die Nahrungsmittelkrise nicht noch zu verschärfen. Das hatten Mitglieder der Fraktion des bayerischen Bauernbundes am 11. November 1918 im TWB gefordert: »Wir Bauern sorgen dafür, daß die Lebensmittel herein kommen. Sie (die Arbeiter- und Soldatenräte, Anm. d. Red.) müssen aber dafür sorgen, daß es Personen aller Schichten unmöglich gemacht wird, auf das flache Land zu dringen, um Plünderungen vorzunehmen.«

Um Ruhe und Ordnung, wozu Vonficht aufgerufen hatte, zu gewährleisten, trat am 13. November auf Beschluss des Sicherheitsausschusses Traunstein zudem ein Waffenverbot in Kraft: »sämtliche in Besitze von Zivilpersonen befindlichen Schießwaffen und Munition (...) sind auf der Polizeiwache abzuliefern«, wie es im TWB heißt. Auch durften ab diesem Zeitpunkt Waffen weder ver- noch gekauft werden.

Das Verhältnis zwischen Magistrat, Soldaten- und Arbeiterräten war in Traunstein unproblematisch. Jedoch gab es Reibereien zwischen dem Bezirksamt, das die Getreidelieferungen aus dem Umland an die Stadt Traunstein organisierte, und dem am 17. November 1918 gegründeten Bauernrat, dessen Vorsitzender Dr. Zahnbrecher war. Wie Gerd Evers (»Traunstein 1918-1945«) schreibt, kritisiert das Bezirksamt, dass »die Getreideversorgung der Stadt aufgrund der zögernden Ablieferung nicht gesichert sei, und dass das Bezirksamt sich gezwungen sehe, Kontrollkommissionen zur Überprüfung der Lagerbestände einzusetzen«, wenn nicht der Bezirksbauernrat entsprechend auf die Landwirte einwirke, um eine zuverlässige Ablieferung zu gewährleisten. vew

Der nächste Teil der Serie blickt auf die Zeit des politischen Übergangs.