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Großreinemachen nach der Saison auf Herrenchiemsee

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Ein Restaurator ist derzeit damit beschäftigt, im Spiegelsaal auf Herrenchiemsee Decken und Wände abzuklopfen. Damit stellt er fest, ob irgendwo in dem riesigen Saal der Putz oder der Stuck bröckeln könnte.
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Derzeit werden die zusammengebauten Teilgerüste über die hohen Brunneneinbauten vor dem Königsschloss auf Herrenchiemsee gestülpt, wo sie dann mit dem dort bereits aufgebauten Grundgerüst zusammengefügt und mit einer weißen Plane bedeckt werden. »Dies ist unbedingt erforderlich, um die Brunneneinbauten vor Frostschäden zu schützen«, sagt der Chef der Inselverwaltung, Josef Austermayer.

Rund 100 Mitarbeiter, davon 80 Festangestellte, beschäftigt die Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee. Dazu kommen noch rund 50 Aushilfen für die Schlossführungen im Sommer. Was machen all diese dienstbaren Geister, wenn es Herbst und ruhig wird auf der Insel? Wenn sich nur noch ein paar Einheimische hierher verirren und die Stille auf dem 240 Hektar großen Eiland genießen? Das Traunsteiner Tagblatt sprach mit dem Vorstand der Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee, Josef Austermayer.


Als Chef der Inselverwaltung obliegt es ihm, dafür zu sorgen, dass auf Herrenchiemsee alles in Ordnung ist. Das ist vor allem im Sommer gar nicht so einfach, wenn in der Hauptsaison täglich bis zu 4000 Menschen per Schiff die Insel stürmen. Die meisten von ihnen buchen eine Besichtigung im Königsschloss. Bis zu 80 Führungen mit jeweils 50 Besuchern müssen die Führer dann täglich bewältigen; zehn Gruppen gleichzeitig werden im Vier-Minuten-Takt durch die Prunkräume des Schlosses geschleust. Das ist ein großer logistischer Aufwand, der von einem unscheinbaren Büro im Erdgeschoß aus gesteuert wird. Kastellanin Veronika Endlicher aus Traunstein und ihre Mitarbeiterinnen teilen per Computer die Gruppen und ihre Führer ein und steuern den Ablauf.

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Was aber, wenn das Wetter zu schlecht ist, die Saison gerade erst beginnt oder sich schon dem Ende neigt? Was, wenn nur ein paar Führungen am Tag nötig sind, weil nicht mehr Menschen kommen? Dann, so erzählt Josef Austermayer, sind die Führer in erster Linie Reinigungskräfte. Das gilt insbesondere zu Beginn und am Ende der Saison. Die jährlich mehr als 400 000 Besucher wirbeln Unmengen von Staub auf, den der Wind auch durch die offenen Türen und die Ritzen in Fenster- und Türrahmen in die Räume bläst.

Viele Kilometer Simse gehören gereinigt

Da ist es nicht nur nötig, die Böden und die vielen Kilometer Simse, auf denen sich der feine Staub ablagert, zu reinigen; auch an den Pendeloquen, den geschliffenen Glassteinen der mehr als 50 Kronleuchter im Schloss, haftet der Staub an. Es dauert Stunden, einen einzigen dieser bis zu zehn Zentner schweren Leuchter zu reinigen, bestehen sie doch aus Hunderten solch geschliffener Glassteine. Jede einzelne Pendeloque ist in eine bestimmte Stellung ausgerichtet, die möglichst nicht verändert werden sollte.

Die Zeit, in der keine Führungen stattfinden, wird aber auch immer wieder zu Renovierungs- und Erhaltungsarbeiten genutzt. Derzeit zum Beispiel klopfen Experten Decke und Wände des Spiegelsaales ab – und das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Alle paar Zentimeter klopft der Restaurator auf den Putz und stellt so fest, ob sich irgendwo dahinter Hohlräume gebildet haben, die Putz und Stuck zum Abbröckeln bringen könnten.

Das Abklopfen selber ist kein großer Staatsakt. Bis jedoch die Gerüste stehen, auf denen stehend der Restaurator die Decke untersuchen kann, sind aufwändige Vorarbeiten nötig. Die zentnerschweren Stehleuchter müssen zur Seite geschafft und der wertvolle Parkettboden muss mit Brettern abgedeckt werden, ehe man ihn mit dem schweren Gerüst befahren kann.

Austermayer und seine Mitarbeiter haben aber noch weit mehr zu tun als das Königsschloss instand zu halten. Sie sind auf der Insel auch verantwortlich für den Betrieb der zwei Museen und der beiden Galerien; außerdem für die Landwirtschaft und für die Forstwirtschaft. Das Heu von den rund 50 Hektar Wiesen zum Beispiel wird an die Pferde verfüttert, welche im Sommer die Kutschen mit den Besuchern vom Dampfersteg zum Schloss ziehen.

Die Forstwirtschaft kümmert sich um die 160 Hektar Wald auf Herrenchiemsee. Die Bewirtschaftung der ausgedehnten Mischwälder wird als reine Erhaltungsnutzung betrieben, ist also nicht auf Gewinn ausgerichtet. Der Anteil der Nadelbäume ist gering. Hoch über die Gipfel der anderen Bäume hinaus ragen die mächtigen Douglasien, die hier besonders gut gedeihen. Fast alle heimischen Laubbaumarten findet man auf der Insel, darunter einige Exoten wie zum Beispiel einen Tulpenbaum, der eigentlich ein Magnoliengewächs und in Nordamerika heimisch ist, oder die geschlitztblättrige Buche, die im Chiemgau nicht sehr häufig vorkommt.

Abgestorbene Eschen für die Hackschnitzelheizung

Wie vielerorts in der Region hat das Eschentriebsterben dafür gesorgt, dass zahlreiche Individuen dieser Baumgattung auf der Insel abgestorben sind. Für die Mitarbeiter bedeutet das, die durch die Krankheit abgestorbenen Bäume zu entnehmen und die frei werdenden Flächen neu zu bepflanzen. Mit dem Holz der gefällten Bäume wird auf der Insel die Hackschnitzelheizung befeuert, die eine der drei Säulen der Energieversorgung auf Herrenchiemsee ist. Mit ihr werden das Augustiner-Chorherrenstift, die Gewächshäuser, der Stall und die Werkstätten beheizt. Die beiden anderen Bausteine der regenerativen Energieversorgung sind die Geothermie und die Nutzung der Seewasserwärme. Über einen Wärmetauscher wird die Seewasserwärme für die Heizung des Schlosshotels genutzt; für die Geothermieheizung, die den ausgebauten Nordteil des neuen Schlosses mit Wärmeenergie versorgt, wird das Wasser aus 250 Meter Tiefe gepumpt und zu Heizzwecken genutzt.

Im Schlosspark ist im Herbst besonders viel zu tun. Im Oktober müssen zunächst die etwa 3000 Pflanzen abgeräumt werden. Außerdem wird das Wasser aus den Brunnen abgelassen. Anschließend erden die Becken gereinigt, ehe die Figuren mit Holzverschlägen eingehaust werden. Über die großen Brunneneinbauten in der Mitte wird mit einem großen Kran ein gerüst gestülpt, über das eine Plane gezogen wird. So geschützt können Schnee und Eis den Aufbauten im Winter nichts anhaben.

Es gibt also jede Menge zu tun auf der Insel, auch wenn keine Besucher kommen. Schließlich wollen die voraussichtlich rund 400 000 Menschen, die nächstes Jahr auf die Herreninsel kommen und das Königsschloss besichtigen, alles in so gutem Zustand vorfinden, wie es die Besucher in diesem Jahr erlebt haben. -K.O.-