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Großes Zeichen der Hilfsbereitschaft für Manuel Rankl

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Große Freude bei der Familie von Manuel Rankl: Der Verein »Pohlig hilft« konnte für den jungen Mann Spenden der regionalen Wirtschaft generieren, die den Erwerb eines behindertengerechten Fahrzeuges ermöglichen (von links) Mutter Ingrid Rankl, Manuel Rankl, Schwester Jennifer Rankl und Kurt Pohlig. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Die rund 150 geladenen Gäste, die ins Traunsteiner Rathaus gekommen waren, wussten nicht, über was sie sich letztlich mehr freuen sollten: Über das große Zeichen der Solidarität der Spender – der Traunsteiner Verein »Pohlig hilft« hatte 150 000 Euro für ein behindertengerechtes Fahrzeug eingesammelt – oder über die lebensbejahende und fröhliche Art des Rollstuhlfahrers Manuel Rankl aus Peißenberg.


Das Fahrzeug eröffnet dem jungen Mann, der die angeborene Gelenksteife Arthrgryposis multiplex congenita (AMC) in einer besonders ausgeprägten Form hat, nun völlig neue Möglichkeiten in seiner eigenen Mobilität und schafft Entlastung bei der sich rührend rund um die Uhr kümmernden Familie.

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30 Operationen hinter sich

Kurt Pohlig, der den Verein 2013 gründete, sagte, man habe 500 potenzielle Spender aus dem Bereich der Wirtschaft aus den Landkreisen Traunstein und Peißenberg angeschrieben. 83 private und gewerbliche Spender hätten nun die Gesamtsumme von 148 000 Euro erbracht, daneben wurde eine Lehrstelle von einem mittelständischen Betrieb in Siegsdorf offeriert. »Sie wissen gar nicht, wie gerührt wir waren über jede einzelne Spende.« Man habe gesehen, dass das Herz in unserer Gesellschaft für Behinderte schlage, betonte Pohlig.

Dem 18-Jährigen, der bereits 30 Operationen mit endlosen Klinikaufenthalten hinter sich hat, und in einem seit vielen Jahren täglich bis zu acht Stunden dauerndem Training versucht, kleine körperliche Fortschritte zu machen, brachte er hohen Respekt entgegen: »Großes Kompliment zur respektablen Lebensleistung.«

Stellvertretender Landrat Josef Konhäuser sagte, die Hilfsaktion zeige die Solidarität der Menschen in der Region. Er wies darauf hin, dass eine Behinderung jeden Menschen treffen könne. Er schlug in seinen Ausführungen auch einen Bogen zu den Bemühungen der Stadt Traunstein, eine völlige Barrierefreiheit zu erwirken.

Traunsteins Zweiter Bürgermeister Hans Zillner dankte dem Verein »Pohlig hilft«, der rechtlich nicht mit der Traunsteiner Reha-, Orthopädie- und Schuhtechnikfirma »Pohlig GmbH« verbunden ist, für das Engagement beim Spendensammeln. Sein Dank galt den vielen anwesenden Spendern, indem er betonte: »Wer eine Behinderung hat, braucht kein Mitleid, sondern Solidarität und eine solche Unterstützung.«

Unerschütterlicher Lebenswille

Dem jungen Mann im Rollstuhl machte in seinen Dankesworten deutlich, dass er einen unerschütterlichen Lebenswillen hat: »Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mich nicht unterkriegen lasse«, sagte der zielorientierte junge Mann, der trotz seiner Behinderung und Belastung die Fachoberschule erfolgreich abgeschlossen hat. Das weitere Ziel ist nun ein Studium der Betriebswirtschaft an der Hochschule in München.

Das Fahrzeug, ein Mercedes Sprinter, dessen Größe erforderlich war, um einen entsprechenden Zugang mit dem 250 Kilogramm schweren Rollstuhl zu ermöglichen, wurde für 47 000 Euro erworben, der Umbau schlägt mit knapp 100 000 zu Buche.

Wie üblich gekonnt spielte die Harfenspielerin Silke Aichhorn nachdenkliche und kraftvolle Stücke an der Harfe und erntete für die gelungene musikalische Untermalung des Abends viel Applaus. awi