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Großes Stühlerücken im Landratsamt

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Traunstein – Rund 50 neue Mitarbeiter in nur zwei Jahren – kein Wunder, dass es in den Büros im Traunsteiner Landratsamt eng geworden ist. Mit einer ganzen Reihe von Umzügen steuerte die Behörde gegen – und kam so umhin, ein großes Gebäude anmieten oder Bürocontainer aufstellen zu müssen.


Rund 600 Mitarbeiter beschäftigt das Landratsamt, in der Kernverwaltung sind es ungefähr 480 – und dort sind auch die rund 50 »Neuen« dazugekommen. Die sprunghafte Zunahme des Personals ist größtenteils der Flüchtlingssituation geschuldet, wie der zuständige Abteilungsleiter Lothar Wagner erklärt. »Bestimmt 40 Personen« seien eingestellt worden, damit die Behörde in der Lage sei, alle anfallenden Aufgaben rund um das Thema Asyl zu bewältigen.

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Neueinstellungen vor allem wegen Flüchtlingssituation

So war es etwa nötig, das Personal im Ausländeramt und im Sozialamt, in der Akquisestelle für Flüchtlingsunterkünfte und in der Inklusionsberatungsstelle des Schulamts aufzustocken. Dann kamen Vormunde und Sozialpädagogen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hinzu. Unabhängig vom Thema Asyl sei dann noch ein neuer Baukontrolleur eingestellt worden, erzählt Wagner. Nach dem Brandunglück von Schneizlreuth sollte der Brandschutz wieder mehr Beachtung finden.

Je mehr neue Mitarbeiter hinzukamen, desto mehr Leute mussten sich ein Büro teilen. Zu Dritt auf 15 Quadratmetern, das war irgendwann keine Seltenheit mehr. »Die Situation wurde immer schwieriger«, erinnert sich Wagner.

Im Großen und Ganzen ist es nun so gut wie gelungen, den erhöhten Raumbedarf mit eigenen Immobilien zu lösen. Ein Gebäude des Landkreises an der Kernstraße, in der laut Wagner »ganz früher mal« die Zulassungsstelle untergebracht und das zuletzt an die Katholische Jugendfürsorge vermietet war, steht jetzt den 15 Mitarbeitern des Sachgebiets Wasserrecht zur Verfügung. Dort, wo diese zuvor ihre Büros hatten, nämlich im Hauptgebäude A, sind jetzt vor allem die neuen Mitarbeiter des Ausländeramts zu finden.

Im Hauptgebäude B – es liegt genau gegenüber – entstand dadurch Platz für die Betreuungsstelle. Die Mitarbeiter hatten ihre Büros zuvor in einem angemieteten Gebäude an der Maxstraße. Jetzt ist die Mannschaft gleich im Eingangsbereich untergekommen und dadurch auch besser erreichbar. »Die Kundenfrequenz ist dort hoch«, weiß Lothar Wagner.

Die Mitarbeiter des Personalamts werden demnächst in die landkreiseigene Villa an der Crailsheimstraße umziehen. In ihre Büros im Hauptgebäude A ziehen Mitarbeiter des Jugendamts ein, das inzwischen auf rund 90 Mitarbeiter angewachsen ist.

In der sogenannten Klehr-Villa hatten zuvor die Mitarbeiter des Schulamts ihre Büros. Sie sind bereits an die Schnepfenluckstraße gezogen; in dem Gebäude hinter dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das dem Landkreis gehört, waren früher zwei Wohnungen untergebracht, unter anderem für den Hausmeister.

Noch bevor steht der Umzug der fünf Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung sowie der vier im Landratsamt für die Kreisaltenheimgesellschaft tätigen Mitarbeiter; sie werden an die Chiemseestraße ziehen, in Räume der Agentur für Arbeit.

»Es ist ein ewiges Hin- und Herschachteln und es gibt überall ein bisschen ein Stühlerücken«, resümiert Wagner. Doch im Februar sollen die Umzüge größtenteils über die Bühne gegangen sein. »In den nächsten zwei, drei Jahren werden wir so über die Runden kommen«, resümiert er und räumt auch gleich mit der Annahme auf, dass die Mitarbeiterzahl nach dem Abreißen des Flüchtlingsstroms schnell wieder zurückgehen könnte.

Auch wenn die Zahl der Asylbewerber nicht mehr steigt, so nimmt sie vorerst auch nicht ab. »Wir haben nach wie vor zwischen 1850 und 1900 Asylbewerber im Landkreis, die meisten befinden sich auch noch im Verfahren.« Die neuen Mitarbeiter, die zwar in der Regel Zeitverträge erhalten hätten, seien darum alle noch gut beschäftigt.

»Mit einem blauen Auge davongekommen«

Abteilungsleiter Lothar Wagner zieht nach allem ein positives Fazit: »Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.« Dass es auch anders hätte kommen können, sehe man auch am Landkreis Berchtesgadener Land. Weil das Landratsamt dort definitiv zu klein ist, muss es jetzt erweitert werden. Für die Mitarbeiter bedeutet das einen Tapetenwechsel im großen Stil: Sie sind in den nächsten beiden Jahren in einem ehemaligen Firmengebäude in Freilassing untergebracht. san