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»Große Sprünge können wir nicht machen«

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»Die Zahl der Zuchtsauenhalter hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Landkreis Traunstein halbiert«, sagt Thomas Winkler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

»Die Zahl der Zuchtsauenhalter hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Landkreis Traunstein halbiert«, sagt Thomas Winkler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Und auch die Zahl der Mastschweinehalter sei stark rückläufig (-20 Prozent). Dies entspricht dem bayernweiten Trend: Wie das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung ermittelte, gibt es im Freistaat 5900 Schweine haltende Betriebe, die mindestens 50 Schweine oder 10 Zuchtsauen haben. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang von 2,9 Prozent.


»Viele kleine Betriebe hören auf«

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Den Grund für den Rückgang sieht Thomas Winkler in der Wirtschaftlichkeit. »Viele kleine Betriebe stehen vor der Entscheidung, größer zu investieren oder aufzuhören, wenn das Einkommen nicht ausreicht.« Derzeit gebe es im Landkreis Traunstein 28 Zuchtsauenhalter und 180 Mastschweinehalter.

Eine von ihnen ist Rosi Gerst aus Fridolfing. Die Schweinebäuerin hat 480 Schweine im Stall. »Wir haben einen reinen Mastbetrieb«, sagt die 39-jährige Mutter von vier Kindern. Sie kaufe die Tiere mit einem Gewicht von 30 Kilogramm. In gut drei Monaten werden die Schweine bis zu 120 Kilogramm schwer. »Ich verkaufe die Tiere an die Erzeugergemeinschaft in Mühldorf, geschlachtet werden sie in Vilshofen.« Der Vorteil sei, dass sie dort immer gleich 50, 60 Tiere abgeben könne. »Die Metzger wollen meistens nur ein paar wenige Tiere und außerdem, dass man sie ihnen vorbeibringt. So ist es für mich einfacher.« Derzeit liege der Fleischpreis bei 1,60 Euro pro Kilogramm. »Das ist nicht wirklich gut. Da hatten wir es schon deutlich besser«, sagt Rosi Gerst. Das Problem beim Schweinepreis sei, dass er extremen Schwankungen unterliege. »Wir können kaum planen. Früher haben wir uns in guten Zeiten was weggelegt, jetzt geht das nicht mehr. Da kann es schon mal eng werden, wenn die Preise wieder im Keller sind.« Grundsätzlich bräuchten die Schweinebauern einen höheren Schlachtpreis, »um gut leben zu können«, betont sie. Für ihre Familie reiche es nur, weil sie von ihrem Ex-Mann Unterhalt bekomme.

Übernommen hat sie den Betrieb von ihren Eltern. Die 39-Jährige baut auf 36 Hektar Weizen, Mais und Gerste für die Tiere an. Zukaufen muss sie Soja- und Rapsschrot sowie Mineralfutter. »Davon, also vom Futterpreis, hängt es natürlich auch stark ab, wie es läuft.« Ihr Fazit: »Große Sprünge können wir Schweinebauern nicht machen.«

»Wenig Grillfleisch durch den verregneten Sommer«

Derzeit sei keine gesamtkostendeckende Erzeugung möglich, sagt Thomas Winkler. »Aufgrund des verregneten Sommers wurde wenig Grillfleisch nachgefragt, was zusätzlich die Nachfrage und somit die Erzeugerpreise dämpfte. Auch der Exportstopp nach Russland drückt den Schweinepreis in den Keller«, sagt der Fachmann für Schweinezucht und Schweinehaltung.

Bayernweit werden 3,36 Millionen Schweine gehalten, nur relativ wenige – rund 41 000 – davon im Landkreis Traunstein. »Wir haben im Landkreis 95 Prozent Milchviehbauern«, sagt Hans-Hermann Weinen vom Bayerischen Bauernverband. Das liege an den Gegebenheiten, denn hier gebe es keine großen Getreideflächen zum Anbau von Futter. Dabei gibt es starke regionale Unterschiede. »Im nördlichen Teil des Landkreises Traunstein wird viel Getreide angebaut und somit die Grundlage für die Eigenerzeugung des Schweinefutters geschaffen. Im südlichen Landkreis Traunstein wird die landwirtschaftliche Fläche meist als Grünland genutzt und dieses ist für die Schweinemast ungeeignet«, ergänzt Thomas Winkler.

Auf die Frage, ab wie vielen Tieren ein Schweinebetrieb wirtschaftlich arbeiten kann, sagt er: »Das kann pauschal nicht beantwortet werden.« Besonders im Landkreis Traunstein gebe es einige Direktvermarkter, »die mit kleineren Tierbeständen sehr erfolgreich hochwertiges Schweinefleisch vermarkten.« KR

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