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»Große Herausforderung für die kommenden Jahre«

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Um ein Kulturentwicklungskonzept ging es im Stadtrat. Dieser beschloss nun, ein Angebot für ein solches einzuholen. Dabei würde es auch um die künftige Nutzung des Kulturzentrums im Stadtpark gehen. (Foto: Pötscher)

Traunstein – »Das ist eine große Herausforderung für die kommenden Jahre«, betonte Oberbürgermeister Christian Kegel im Stadtrat. Dabei gehe es bei Weitem nicht nur um die Klosterkirche. Die Notwendigkeit eines kulturellen Leitbilds für Traunstein werde seit vielen Jahren immer wieder diskutiert. »Nun geht es darum, ob wir uns ein Angebot für ein Kulturentwicklungskonzept einholen oder nicht.« Dieses kostet die Stadt nichts, trotzdem wurde im Stadtrat diskutiert.


Die Verwaltung schlug nach eingehender Recherche das Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen vor, das vergleichbare Studien mit ähnlichen Inhalten bereits in mehreren bayerischen Städten, unter anderem in Landsberg und in Altötting, durchgeführt hat. Das Institut sei auf Studien in diesem Bereich spezialisiert und wäre grundsätzlich in der Lage, eine entsprechende Aufgabe zu übernehmen, hieß es.

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»So etwas müssen wir doch selbst können«

Das gefiel Wolfgang Osenstätter (CSU) nicht. »Wieso nehmen wir da wieder irgendein Büro, wenn wir hier bei uns auch gute Leute haben?«, fragte er. »So etwas müssen wir doch selbst können.«

Stephan Hadulla (Grüne) kritisierte, »dass wir am Ende nur ein Papier haben, an das sich keiner hält. So etwas braucht es nicht«, sagte er. Das sah Ursula Lay (UW) anders: »Es ist gut, wenn jemand von außen draufschaut und uns sagt, das hat Potenzial, das nicht.«

»Wir vergeben uns doch nichts«, betonte Dr. Thomas Graf (Traunsteiner Liste). »Wenn das Angebot nicht so ist, wie wir uns das vorgestellt haben, dann sagen wir ab.«

»Es schadet doch nicht, sich das anzuschauen«, sagte auch Oberbürgermeister Christian Kegel und betonte: »Das Angebot ist kostenlos!« Letztlich stimmte der Stadtrat mit 21 zu 1 Stimmen dafür, dass für die Weiterentwicklung der kulturellen Einrichtungen ein Angebot für ein Kulturentwicklungskonzept eingeholt werden soll.

Dass dies wichtig ist, begründete die Verwaltung auch mit der demografischen Entwicklung: Aktuell habe die Stadt Traunstein den statistischen Sprung von einer Kleinstadt (unter 20 000 Einwohner) zu einer Mittelstadt (über 20 000 Einwohner) gemacht. Dadurch kämen neue Anforderungen auf die Stadt zu, auch im kulturellen Bereich.

Ziel des Kulturentwicklungskonzepts sei eine belastbare Entscheidungsgrundlage für kulturelle Einrichtungen und städtische Gebäude – zum Beispiel das Jugendzentrum, die Städtische Galerie, die Bücherei, die Musikschule und die Volkshochschule – im Hinblick auf ihre sinnvolle Nutzung.

Bereits in den Sitzungen von Kultur- und Sportausschuss sowie im Finanzausschuss war es um dieses Thema gegangen. Es gehe auch darum, zu schauen, welche Einrichtungen auf Dauer sinnvoll sind, so Stadtplaner Elmar Schwäbisch bei der Vorstellung. Die vorgesehene Einstellung einer Kulturfachkraft zur Koordination der Kulturbetriebe in der Stadt sei um ein Jahr zurückgestellt worden.

Um einen Handlungsleitfaden zu erstellen, der die unterschiedlichen Vorstellungen berücksichtige, »brauchen wir wen mit Erfahrung aus anderen Städten«, warb Schwäbisch für die Zustimmung zur Angebotsabgabe des sächsischen Büros. Einbeziehen müsse man natürlich auch die Kulturschaffenden, die Politik und die Einrichtungen selbst. »Das kostet Mitwirkungsbereitschaft und ja, auch Geld. Aber das haben wir durch die Verschiebung der Einstellung einer Kulturfachkraft um ein Jahr.«

Zweitem Bürgermeister Hans Zillner (CSU) war die finanzielle Seite zu unklar – »ich find' das ein bisserl abenteuerlich angesichts steigender Schulden.« Er verwies auf ein früheres Kulturkonzept aus der Zeit von Oberbürgermeister Fritz Stahl. »Da steht so viel drin, was nie gemacht wurde.« Christa Fuchs (CSU) schlug vor, eine Sammlung zu erstellen, wer wann was macht: »Wir haben doch in Traunstein eine ganz eigene Struktur. Für mich gehören auch die Trachtenvereine zur Kultur.«

»Eine reine Aufzählung der Gebäude«

Zu dem von Zillner angesprochenen Konzept entgegnete Oberbürgermeister Christian Kegel: »Was ich davon kenne, ist eine reine Aufzählung der Gebäude, aber kein Konzept, wie man das alles nutzen kann. Das Büro aus Dresden hat auch Kulturkonzepte für Altötting und Landsberg erstellt. Und bis jetzt kostet's uns gar nix.«

Stefan Namberger (CSU) fragte, ob denn die Entwicklung des Kulturkonzepts nicht in der Stellenbeschreibung der Kulturfachkraft enthalten war. »Da holen wir uns einen Außenstehenden und die Kulturfachkraft muss dann damit arbeiten, was der entwickelt.« Er könne dem Beschlussvorschlag nur zustimmen, »wenn es dann nicht am Ende heißt, jetzt haben wir schon den ersten Schritt gemacht, jetzt müssen wir auch den zweiten Schritt machen.«

Ernst Haider (UW) wandte ein: »Es wäre halt gut, zu wissen, ob das in Altötting in der Praxis gut funktioniert hat. Wie er schlug auch dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) vor, die Verwaltung möge sich diesbezüglich mit Altötting in Verbindung setzen.

»Künftig ganzjährig nutzbare Klosterkirche«

Für den späteren Betrieb des Kunst- und Kulturzentrums Klosterkirche könnte im Rahmen des Konzepts – falls es denn kommt – ausgearbeitet werden, was künftig alles während des ganzen Jahres an kulturellen und anderen Veranstaltungen in der Klosterkirche stattfinden kann oder soll. »Damit will man vermeiden, dass es mehrere städtische Kultureinrichtungen gibt, in denen das Gleiche stattfindet«, erklärte Oberbürgermeister Christian Kegel auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts. Es wäre meiner Meinung nach nicht sinnvoll, jetzt oder in vielleicht 10 oder 20 Jahren über die Errichtung eines Stadtsaals nachzudenken, »wenn wir nach der Gesamtsanierung und Modernisierung des künftig ganzjährig nutzbaren der Klosterkirche einen genau solchen Raum besitzen«, so Kegel weiter. Man würde sich ja selbst Konkurrenz machen und das Ganze auch noch teuer bezahlen. Ein Kulturentwicklungskonzept bedeute also auch das Herausarbeiten von großen finanziellen Einsparpotenzialen.

Fest steht nun, dass ein Angebot für ein solches Konzept eingeholt wird. Geplant ist außerdem, dass sich der Leiter des Instituts für kulturelle Infrastruktur Sachsen, Dr. Matthias Vogt, und gegebenenfalls andere geeignete Fachleute, persönlich vorstellen und die Inhalte und Vorgehensweise der Untersuchung detailliert vorstellen. KR/coho