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Große Auszeichnung für kleinen Retter

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»Das ist doch ganz selbstverständlich«: Dass er einer demenzkranken Frau vermutlich das Leben gerettet hat, daraus macht der elfjährige Niklas Pöllner aus Nirnharting keine große Sache.

Waging am See – Kleiner Mann – ganz groß: Der elfjährige Niklas Pöllner aus Nirnharting wird eine Urkunde und eine Medaille von der Regierungspräsidentin von Oberbayern bekommen, weil er eine demenzkranke Seniorin, die sich verlaufen hatte, zu sich nach Hause mitgenommen und ihr so vermutlich das Leben gerettet hat (wir berichteten). Die öffentliche Anerkennung für seine Rettungstat erhält er am kommenden Mittwoch in München.


»Das ist doch ganz selbstverständlich«, sagt Niklas im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt in einem Tonfall, in dem die Aussage mitschwingt: »Das hätte doch jeder gemacht.« Für Niklas ist das, was er getan hat, tatsächlich das Selbstverständlichste auf der Welt. Die Auszeichnung, die er jetzt erhalten wird, ist aber ein Zeichen dafür, dass es das eben bei Weitem nicht für jeden ist.

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Niklas war am 13. Dezember 2015 mit dem Fahrrad von seiner Oma, die in Fisching lebt, nach Hause gefahren. Es dämmerte bereits. Auf der viel befahrenen Staatsstraße 2104 sah er eine Seniorin gehen, ständig wichen ihr die Autos aus. Dem damals Zehnjährigen war schnell klar, wie gefährlich die Situation für die Frau ist.

Er sprach die Seniorin an. Sie fror und wirkte verwirrt, fragte nach  einem  Ort in Sachsen. Niklas war klar, dass sich die Frau verlaufen hat und Hilfe braucht. Später stellte sich heraus, dass sie bereits stundenlang unterwegs gewesen war. Kurzerhand nahm der Bub die Seniorin mit zu seinen Eltern, die riefen die Polizei.

Weil er »ein Vorbild für die Gesellschaft« ist, wird Niklas nun von der oberbayerischen Regierungspräsidentin Brigitta Brunner ausgezeichnet. Vor zwei, drei Monaten etwa, so schätzt der Bub, erhielt er einen Brief und erfuhr so von der Ehrung. »Ich hab' mich gefreut«, sagt der Sechstklässler bescheiden. Am kommenden Mittwoch hat er schulfrei, wird mit seinen Eltern zur Feierstunde nach München fahren.

Seine Rettungstag hatte bereits im Dezember für Schlagzeilen gesorgt. Die Polizei hatte den Fall publik gemacht, zahlreiche Medien berichteten daraufhin über Niklas. Sein Rektor von der Mittelschule Waging, daran erinnert sich der Bub, habe ihn damals »Fernsehstar« genannt und ihm als Anerkennung ein Spiel und ein Buch geschenkt.

Diesmal gibt es eine Urkunde, eine Medaille und einen bayerischen Löwen. »Ich hab' mir gesagt, wenn mir sowas passieren würde, dann könnte ich auch Hilfe gebrauchen«, denkt Niklas zurück. Und dann schiebt er noch ganz unbedarft nach: »Ich weiß, wie alte Frauen sind. Ich habe ihnen schon öfters geholfen.« san