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Großauftrag aus Russland

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Zwei Monate lang hat der Auftrag aus Russland Andreas Weinzierl (links) und seinen Auszubildenden Max Janson beschäftigt. Die Zierteile sind alle 3D-gefräst. 800 Stunden lief alleine das CNC-Bearbeitungszentrum, bis alle 128 Ornamente ausgefräst waren. Inzwischen sind die Verzierungen bereits auf dem Weg nach Russland. (Foto: Schwaiger)
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Imposante Erscheinung: Alleine schon das 3D-Modell der Konzertsaalorgel ist beeindruckend. Andreas Weinzierl aus Riederting fertigt die Ornamente, die das Holzgehäuse zieren – auf dem Entwurf sind sie hell abgesetzt.

Traunstein. Es ist nicht nur sein bisher größter, sondern auch sein anspruchsvollster Auftrag: Schreinermeister Andreas Weinzierl aus Riederting bei Traunstein hat die aufwändigen Verzierungen einer Konzertsaalorgel für die russische Stadt Pensa gefertigt. Auftraggeber der Orgel im klassizistischen Stil ist der russische Staat, bei der Einweihung des Instruments im September wird darum auch Präsident Wladimir Putin dabei sein. Die 128 Ornamente aus Eichenholz schickte Weinzierl gestern auf ihre lange Reise nach Russland.


Ein Schnitzer wäre wohl ungefähr ein Jahr lang beschäftigt gewesen, hätte er die vielen Zierteile in Handarbeit erschaffen wollen. Andreas Weinzierl hat es in zwei Monaten geschafft. Dafür ist sein 3D-Roboter 800 Stunden lang gelaufen – rund um die Uhr. Alleine 150 Stunden hatte es zuvor gedauert, am Computer das virtuelle 3D-Modell jedes einzelnen Ornaments zu erstellen, 100 weitere Stunden waren nötig, um die CNC-Maschine zu programmieren.

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Das Know-how, das dafür nötig ist, haben nicht viele. Schreinermeister Weinzierl hat sich vor sieben Jahren mit seinem Unternehmen »3D-HolzDesign« selbständig gemacht und sich damit – der Firmenname verrät es bereits – auf 3D-Design aus Holz spezialisiert. Damit hat er eine Marktlücke entdeckt, die ihm inzwischen Aufträge aus der ganzen Welt beschert. Der aktuelle Auftrag aus Russland toppt aber alles bisher Dagewesene.

Konzertorgel ist 12 mal 14 Meter groß

Der Orgelbauer Stephan Mayer aus dem Saarland hat den Traunsteiner mit ins Boot geholt. Das 12 mal 14 Meter große Holzgehäuse der Konzertsaalorgel fertigt der Orgelbauer selber, Andreas Weinzierl ist ausschließlich für die Verzierungen zuständig.

Für seinen Zwei-Mann-Betrieb – er und sein Auszubildender Max Janson – war das schon genug Herausforderung. »Was das handwerkliche Können betrifft, ist das schon das Höchste, was möglich ist«, sagt der 38-Jährige. Das Instrument kostet gut eine Million Euro.

Den Anblick der fertigen Konzertsaalorgel in der »Neuen Philharmonie« in der 500 000-Einwohner-Stadt Pensa in Russland will sich Andreas Weinzierl auf keinen Fall entgehen lassen. Ob er bei der Eröffnung am 15. September dabei sein kann, steht allerdings noch in den Sternen. »Ich habe nicht mal einen gültigen Reisepass«, erzählt der Traunsteiner lachend. Und die Zeit, einen zu beantragen, habe ihm in letzter Zeit schlichtweg gefehlt. Doch so viel steht fest: Wenn es im September nicht klappen sollte, dann auf jeden Fall später: »Eines Tages werde ich auf jeden Fall nach Pensa hinschauen«, versichert Andreas Weinzierl. san

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