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Größtes »Wimmelbild« der Welt soll in Traunstein entstehen

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Kreative Köpfe: Die drei Traunsteiner (von links) Stefan Kohler, Sabine Berger und Ingo Tauber sind die Macher hinter dem Weltrekordversuch im April. (Foto: Schwaiger)

Traunstein. Sympathisch-verrückter Weltrekordversuch: Nach dem Vorbild der kultigen Kinderbuchreihe »Wo ist Walter?« soll in Traunstein das größte »Wimmelbild« der Welt entstehen. Die Initiatoren suchen noch mindestens 300 Statisten für ihr Megaprojekt.


In den Achtzigern haben die Kinder sie geliebt: Die Wimmelbilderbücher des Briten Martin Hanford sind inzwischen Kult. Auf großformatigen Bildern gilt es, den Weltenbummler Walter zu entdecken. Der Mann mit Brille, rot-weiß gestreiftem Pullover und einer Pudelmütze »versteckt« sich immer unter Hunderten von Menschen – ob an überfüllten Stränden oder auf dem gut besuchten Jahrmarkt.

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Stefan Kohler ist als Kind Fan der Bücher gewesen. Der gebürtige Traunsteiner lebte einige Zeit in Berlin – und dort in der wuselnden Großstadt fielen ihm auf einmal wieder die »Wo ist Walter?«-Bücher ein. »Ich dachte mir, dass das ein schönnes Fotoprojekt wäre.«

»Logistischer und technischer Gewaltakt«

Von da an wuchs die Idee – langsam, aber stetig – zu dem Projekt »Traunstein wimmelt« heran, das jetzt am Sonntag, 14. April, auf dem gesperrten Stadtplatz als Weltrekordversuch über die Bühne gehen wird. Das Megaprojekt hält Stefan Kohler und seine beiden Mitstreiter von der Traunsteiner Fotoagentur »Kamerakind«, Sabine Berger und Ingo Tauber, inzwischen gehörig auf Trab. »Das ist tatsächlich ein logistischer und technischer Gewaltakt«, gesteht Stefan Kohler.

200 Fotos sollen am Tag des Weltrekordversuchs entstehen; zusammengesetzt ergeben sie das Rekord-Wimmelbild. Die fertige Datei mit den 200 digitalen Bildern wird 13 Terrabyte groß sein. »Das stellt eine ganz neue Dimension in der Fotografie dar«, so die Initiatoren.

Ihr größtes Problem ist die Logistik. Da zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang Mitte April »nur« gut 13 Stunden liegen, bleiben für jedes Bild gerade mal zwei bis drei Minuten. Um die unterschiedlichen Lichtverhältnisse zu überbrücken, müssen der Fotograf und die Statisten dauernd vor dem Schatten »fliehen«, die die umstehenden Gebäude auf den Stadtplatz werfen. Ein ehrgeiziger Plan, für deren Umsetzung die drei kreativen Köpfe den bekannten kanadischen Fotografen Benjamin von Wong gewinnen konnten. »Extra wegen ihm werden auch einige Leute aus Berlin anreisen«, erzählt Stefan Kohler.

Doch mit »einigen Leuten« lässt sich das ehrgeizige Vorhaben nicht umsetzen. Denn die drei Traunsteiner brauchen für ihr Wimmelbild mindestens 300 Statisten. Ob alt oder jung, ob groß oder klein – »wir suchen jedermann«, erklärt Stefan Kohler. Die Freiwilligen sollten mindestens zwei Stunden Zeit mitbringen. Was außerdem wichtig ist: Wer sich anmeldet – das ist auf der Internetseite von www.kamerakind.net möglich – sollte auch wirklich erscheinen. Jeder, der fehlt, bringt das Vorhaben durcheinander – obwohl es nach Aussage der Initiatoren für fast alles einen »Plan B« gibt.

Für den ganzen Tag gibt es ein Drehbuch. »Wir wollen richtige kleine Geschichten erzählen«, erklärt Sabine Berger. Noch stehen nicht alle Szenen, aber es gibt schon viele Ideen: »Wir hätten zum Beispiel gerne die Schwertertänzer dabei und den Oberbürgermeister in Tracht«, sagt Stefan Kohler. Ob beides klappt, ist noch unklar. So viel steht aber fest: Einige der Szenen sollen auf den ersten Blick »traunsteinerisch« daherkommen.

Wie viele Statisten pro Szene nötig sind, variiert: »Einmal sind es zwei bis drei Leute, dann 30 bis 40«, erklärt Sabine Berger. Fotograf Benjamin von Wong wird mit seiner Kamera auf dem Jacklturm stehen. In Echtzeit sollen die Fotos, die er schießt, auf einer Leinwand zu einer ersten »Schnellversion« des Wimmelbilds zusammengesetzt werden.

Wer den »Walter« spielen wird, das ist noch nicht entschieden. Es gibt aber schon einen Bewerber. Er heißt mit Vornamen, »Waldo«, ist aus Frankreich und übers Internet auf die Aktion aufmerksam geworden. Schließlich heißen die »Wo ist Walter?«-Bücher in Nordamerika »Who is Waldo?«.

International tätige Galerie zeigt schon Interesse am Bild

Wer nicht vor der Kamera stehen, aber trotzdem dabei sein will, kann bei dem Weltrekordversuch auch als Helfer tätig werden. »Security, Catering, Techniker, Bürokaufleute – wir nehmen alles und jeden«, betont Sabine Berger. Das Trio von »Kamerakind« sucht außerdem Sponsoren für ihre Aktion. Unterstützung bekommen sie dabei von Stadtmarketing-koordinator Jürgen Pieperhoff. Er ist begeistert von dem Projekt – und auch gespannt: »Wenn alles gelingt, dann ist das eine enorme Leistung.«

Noch gibt es übrigens keinen vergleichbaren Weltrekordversuch. Das fertige Wimmelbild aus Traunstein wird damit das erste seiner Art sein. Was mit dem Gigapixelbild passieren soll, davon wollen sich die Macher auch ein wenig überraschen lassen. »Vieles ist denkbar«, sagt Stefan Kohler. Eine international tätige Galerie hat schon ihr Interesse bekundet. »Wir wollen das Bild auf jeden Fall mindestens ein Mal ausdrucken.« Es wird voraussichtlich sechs auf sechs Meter groß sein. Nicht nur auf diesen Umstand bezieht sich das Fazit des Trios: »Das Projekt hat auch für uns von der Größe her eine ganz neue Dimension.« ch/san