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Größtes Hindernis sind Sprachbarrieren

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Lauter strahlende Gesichter und viele neue Bekanntschaften gab es beim ersten Grabenstätter Café International im Pfarrsaal. Grabenstätter und Asylbewerber nutzten die Gelegenheit, einander kennenzulernen. (Foto: Müller)

Grabenstätt – Ein voller Erfolg war das erste Grabenstätter Café International im Pfarrsaal. Menschen jeder Herkunft und Kultur, Einheimische und Zugezogene trafen sich, um bei Kaffee und Kuchen miteinander ins Gespräch zu kommen und einander kennenzulernen. Veranstalter waren der rund 35-köpfig,e ehrenamtliche »Helferkreis Asyl« der Gemeinde und der Pfarrgemeinderat.


Die Grabenstätter Asylbewerber genossen das ungezwungene Zusammensein mit ihren Mitbewohnern und Ansprechpartnern aus dem Helferkreis, suchten aber auch immer wieder den Kontakt mit anderen Bürgern. Auf Atlanten und Karten konnten sie diesen zeigen, wo sie herstammen, und auf welch schwierigen und teilweise lebensgefährlichen Wegen sie nach Europa und schließlich nach Deutschland gelangt sind. Sprachprobleme überwand man kurzerhand mit Gestik und Mimik. Manchmal genügte auch nur ein Lächeln und das Eis war gebrochen.

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Ein paar Asylbewerber halfen bei der Bewirtung mit oder vergnügten sich beim Kartenspielen. Andere übersetzten in die persische Sprache Farsi, die Paschtunen-Sprache Paschtu und in die pakistanische Sprache Urdu, als Matthias Fauser vom Helferkreis Asyl die Gäste auf Deutsch und Englisch willkommen hieß. Ein Pakistani ließ es sich nicht nehmen, seine Sangeskünste zu demonstrieren.

Neben den erfolgreichen Deutschkursen, die der Helferkreis l dreimal wöchentlich anbietet, zeigt die Integrationsarbeit auch anderweitig Früchte: Ein Asylbewerber arbeitet bereits 30 Stunden wöchentlich in einem Altenheim, ein anderer in Vollzeit bei einer Fastfood-Kette. Dass die Integration so gut klappt, liegt laut Fauser an der sehr guten Organisation und der Anfang des Jahres vorgenommenen Bestellung von Paten, die jeweils mehreren Asylbewerbern als persönliche Ansprechpartner und Vertrauenspersonen zur Verfügung stehen.

Größtes Hindernis seien nach wie vor Sprach- und Verständnisschwierigkeiten, gab Renate Schützinger zu bedenken. Das Amtsdeutsch der Behörden sei schon für deutsche Muttersprachler oft schwer zu verstehen, da könne man sich gut vorstellen, dass ein Syrer, Iraker oder Afghane auf verlorenem Posten stehe und Hilfe brauche.

Ihre Helferkreis-Kollegin Ariane Looshorn erklärte, dass sie den Asylbewerbern auch immer wieder zu vermitteln versuche, dass das Leben in Deutschland kein Zuckerschlecken ist, und dass sich auch jeder Deutsche seinen Lebensunterhalt hart erarbeiten muss. »Wenn sie dann hören, dass ein Führerschein 2000 Euro und eine Mietwohnung 600 Euro im Monat kosten, dann merken sie schnell, dass das Geld nicht ausreicht«, so Looshorn.

»Wir sind sehr dankbar, dass wir hier so gut aufgenommen worden sind und bedanken uns herzlich dafür, wir wollen den Menschen hier aber auch etwas zurückgeben«, meinte ein Asylbewerber in perfektem Englisch. In Grabenstätt leben derzeit 56 männliche Asylbewerber. Drei Iraker und 23 Pakistaner im alten Pfarrkindergarten, fünf Syrer, drei Eritreer und zwei Pakistaner am Marktplatz und 20 Afghanen in Winkl.

Sollte sich die im Raum stehende Sollquote von knapp 150 Asylbewerbern bis Jahresende auch nur zur Hälfte bewahrheiten, wäre der Helferkreis dringend auf weitere Helfer angewiesen, hieß es. Schon jetzt freue man sich über jede Unterstützung.

Die Chancen für ein weiteres Café International stehen gut, denn der Zuspruch hatte alle Erwartungen übertroffen. Auch Bürgermeister Georg Schützinger, Gemeinde-Geschäftsleiter Peter Lex, Pater Augustin und Gemeindereferentin Barbara Burghartswieser waren begeistert. »Es war toll, das können wir ruhig öfters machen«, brachte es eine Besucherin auf den Punkt. mmü