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Griechische Zustände in der Stadt Traunstein

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Den Orden »Für nix und wieder nix« übergaben Petrus (Willi Schwenkmeier) und Athene (Christa Fuchs) an Altoberbürgermeister Fritz Stahl. (Fotos: Buthke)
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Mit bayerisch-derben Sprüchen und lustigen Liedern traten die »Prima Tonnen« Bettina von Haken (links) und Edeltraud Rey auf.

Traunstein – Mit dem »Traunsteiner Starkbierfest« im Hofbräuhaus Traunstein wurde die Fasten- und Starkbierzeit eröffnet. Christa und Franz Fuchs sowie Willi Schwenkmeier von der Kulturfabrik NUTS sowie die »Prima Tonnen« Bettina von Haken und Edeltraud Rey sorgten für Stimmung. Den Orden »Für nix und wieder nix« erhielt Altoberbürgermeister Fritz Stahl. Für Musik sorgte die Stadtmusik Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel.


Das leere griechische Fass ohne Boden angezapft

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Landrat Siegfried Walch zapfte mit Oberbürgermeister Christian Kegel als »Fasslhalter« ein Holzfass mit dem hochprozentigen (7,8 Prozent Alkohol) Gerstensaft an. Doch vorher drängte der Wittelsbacher-Otto (Bräu Maximilian Sailer), griechischer König von 1832 bis 1862, auf die Bühne und reklamierte, ob seiner Königswürde das erste Fass anzapfen zu dürfen – gekonnt mit einem Schlag. Der Beifall war jedoch verfrüht. Denn das Biergebinde war ein griechisches leeres Fass ohne Boden.

Beim Politikerderblecken landete Petrus (Willi Schwenkmeier) im Vorzimmer des Oberbürgermeisters, um seine göttlichen Eingebungen loszuwerden. Mit dabei hatte er die Athene, die griechische Göttin der Weisheit (Christa Fuchs). In Griechenland sei sie gescheitert, aber in Traunstein werde Weisheit immer gebraucht. Die Beiden erwischten den »Bürohengst« (Franz Fuchs), als er zum Tagesausklang ein Kreuzworträtsel löste und über die Frage nach einer Figur für Wirtshauskellerspiele mit fünf Buchstaben grübelte. Gesucht war der Name seines Rathauschefs. Athene vermutete gleich griechische Verhältnisse, wo die Beamten nur auf die Pension gewartet hätten. Darauf meinte Petrus, die Stadt Traunstein gebe genauso wie die Griechen Geld aus, das sie gar nicht habe.

Was macht zum Beispiel das Stadtmarketing? Erst nach längerem Grübeln fiel dem Beamten die »Woche der Frau« ein. »Da war's g'scheiter vom Jürgen Pieperhoff, er daad eine Woche fürn Stadtplatz macha«, meinte Petrus. Dass nichts geschehe, liege wohl an der Autoindustrie: Fünfmal mit dem Auto über den Stadtplatz fahren und die Federung und die Achsen seien hin.

Die Klosterkirche sei als »Traun-Philharmonie« genauso ein Millionengrab wie das »Dingsbums« in Hamburg. »Mi wundert's, dass die Traunstoana ned auch noch einen Flughafen bauen«, so der Petrus. Mit dem Kauf der Güterhalle habe die Stadt zum Schnäppchenpreis ein Industriedenkmal erworben, erklärte der Beamte.

Walch: 14 Tage Probesitzen in der Staatskanzlei

Auch Landrat Siegfried Walch bekam sein Fett weg, weil er die Kosovo-Flüchtlinge als Winterurlauber bezeichnet hatte. Ob er vielleicht umgekehrt seinen Winterurlaub im Kosovo verbringe? Nein, denn er sei 14 Tage zum Probesitzen in der Staatskanzlei. Dem Beamten erbarmte er gleich, weil er TTIP wie viele in seiner Partei offenbar für eine neue Computertastatur halte.

»Eigentlich muss uns kein Politiker derbarmen, der freiwillig ein Amt übernommen hat«, meinte die Athene. »Ned amoi der Kegel, der wahrscheinlich am allermeisten selbst davon überrascht war, dass er gewählt worden is«, sagte der Petrus, der das Stadtoberhaupt vermisste. Weil die Stadt zu wenig Angestellte habe, müsse er selbst den Kunstrasen am SBC-Platz föhnen, erklärte der Bürohengst.

Erhebliche Zweifel hegte dieser an der Zuständigkeit der Athene. Weisheits-Überbringerin und noch dazu eine Frau? »Do kennt's uns genauso guat die Bause schicka, die glaubt wie alle Greanan, dass sie die Weisheit mit der Muttermilch aufg'song hat. Seids ihr deppert do drom? Mia finanzieren die Griechen und ihr schickts uns oane, de bei uns den Saustall auframa soll?«, schüttelte er den Kopf.

Wie man Lacher erzeugen kann, ohne auf die Politik einzugehen, machten die »Prima Tonnen« vor, bei denen das Körpergewicht ungleich verteilt ist, denn Bettina von Haken stellt Edeltraud Rey ganz leicht in den Schatten. Auf das Altwerden brauche man sich nicht freuen, denn geplant sei beispielsweise, dass Rentner keine Prostata-Operation mehr bezahlt bekommen, weil sie zum Pieseln Zeit hätten. Mit einem Lied gingen sie auf das Problem ein, dass Witwenrente erst mit 52 Jahren gezahlt werden soll. Am besten solle sich die Witwe gleich mit ihrem verstorbenen Mann verbrennen lassen – das »indische Modell« sozusagen.

Stolz aufs Gewicht – innere Schönheit braucht Platz

Aber es geht auch ohne den schnöden Mammon, denn wie sangen die »Prima Tonnen«: »Mia is alles oans, ob i a Geld hob oder koans«. Wobei die beiden augenscheinlich eher auf der Schattenseite des Lebens stehen, denn: »Wer a Geld hat, sitzt im Publikum, wer koans hat, steht auf der Bühne rum«. Quasi ein Selbstporträt zeichnete die Bettina mit dem Münchner Couplet »Ich bin die Kathi von Obergiasing, i stemm mit der Hand an Zentner Wirsing«.

Natürlich kokettierten die »Prima Tonnen« mit ihrem Gewicht. »Wir tragen es mit stolz, denn innere Schönheit braucht Platz«. Und die Schlanken im Publikum trösteten sie mit dem Lied »Das Breiter-Sein, das holt uns alle ein«. Das Publikum quittierte den gelungen Auftritt mit viel Beifall und dem Ruf nach einer Zugabe. Bjr