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Grenzen zu Österreich sind seit 20 Jahren offen

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Die Zöllner sind vor allem damit beschäftigt, den Warenverkehr zu überwachen.

Vor 20 Jahren, am 1. Januar 1995, ist die Republik Österreich der EU beigetreten. Seitdem sind die Grenzen offen. Zuvor hatten Schlagbäume die Länder voneinander getrennt. Die Autobahnzollämter am Walserberg und in Kiefersfelden gehörten bis 1995 zu den wichtigsten Grenzübergängen Europas. Alleine bei diesen beiden Dienststellen waren über 500 Zöllner beschäftigt, die in Spitzenzeiten zusammen über eine Milliarde Euro im Jahr einnahmen.


Der Zoll in Kiefersfelden ist zwischenzeitlich längst Geschichte. Die EU-Mitgliedschaft Österreichs hatte zur Folge, dass der Warenverkehr zwischen Deutschland und Österreich freie Fahrt hat. Lediglich Waren aus einem sogenannten Drittland, also aus einem Land, das nicht Mitglied der EU ist, gehören seither verzollt. Weil aber aus dem Süden Europas über den Brenner und die Inntalautobahn kaum mehr Waren aus einem Drittland nach Deutschland kommen, gab es für den Zoll in Kiefersfelden keine Zukunft mehr. Noch 1995 wurde das Zollamt Kiefersfelden-Autobahn, eines der seinerzeit größten Autobahnzollämter Europas, aufgelöst.

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Zollamt Kiefersfelden: Im Jahr 2000 kam die Abrissbirne

Allerdings nutzte das Hauptzollamt Rosenheim für einige Jahre weiterhin einen Teil der freigewordenen Räumlichkeiten für fast 100 Zöllner, die wegen der Raumnot in der Rosenheimer Liegenschaft keinen Platz mehr hatten. Im Mai 2000 war es dann soweit: Sämtliche Gebäude, in denen damals der deutsche und der österreichische Zoll sowie die Grenzpolizei und die Speditionen untergebracht waren, fielen der Abrissbirne zum Opfer. Sie mussten den heutigen Rastanlagen Inntal Ost und Inntal West weichen.

Die Situation beim Zollamt Bad Reichenhall-Autobahn war dagegen eine völlig andere. Auf der sogenannten Balkanroute direkt an der Autobahn 8 gelegen, liefen die Warenströme aus den südosteuropäischen Ländern, überwiegend aus der Türkei und Ländern des ehemaligen Jugoslawiens, nach wie vor über diese Zollstelle. Auch wenn 1995 das damalige Grenzzollamt in ein Binnenzollamt umgewandelt wurde, konnte es sich aufgrund der günstigen Rahmenbedingungen bei der Wirtschaft schnell etablieren. Jährlich steigende Abfertigungszahlen sicherten schließlich den Bestand der Dienststelle.

Das alte Brückengebäude, das die Autobahn am Walserberg weithin sichtbar über-spannt hatte, wurde im Mai 2003 abgerissen. Im danach neu errichteten Gebäude sind derzeit fast 50 Beschäftigte im Abfertigungsdienst tätig. Im vergangenen Jahr fertigten sie über 270 000 Sendungen ab und nahmen dabei mehr als 230 Millionen Euro für den Bundeshaushalt ein.

Von Schmuggelzigaretten über Rauschgift bis zu Tieren

Trotz grenzenloser Zeiten ist der Zoll in der Region nach wie vor präsent. Der Bezirk des Hauptzollamts Rosenheim umfasst mit seinen zwölf Landkreisen nicht nur das Grenzgebiet zu Österreich, sondern den gesamten südostoberbayerischen Raum. An den Standorten Rosenheim, Bad Reichenhall, Reischenhart, Traunstein, Weilheim und Winhöring verrichten mehr als 520 Zöllner ihren Dienst.

Rund um die Uhr sind Kontrolleinheiten im grenznahen Raum auf unseren Autobahnen und Bundesstraßen unterwegs, um den Personen-, vor allem aber den Warenverkehr zu überwachen. Große Mengen von Schmuggelzigaretten, Rauschgift und andere Waren, deren Einfuhr verboten ist und Beschränkungen unterliegt, werden jedes Jahr aus dem Verkehr gezogen. Zudem überwachen die Zöllner die Ein- und Ausfuhr von geschützten Tieren und Pflanzen beziehungsweise Teilen oder Erzeugnissen daraus.

Von großer Bedeutung ist für den Zoll auch der Kampf gegen die Produkt- und Markenpiraterie. Und mit umfangreichen und intensiven Kontrollen tragen die Zöllner der Finanzkontrolle Schwarzarbeit an den Standorten Rosenheim, Traunstein und Weilheim dazu bei, Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung einzudämmen. In diesem Jahr hat der Zoll zudem die Verwaltung der Kraftfahrzeugsteuer von den Finanzämtern übernommen.

Obwohl sich also die Aufgaben in den vergangenen Jahren grundlegend verändert haben, leistet der Rosenheimer Zoll mit seinen Einnahmen – im Jahr 2013 waren es immerhin fast 1,7 Milliarden Euro – nach wie vor einen wichtigen Beitrag zum Staatshaushalt. fb