weather-image
20°

»Gratismentalität führt uns an die Grenzen«

3.2
3.2
Bildtext einblenden
Die stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin Ilse Aigner – hier im Gespräch mit dem Traunsteiner Landrat Siegfried Walch – hielt bei der Jubiläumsfeier die Festrede. (Foto: Poschinger)

Traunstein – Die Medienlandschaft ist im Wandel. Kein Wunder, dass das auch Stoff für den Jubiläumsabend »160 Jahre Traunsteiner Tagblatt« im historischen Rokokosaal bot (wir berichteten). »Das Informationszeitalter hat Strukturen, die sich über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte etabliert haben, innerhalb weniger Jahre aufgebrochen«, erklärte die stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin Ilse Aigner, die Hauptrednerin des Abends. Für die Zukunft der Regionalzeitungen sieht sie trotzdem nicht schwarz: Dort sei zu erfahren, was »direkt hinter dem eigenen Gartenzaun« passiere. »Das ist ihr Alleinstellungsmerkmal«, sagte die Ministerin zur Verlegerfamilie Miller.


Dennoch wollte Ilse Aigner die Situation der Medien nicht schönreden. »Die Konkurrenz auf dem Markt gewinnt zunehmend an Schärfe«, stellte sie fest. Hinzu komme, dass die Konkurrenz aus dem Internet die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft schmälern würde. Deshalb sei es für die allermeisten Zeitungen eine Überlebensfrage, im neuartigen Wettbewerb um die Meinungsbildung das Geschäftsfeld Internet gewinnbringend zu erschließen. »Ich weiß, dass Sie hier beim Traunsteiner Tagblatt digital und Zeitung – beides – machen: Internetauftritt, E-Paper. Sie haben damit in die Zukunft investiert!«

Anzeige

Mit Nachdruck betonte Aigner, dass die Informationsflut Zeitungen und Medienhäuser keineswegs überflüssig mache. Das Gegenteil sei der Fall. Und der Wert kostenloser Informationen im Internet sei »zumindest in vielen Fällen fraglich«. Deshalb sei sie der festen Überzeugung, dass uns die »Gratismentalität« vieler Nutzer an Grenzen führe. Eine Umkehr sei nötig: »Ein strukturiertes und hoch qualifiziertes Angebot ist in Zukunft wichtig.« Und sie sehe auch, dass langsam die Zahlungsbereitschaft in der Nutzung digitaler Dienste wachse.

Den Hang zur Größe in der Medienlandschaft nehme sie »mit gehöriger Skepsis« wahr, erklärte die stellvertretende Ministerpräsidentin etwa mit Blick auf Internet-Giganten wie Facebook und Google. »Wir brauchen eine Balance zwischen großer weiter Welt und Heimat«, forderte sie und stellte fest: »Je größer die Welt wird, umso wichtiger ist es, Wurzeln zu haben.« Sie trug außerdem ein Plädoyer für die Vielfalt vor: »Es ist gut, dass wir eine Meinungsvielfalt haben, die ein und dieselbe Sache von verschiedenen Perspektiven aus beleuchtet.« Und Meinungsvielfalt, so schloss Ilse Aigner ihren Gedankengang, sei auch durch eine starke regionale Presse gewährleistet.

Verleger Thomas Miller bekräftigte, dass eine Medienlandschaft ohne Zeitung nicht vorstellbar sei. »Oftmals wurde die Zeitung schon totgesagt und trotzdem hat sie ihren Platz als Leitmedium beibehalten.« Seine Position führte er unmissverständlich aus: »Wir glauben an das gedruckte Wort.«

Offen räumte Miller ein, dass es kleine Verlagshäuser immer schwerer hätten: »Aber wir wollen nicht jammern und lamentieren, sondern nach vorne schauen.« Schon in der Vergangenheit sei es stets ein Markenzeichen des Verlags Miller gewesen, zur rechten Zeit die notwendigen Investitionen zu tätigen. Und so werde es auch bleiben: »In den letzten Jahren wurde bei uns kräftig modernisiert, um für die kommenden Jahre gut aufgestellt zu sein.« san