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Grassauerin auf besonderer Mission in der Karibik

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Monika Ullrich hat viele neue Eindrücke von dem Arbeitseinsatz mit nach Hause gebracht.
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In absoluter Dunkelheit wurde auf die Riesenschildkröten gewartet. Hier vermisst Monika Ullrich (links) gerade einen dieser Meeresbewohner. (Fotos: Ullrich)

Grassau – Auf ein ganz besonderes Abenteuer hat sich die junge Studentin Monika Ullrich begeben: Nach einer Sprachreise in Costa Rica arbeitet die Grassauerin vier Wochen lang in dem Camp »Tortugas de Pacuare« in der Karibik, um Meeresschildkröten zu helfen.


Zunächst startete die Studentin zu einer Sprachreise in den Ort Heredia. In der Sprachenschule lernte die 24-jährige Grassauerin Spanisch und war bei einer netten Gastfamilie untergebracht. Neben dem Schulbesuch, der übrigens den ganzen Tag dauerte, blieb dennoch Zeit für Ausflüge. In der Schule lernte sie dann eine Studentin näher kennen, die sich nach dem Sprachkurs zu einem freiwilligen Arbeitseinsatz in dem Meeresschildkröten-Camp angemeldet hatte. Was die Freundin erzählte, gefiel Monika Ullrich und sie entschloss sich spontan, auch helfen zu wollen.

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Die Anreise war abenteuerlich

Das Camp »Tortugas de Pacuare« liegt etwa 40 Kilometer südlich von Tortuguero, mitten in der Karibik, direkt am Sandstrand. Bereits die Anreise, so erzählt Monika, war abenteuerlich, denn die Station erreicht man nur mit einem Boot. Lediglich ein kleines Fischerdorf ist unweit der Station zu erreichen. Dort arbeiteten und wohnten 14 Freiwillige aus vielen Ländern der Welt – und alle schliefen in einem Zimmer. Die Unterkunft sei sehr spartanisch eingerichtet gewesen und dennoch habe es an nichts gefehlt, betont die Grassauerin.

Eier werden gestohlen – der Nachwuchs bleibt aus

Dieses gemeinnützig geführte Camp macht es sich zur Aufgabe, die großen Meeresschildkröten, vor allem die Lederrückenschildkröten, zu retten. Diese Art sei sehr gefährdet, da Diebe die Eier stehlen und der Nachwuchs ausbleibt. So patrouillierten die Freiwilligen nachts über den 24 Kilometer langen Standstrand und hielten Ausschau nach diesen Meerestieren. Da die Tiere sehr schreckhaft sind, musste ohne Taschenlampe der Strand abgesucht werden. Wurde dann eine dieser großen Schildkröten entdeckt, wartete die Gruppe, bis das Tier das Loch für den Nachwuchs ausgegraben hatte und das Eierlegen begann.

Während dieser Zeit, so Monika Ulrich, befinden sich die Tiere in einer Art Trancezustand und dieser wurde genützt, um die riesigen Tiere zu vermessen, zu untersuchen und zu kennzeichnen. Eindrucksvoll schilderte sie die Anspannung, wenn sich das Tier aus dem Meer, den Sandstrand hinauf bewegte. Das Vermessen der Tiere sei ein Erlebnis gewesen, denn diese Lederrückenschildkröten sind bis zu 2,50 Meter lang. »Oftmals mussten wir uns über den Panzer legen, um das Tier in seinen Ausmaßen zu erfassen«, erzählt die Grassauerin.

Nachdem die Schildkrötenmama ihre Eier abgelegt und das Loch wieder verschlossen hatte, verzog sie sich wieder ins Meer. Damit ist für Schildkröten die Nestpflege beendet. Die freiwilligen Helfer gruben die Eier, pro Nest zwischen 70 und 80 Eier, wieder aus und platzierten die runden, etwa tennisballgroßen Eier in den vorbereiteten Sandlöchern in der Aufzuchtstation. Dies ist ein abgegrenzter, gesicherter Platz am Strand. Eierdiebe, ob menschliche oder tierische, haben hier keine Chance.

Nesthöhlen für den Schildkrötennachwuchs

Während nachts der Strand abgesucht wurde, galt es tagsüber die neuen Nesthöhlen für den Schildkrötennachwuchs zu graben. Diese Höhlen mussten konisch gebaut und eine Länge von einem Meter und einem Durchmesser von 30 Zentimetern aufweisen, nur dann war sichergestellt, dass das Gelege auch gesund nach draußen finden würde.

Diese Nachtpatrouillien waren aber nicht nur spannend, berichtete Monika Ullrich. Teils hatte die Gruppe auch Angst vor den Dieben, die vor niemanden zurückschrecken, um an das kostbare Gelege zu kommen. Zu den Aufgaben zählte zudem die Reinigung des Strandbereiches. Angespültes Geäst, aber auch Müll mussten täglich beseitigt werden. Schließlich durfte der Weg für die Riesenschildkröten nicht durch Barrieren behindert werden. Außerdem halfen die Studenten auch in dem angrenzenden Dorf. So wurde in der Schule, wie auch beim Bau eines Gewächshauses, geholfen. Dieses Gewächshaus entstand aus PET-Abfallflaschen, ein Baumaterial, das vielfach am Strand gefunden werden konnte.

Das Essen war gewöhnungsbedürftig

Aber auch außerhalb des Arbeitsalltags gab es für die junge Studentin viel zu erleben. Alleine schon die karge Behausung und die ständige Präsenz der anderen Freiwilligen war eine Herausforderung. Nur gut, dass sich alle verstanden haben, sagt Monika Ullrich. Gewöhnungsbedürftig war auch das Essen, das fast ausschließlich aus Reis, Bohnen und Gemüse bestand. Dennoch gelang es der afrikanischen Köchin, die wenigen Zutaten immer wieder neu zusammenzustellen. Dafür gab es Obst in Hülle und Fülle. Besonders gut geschmeckt haben die frischen Kokosnüsse, die sich jeder direkt vom Baum pflücken konnte.

Fast jeder stellt sich die Karibik mit tollen Sandstränden, hohen Palmen und blauem Wasser vor. Das stimmt nur bedingt, so Monika Ullrich, »denn das Meer war sehr rau und nicht zum Baden oder Schwimmen geeignet«. Sich dort in die Fluten zu wagen, wäre viel zu gefährlich gewesen.

»Mir hat das Camp nicht nur Spaß gemacht, sondern auch das einfache Leben näher gebracht. Es gab kaum Handyempfang. Nach wenigen Tagen habe ich das Handy aber gar nicht mehr vermisst«, sagt sie. Sie würde jederzeit wieder ein Workcamp besuchen. Und noch eines hat sie aus diesem Arbeitsurlaub mitgebracht: Viele neue Freundschaften. tb