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Grassauer Schusterbude bekommt neues Zuhause

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Die Schusterbude von Grassau wurde im Schusterhof Bergen rekonstruiert. Eine große Fotoleinwand bildet den Rahmen für einige alte Nähmaschinen. (Foto: T. Eder)

Grassau/Bergen – »Ski und Schuh«, lautet die einjährige Ausstellung im Schusterhof in Bergen, die Claus-Dieter Hotz, Mentor der Grassauer Schusterbude, organisiert. Sie ist nun von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen. Exponate der ehemaligen Sportschuhmanufaktur Lindlacher aus Grassau werden hier zusammen mit ausgewählten antiken Skiern gezeigt, die die Anfänge des Wintersports im Chiemgau erklären.


Zur Geschichte der Schusterbude

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Als die »Schusterbude« Grassau 1990 von ihrem ehemaligen Besitzer Franz Lindlacher dem Verein für Industrie- und Technikgeschichte geschenkt wurde, versprach dessen Vorsitzender Claus-Dieter Hotz, sich um den Erhalt der Schuhmacherwerkstatt zu kümmern. Hotz erkannte schon früh die Bedeutung dieser Sport-Schuhmanufaktur, die nach dem Weltkrieg in einer Baracke entstand. Schließlich bot Lindlacher in den schweren Nachkriegsjahren nicht nur Lohn und Brot für etliche Grassauer, sondern sorgte mit seinen zwiefachgenähten Skischuhen weltweit für Aufmerksamkeit.

Viele bekannte Skisportler gingen in der Grassauer Schusterbude ein und aus, ließen sich Leisten nach ihren Füßen anpassen und holten später die handgemachten, ledernen Skischuhe ab. Lindlacher war ein sehr beliebter Meister mit viel Sinn für Humor und großem handwerklichen Geschick. Um die Werkstatt zu erhalten, richtete der Verein in der Reicharbeitsdienstbaracke in Grassau die Geschichtswerkstatt »Schusterbude« ein. Um möglichst authentisch die Arbeits-bedingungen zu zeigen, wurde nicht viel verändert. Als die Baracke 1995 weichen musste, galt es eine neue Bleibe für die Schusterbude zu finden.

Torfbahnhof war nur Übergangslösung

Einige Zeit wurden Teile der Werkstatt am Torfbahnhof Rottau eingelagert – auch dort standen Baracken und der Verein bemühte sich auch um den Erhalt des Torfbahnhofs. Nach einigen Jahren gelang es Hotz, im Schreinereigebäude des Torfbahnhofs in zwei Räumen der Schusterbude zumindest zwei Räume zur Verfügung zu stellen. In verkleinertem Rahmen wurde dort auf die Schuhmacherwerkstatt aufmerksam gemacht.

Dass dies nur eine Übergangslösung sein konnte, war allen bewusst. In einer Mitgliederversammlung des neugegründeten Museumsvereins Torfbahnhof Rottau wurde dann beschlossen, dass die Schusterbude weichen muss. Die Räume wurden für die mediale Darstellung des Museums benötigt. Erneut suchte Hotz ein neues Zuhause für Lindlachers Erbe. Wichtig war, dass die Werkstatt mitsamt den Exponaten im Chiemgau bleibt. Viele Gespräche scheiterten, bis der Ökomodell-Geschäftsleiter Wolfgang Wimmer Hotz auf den Schusterhof in Bergen aufmerksam machte.

Die Eigentümer des Schusterhofes, Angelika und Peter Mayer, der zugleich Vorstand der Zirmstiftung ist, waren einverstanden, dass die Schusterbude für ein Jahr auf rund 100 Quadratmetern ausgestellt werden kann.

Da der Grassauer Skischuh Lindlachers, den viele bekannte Skifahrer trugen, auch mit der Geschichte der Skier einhergeht, war eine Verquickung von »Ski und Schuh« interessant. Aus dem Skimuseum Reit im Winkl konnte sich Hotz einige Alpin-Ski-Exponate aussuchen, die hervorragend zur Schusterbude passen.

Der Pionier des Skilaufs im Chiemgau

Den Bezug von Ski und Schuh nach Grassau herzustellen, gelang Hotz über den »Pionier des Skilaufs« im Chiemgau, Eduard Hauenstein (28. Juli 1857 bis 27. Februar 1947). Der Forstmann kam 1898 nach Siegsdorf und dann nach Ruhpolding und war dort bis 1923 für den Wald zuständig. Hauenstein zog 1939 nach Grassau. Er war der Vater von Elisabeth Hauenstein, die den Grassauer Maler Theodor von Hötzendorff heiratete.

Als der Historische Verein heuer Claus-Dieter Hotz mit dem Max-Fürst-Preis auszeichnete, erklärte Hotz, dass er noch eine große Aufgabe habe, die Rettung der Schusterbude. Er fühle sich Franz Lindlacher und dessen Lebenswerk verpflichtet. Lindlacher habe nach dem Krieg Großes geleistet und stolz sein Handwerk vorangetrieben.

Auch war Lindlacher Ehrenmitglied im Verein für Industrie- und Technikgeschichte und habe die Schusterbude dem Verein mit der Maßgabe des Erhalts geschenkt. Es beschäftige ihn, dass immer noch keine endgültige Heimat für die Schuhmacherwerkstatt gefunden werden konnte. Glücklich zeigte sich Hotz, dass die Schusterbude nun wenigstens auf Zeit der Öffentlichkeit wieder präsentiert werden kann.

Zu sehen sind eine Vielzahl alter Leisten, Stanzeisen, fertige Sportschuhe und Trachtenschuhe. Auch unfertige Schuhe werden gezeigt, um die vielen Arbeitsschritte zu dokumentieren. Zudem sind die originalen Maschinen, die Nähmaschinen und viel Werkzeug ausgestellt. Auch der typische Geruch nach Leder liegt in der Luft. Auch ist das Büro Lindlachers mit seinem Sekretär ausgestellt. Anhand von Fotos wird die Arbeit in der Werkstatt lebendig.

Für Kinder gibt es eine eigene Werkstatt

Für Kinder ist eine eigene Schusterwerkstatt eingerichtet, in der sie selbst klopfen und nageln dürfen. Des Weiteren wird mit verschiedenen Skiern die Skigeschichte im Chiemgau gezeigt und auch Eduard Hauenstein Platz eingeräumt. Schriftstücke und Zeitungsausschnitte ergänzen die Ausstellung. Geöffnet ist das Museum, das auch eine große Trachten- und Krippenausstellung präsentiert, jeweils von Mittwoch bis Sonntag, von 11 bis 17 Uhr. tb