weather-image
17°

Grassauer restaurierte einen etwas anderen Oldtimer

3.5
3.5
Bildtext einblenden
Christian Maier restaurierte das Automobil der Marke »Orient«, Baujahr 1904. Dies war nicht einfach, unter anderem, weil es keine Ersatzteile mehr dafür zu kaufen gibt. (Foto: T. Eder)

Grassau. Fast unscheinbar wirkt der kleine »Orient«, Baujahr 1904, neben anderen Oldtimern. Doch dieses kleine Automobil, das noch sehr an eine Kutsche erinnert, durfte beim großen »London to Brighton Veteran Car Run« teilnehmen. Vorab aber musste das Fahrzeug, das mehr als 50 Jahre unbewegt im Privatmuseum eines Unterwösseners stand, wieder auf Vordermann gebracht werden.


Der Grassauer Christian Maier nahm sich dem kleinen Fahrzeug an. In vielen Stunden akribischer Kleinarbeit konnte er den vier PS starken Motor wieder zum Laufen bringen. Ersatzteile gab es für dieses über 108 Jahre alte Vehikel nicht zu kaufen und mussten eigens angefertigt werden. Gelenkt werde das Fahrzeug nicht mit einem Lenkrad, sondern einer Dechsel. Dafür sei es hervorragend gefedert und schwingt gerade zu, erklärt der Experte. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometer pro Stunden, die in London beim Oldtimer Rennen nicht überschritten werden darf, ist dies wohl kein Problem.

Anzeige

Frisch aufpoliert, gewartet und neu geschmiert, trat der Orient seine Reise nach London an. Hier startete der Oldtimer unter 500 anderen Veteranen und hatte dabei noch Glück, denn es dürfen an diesem historischen Rennen nur Fahrzeuge teilnehmen, die vor 1905 gebaut wurden. Der Orient zählte somit zu den jüngeren Modellen. Angepriesen wurde der in Amerika gebaute »Orient« einst als billigstes Auto der Welt. Es fehlt ihm auch der Überbau und die aufwendige Karosserie anderer Oldtimer. Auch passen gerade einmal zwei Leute auf den spärlich gepolsterten Sitz.

Besitzer Ekkehard Überreiter und Gerhard Meirer fuhren am Sonntag das älteste Rennen der Welt mit und meisterten die rund 86 Kilometer lange Strecke vom Londoner Hyde Park nach Brighton.

Übrigens fand das erste Rennen dieser Art 1927 statt, und zwar, um die Aufhebung des »Red Flag Acts« zu feiern. Vor diesem Zeitpunkt musste Innerorts immer eine Person mit einer roten Fahne vor dem Fahrzeug hergehen. Dies war zwar nicht weiter schwer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von drei Kilometern pro Stunde, galt aber als Gängelung. Mit diesem legendären Rennen wird der Tag, an dem das Gesetz der Roten Flagge fiel, immer wieder aufs Neue gefeiert. tb