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Grassau ist das zweite Zuhause

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Heinz und Christel Lücking sind wohl Grassaus treueste Gäste. Sie verbringen bereits  seit  60 Jahren ihren Urlaub in Grassau und waren bereits 80 Mal zu Gast. (Foto: Eder)

Grassau – Seit 60 Jahren verbringt die Familie Lücking aus Mülheim an der Ruhr ihren Urlaub in der Gemeinde Grassau. Für ihren 80. Aufenthalt wurden die Eheleute nun von der Touristinformation geehrt. Wir fragten einmal nach, was das Ehepaar Christel und Heinz Lücking so an ihrem Urlaubsort fasziniert.


»Uns gefällt es hier einfach«, schwärmt Heinz Lücking. Man habe die Berge und den See, könne wandern, radfahren und auf kurzer Strecke zum Königssee oder nach Salzburg fahren. »Es ist einfach ideal hier«, schwärmt Heinz Lücking. Auch ihre Eltern waren schon zu Gast in der Gemeinde. Noch gut können sich beide an ihr »erstes Mal« 1955 erinnern. Damals reisten sie mit den Eltern von Christel Lücking an und wohnten auf dem Saliterhof in Rottau. »Wir hatten nur ein einfaches Zimmer mit einer Waschschüssel und einem Wasserkrug. Gebadet wurde im Badehaus in Zinkzubern und die Übernachtung kostete gerade einmal 1,50 Mark. Es war sehr einfach, aber schön und wir haben nichts vermisst«, erinnert sie sich. Auch habe man damals als Gast in der Landwirtschaft mitgeholfen. Da wurden Kühe auf die Wiese getrieben, oder es wurde auch mal in der Küche mitgeholfen. Das Frühstück der Bauernfamilie bestand aus Milch, in die Brot gebröckelt wurde.

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Einmal wären die Lückings fast ganz in Grassau geblieben, als ihnen bei einem ihrer Urlaube ein kleines Sacherl angeboten wurde. Nachdem es nicht mehr möglich war im Saliterhof zu wohnen, wechselte das Paar in den Stöcklhof in die Ortsmitte von Rottau. 42 Jahren lang war Rottau ihr Feriendomizil. Sie genossen die ländliche, bäuerlich geprägte Gegend und lernten auch die Dorfbevölkerung kennen. Den ehemaligen Tourismusleiter und jetzigen Ruheständler Edi Klauser haben sie im Kinderwagen gefahren, erinnern sie sich. Auch sei im Hause Klauser immer etwas los gewesen.

Als das Ehepaar heiratete und eine Tochter bekam, blieb Rottau weiterhin das Urlaubsziel. »Unsere Tochter Susanne ist hier gewissermaßen großgeworden«, so Christel Lücking. Als sie klein war und im Dirndl umherlief, wusste keiner, ob sie nun Gast oder ein einheimisches Kind war, zumal Susanne sogar Bairisch sprach. Natürlich haben die Lückings in ihrer Heimat Mülheim an der Ruhr von ihrem Urlaubsdomizil geschwärmt und dies mit Erfolg. Christel Lücking berichtet, dass schon viele ihrer Freunde hier zu Gast waren. Sie haben hier aber auch viele neue Freunde gewonnen.

An interessanten Geschichten mangelte es ebenfalls nicht. Früher, so Heinz Lücking, war beim Heimatabend in Gasthof Messerschmid der Saal mit 400 Leuten brechend voll. Als Büttenredner unterhielt er in den Pausen beim Heimatabend mit seinem Programm. Seinen 60. Geburtstag feierte er mit 22 Personen in Rottau und auch seinen 40. Hochzeitstag feierte das Ehepaar, das sich an einem Silvestertag das Jawort gab, im Rottauer Fischerstüberl. Viele schöne Erinnerungen verbindet das Paar mit seinem Urlaubsort. Früher wurde nicht nur im Bauerngirgl, sondern auch im Café König in Rottau getanzt. Schwärmend berichten die beiden von den schönen Ausflügen in die Gastwirtschaft »Strehtrumpf«, die nicht mehr existiert, und von den Sennerinnen auf den Almen. Eine angenehme Bademöglichkeit bestand durch das Bergbad, und die Almen kennen die Lückings besser als so mancher Einheimische. Die vergangenen 18 Jahre nun sind Lückings auf dem Schwaigerhof der Familie Plank heimisch geworden, genießen das familiäre Ambiente und teilen mit der Familie Plank wiederum einige Erlebnisse.

Mit großer Begeisterung berichten die beiden von wunderschönen Cafés, interessanten Ausflügen, aber vor allem von der Gastfreundschaft, die sie im Hause Plank so schätzen. Und diese Gastfreundschaft sei es auch, die sie Jahr für Jahr wiederkommen lässt. »Wir freuen uns jedes Mal aufs Neue, wenn es nach Grassau geht und sind traurig, wenn wir wieder abreisen«, sagt Christel Lücking; nicht selten, wenn sich die Chance bietet, wird einfach noch einmal eine Woche Urlaub angehängt. Oft sind sie sogar zweimal im Jahr gekommen, berichtet sie, wobei der Michaeli-Markt Ende September immer ein wichtiges Datum war.

Vieles habe sich in Grassau in den vergangenen 60 Jahren geändert. Die Gemeinde wuchs. Von einigen angenehmen Einrichtungen mussten sich die Lückings verabschieden, wechselten dreimal ihr Quartier. Aus dem einfachen Fremdenzimmer ohne fließendem Wasser sind komfortable Ferienwohnungen geworden. Heinz Lücking lobt die Veränderungen der vergangenen 20 Jahre in Grassau. Der Ortskern sei wunderbar saniert worden und die Kirche komme nun so richtig zur Geltung. Ihm gefalle auch der Reifinger Badesee und das Golfplatzgelände sei ebenfalls sehr schön angelegt. Nach wie vor gebe es gute und günstige Wirtschaften.

In all den Jahren gab es immer wieder Neues zu entdecken. Traurig sind die Lückings, weil ihr Urlaub hier für dieses Jahr wieder ein Ende gefunden hat. Sie hoffen aber, mittlerweile 81 Jahre alt, auch im nächsten Jahr wieder kommen zu können, sofern es der Gesundheitszustand zulässt. Nur das Autofahren über 750 Kilometer sei beschwerlich und so überlegen sie, ob sie mit dem Zug anreisen. Bedauerlich sei zudem, dass viele ihrer Bekannten in Grassau aber auch viele ihrer Freunde, die sie nach Grassau begleiteten, mittlerweile verstorben sind. Was aber bleibt, sind die schönen Erinnerungen und viele, viele Urlaubsfotos. tb