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Grabplatte der seligen Irmengard

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Bei einem 1812 im Kreuzgang des Klosters Frauenwörth entdeckten Stein, der seit 1845 in München lagert, soll es sich um die Grabplatte der seligen Irmengard handeln.

Chiemsee – »Einfach unglaublich«, sagte Äbtissin Johanna Mayer vom Benediktinerinnen-Kloster Frauenwörth, als sie erfuhr, dass alles darauf hindeutet, dass in der Archäologischen Staatssammlung in München die Grabplatte der seligen Irmengard von Frauenchiemsee entdeckt worden ist. Darüber referierte Dr. Bernd Steidl von der Archäologischen Staatssammlung bei der Mitgliederversammlung des Freundeskreises Frauenwörth.


»Tassilo III. und das Kloster Frauenchiemsee. Eine Spurensuche mit überraschenden Ergebnissen« lautete der Titel des Vortrags. Zu den Überraschungen nach jahrzehntelangen Forschungen gehörte besonders ein Stein, von dem man nun annimmt, dass es sich um die Grabplatte der seligen Irmengard handelt. Die selige Irmengard ist die erste namentlich bekannte Äbtissin des von Tassilo III. 782 gegründeten Klosters; sie war eine Tochter von König Ludwig dem Deutschen und starb im Jahr 866.

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Die Marmorplatte mit römischer Inschrift ist 1812 im Kreuzgang des Klosters Frauenwörth entdeckt worden. 1845 kam der Stein in das Antiquarium der königlichen Residenz in München, 1934 in die Prähistorische Staatssammlung und 1974 in die Archäologische Staatssammlung. Dr. Steidl führte aus, dass lange nur die Inschrift auf der Vorderseite des Steins beachtet worden war. Er habe dann auch die Rückseite untersucht.

In seinem Vortrag rekonstruierte Dr. Steidl die Herkunft des Marmorblocks aus Seebruck, die Umarbeitung zu einem Sarkophag und später zur Grabplatte der seligen Irmengard. Im Zentrum seiner Ausführungen stand die Frage, für wen der Sarkophag bestimmt war. Die Spur führte zu Tassilo III., dem letzten bayerischen Herzog aus dem Geschlecht der Agilofinger und Gründer des Klosters Frauenchiemsee. Aufgrund der Auseinandersetzungen Tassilos mit Karl dem Großen, die mit seiner Entmachtung 788 und Einweisung in ein nordfranzösisches Kloster endete, blieb der Marmorsarkophag auf Frauenchiemsee ungenutzt. Er wurde schließlich zur Abdeckplatte auf dem Grab der seligen Irmengard umgearbeitet. hö