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Grabenstätter Igelhilfe braucht Unterstützung

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Dieser Igel, der im Freigelände der Grabenstätter Igelstation lebt, hat durch einen schweren Milbenbefall sämtliche Stacheln verloren. (Foto: Müller)

Grabenstätt – Mit derzeit mehr als 100 kranken, verletzten oder untergewichtigen Igeln platzt die Grabenstätter Igelstation von Monika Freimuth und Elisabeth Hüller schon jetzt im Oktober wieder aus allen Nähten – und noch ist kein Ende in Sicht, denn jeden Tag werden weitere Tiere abgegeben. Auch die kleinen Außenstellen sind mit über 30 Igeln schon ziemlich voll.


»Die Leute kommen sogar aus München, Landshut und Miesbach zu uns, weil sie sich nicht mehr zu helfen wissen«, erzählt Hüller. Keiner der Igel, von den 80 Babys ganz zu schweigen, sei derzeit bereit für den Winterschlaf, für den sie mindestens 1000 Gramm wiegen müssen. Während Hüller das sagte, waren aus einigen der unzähligen am Boden und in den Regalen verteilten Kartons mitleidserregende Husten- und Keuchgeräusche zu vernehmen. »Diese Igel haben Lungenwürmer, das ist aber zum Glück für die anderen Igel nicht ansteckend«, erzählte Hüller.

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Igel von Rasenmäher am Kopf verletzt

Ein zunehmendes Problem seien auch die Roboter-Rasenmäher. Einer der Igel sei von so einem modernen Gefährt schwer am Kopf verletzt worden – sein Anblick mit tief aufgeschlitzter, blutiger Stirn tat schon beim Hinschauen weh. Auch um solche Wunden effektiv behandeln zu können, brauche man entsprechende Medikamente, Desinfektions- und Schmerzmittel, doch die seien teurer, bis über 50 Euro müsse man für ein Fläschchen hinlegen, so Freimuth.

»Schon ein halbwegs gesunder Igel kostet einen Euro pro Tag«, betont Alexander Handke, der ebenfalls ehrenamtlich für die Igelhilfe Grabenstätt tätig ist. Für alles sei Geld da, aber die Igel, die als ökologische Schädlingsfresser von großer Bedeutung seien, »bleiben leider auf der Strecke«, bedauerte Handke. Von früh bis abends sind die Igel-Mütter Hüller und Freimuth mit ihren stacheligen Schützlingen beschäftigt. Fast 30 von ihnen müssen derzeit mehrmals täglich per Spritze gefüttert und auch regelmäßig gewogen werden.

So ganz nebenbei müssen die beiden Damen aber noch arbeiten gehen, denn die monatlichen Kosten von rund 3000 Euro können von den eingehenden Spenden nur ansatzweise gedeckt werden. »Jeder, der uns hier vor Ort unter die Arme greifen möchte, ist willkommen«, meinte Kollegin Birgit Briller, die in Übersee selbst weit über 20 Igel zu versorgen hat, aber mehrmals die Woche in der Grabenstätter Igelhilfe aushilft. Neben der Möglichkeit zu spenden, könne man auch eine Igel-Patenschaft übernehmen.

Dass es den Igeln draußen in der Natur immer schlechter gehe, liege zum einen an den vielen Umweltgiften, die deren Immunsystem schwächen, zum anderen aber auch am Ordnungswahn und der Aufräumwut in den Wäldern und Gärten, kritisierte Hüller. Die Tiere hätten immer weniger Lebensraum zur Verfügung und fänden auch für den Winterschlaf kaum noch geeignete Plätze. Milbenbefall mache den eh schon geschwächten Tieren zusätzlich zu schaffen. »Wir haben selbst einige Tiere draußen in den Freigehegen im Garten, die dadurch ihre Stacheln verloren haben und einer besonderen Pflege bedürfen«, so Hüller. Es könne über ein Jahr dauern, bis sie wieder gesund seien und in ihr angestammtes Revier zurückgebracht werden könnten.

Erschreckend sei auch, dass etwa eine Million Igel jährlich auf Deutschlands Straßen sterben. Seit einigen Jahren schon kämpft die ehrenamtlich betriebene Grabenstätter Igelhilfe, in der das ganze Jahr über kranke und verletzte Igel aufgepäppelt werden, ums nackte Überleben. Für Tierliebhaber, die die Igelstation finanziell unterstützen möchten, gibt es das Spendenkonto Tierhospiz Hof Elise bei der VR-Bank, IBAN: DE 26 7106 1009 0107 2108 50.

Weitere Infos gibt es bei Alexander Handke, Telefon 08662/41 78 038, oder Elisabeth Hüller, Telefon 08661/82 37. Präsentieren wird sich die Igelhilfe am 5./6. Dezember am karitativen Stand des Christkindlmarkts Traunstein sowie am 11. Dezember auf dem Adventsmarkt Grabenstätt. mmü