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Grabenstätter haben Asylbewerber gut aufgenommen

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Gut besucht war die Infoveranstaltung zum Thema »Asylbewerber in Grabenstätt«. Asyl-Sozialberaterin Annemarie Peter vom Diakonischen Werk Traunstein (am Rednerpult) sowie Geschäftsleiter Peter Lex (vorne sitzend von links), Bürgermeister Georg Schützinger und Barbara Kaulfuß informierten die Grabenstätter über die aktuelle Situation. (Foto: Müller)

Grabenstätt – Sechs Asylbewerber aus Pakistan wohnen seit 1. Mai in Grabenstätt und bis Jahresende müssen unter Umständen noch 29 weitere Asylsuchende im Ort verteilt werden. Wo man diese unterbringen könnte, sei derzeit noch völlig unklar, betonte Bürgermeister Georg Schützinger auf einer Infoveranstaltung zum Thema »Asylbewerber in Grabenstätt« in der Schlossökonomie.


Schützinger, Asylsozialberaterin Annemarie Peter vom Diakonischen Werk Traunstein, die Grabenstätterin Barbara Kaulfuß, die sich seitens der Stadt Traunstein um die Asylbewerber kümmert, und der gemeindliche Geschäftsleiter Peter Lex, der über die drängendsten Fragen informiert, waren den Bürgern Rede und Antwort gestanden.

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Das Menschliche sei wichtig und nicht irgendwelche theoretischen Gedankenspiele, betonte Kaulfuß. »Gehen sie einfach zu ihnen hin, haben sie Zeit, hören sie zu und machen sie sich frei von der ganzen Bürokratie«, appellierte Kaulfuß, die für die Asylbewerber auch immer wieder sympathisch auf Englisch übersetzte. »Sie haben Glück, dass ihre Asylbewerber Englisch verstehen, das ist nicht überall so«, betonte Annemarie Peter, die schwerpunktmäßig im Bereich der zentralen Asylunterbringung in Grassau eingesetzt ist.

Wichtig sei es, dass man mit ihnen kommuniziere, ihnen die Örtlichkeiten, Einkaufsmöglichkeiten und andere wichtige Anlaufstellen erkläre – sei es mit einfachem Englisch oder mit Zeichensprache. Hilfe sei immer als Hilfe zur Selbsthilfe zu verstehen. Aus eigener Erfahrung wisse sie, so Peter, dass es nicht von heute auf morgen gehe, eine Beziehung herzustellen und Vertrauen aufzubauen. Das brauche Zeit und Geduld, gerade wenn unterschiedliche Kulturen und Mentalitäten aufeinanderstoßen.

Ein ganz wichtiger Faktor bei der Integration sei die deutsche Sprache, betonte Peter und appellierte an die Bürger, sich als ehrenamtliche Deutschlehrer zur Verfügung zu stellen. »Überfordern sie sich und die Asylsuchenden dabei nicht, sie müssen ausprobieren, es dürfen Fehler passieren – auch wir haben einst so angefangen.«

Auf Nachfrage stellte Peter auch klar, dass jeder Asylbewerber nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland arbeiten dürfe, doch auch hierzu seien viele Formalien zu erfüllen, eine Genehmigung durch die Ausländerbehörde notwendig und zudem gelte erfahrungsgemäß. Leiharbeit und Praktika seien für Asylbewerber zu deren Schutz grundsätzlich verboten. Zudem warnte Peter davon, Asylbewerber für ein paar Euro oder auch unentgeltlich beispielsweise im eigenen Garten arbeiten zu lassen, denn das sei Schwarzarbeit. »Wir stehen uns mit unserer Bürokratie nur im Weg. Mit all diesen Auflagen und bürokratischen Hürden kriegen wir das nicht in den Griff«, meinte Werner Fluhry aus Grabenstätt.

Es sei auch überhaupt kein Problem mit Asylbewerbern Ausflüge zu unternehmen, aber Fahrten ins Ausland, auch ein Kurztrip ins benachbarte Salzburg, seien absolut tabu, gab Kaulfuß zu bedenken.

Schützinger hofft, dass sich künftig viele weitere Bürger für die Asylbewerber engagieren. Bereits kurz nach der Veranstaltung setzte sich eine Gruppe von Bürgern zusammen und diskutierte mit den Asylbewerbern über das weitere Vorgehen. Was ihre Freizeitgestaltung anbelange, so die sechs Asylberber aus Pakistan, würden sie sehr gerne Fußball spielen. mmü