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Grabenstätt ist »das Grübchen in Bayerns Lächeln«

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Früher war die Anreise für die Urlauber viel beschwerlicher und zeitintensiver. Dafür blieb man aber nicht nur ein paar Tage zur Sommerfrische, sondern meist zwei bis drei Wochen.

Grabenstätt – Der Fremdenverkehrsverein Grabenstätt feiert derzeit sein 125-jähriges Bestehen. Höhepunkt der Jubiläumsfeiern ist der Festabend »125 Jahre Gastfreundschaften« am Freitag um 20 Uhr im »Grabenstätter Hof«.


Wer sich über die Geschichte und den Wandel des Tourismus in Grabenstätt informieren möchte, dem ist die sehenswerte Ausstellung »Von der Sommerfrische zum Event-Tourismus« zu empfehlen, die in der Schlossökonomie noch bis 2. August zu sehen ist. »Fürwahr: Ein herrlicher Fleck Erde! Eine prächtige Erholungsstätte für den nervösen Städter!«, heißt es in einem alten Ortsprospekt von 1938.

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Bis heute ist Grabenstätt ein besonderer Anziehungspunkt für Urlauber und Tagesausflügler geblieben. Die Gäste schätzen besonders die zentrale Lage, die Nähe zu Bergen und Seen sowie die direkte Anbindung an die Autobahn. Früher war die Anreise mit der Bahn und der Pferdekutsche deutlich beschwerlicher – weshalb man auch gerne mehrere Wochen zur Sommerfrische blieb. Heutzutage gehe es aber nicht nur um Ruhe und Erholung, sondern auch um Event-Tourismus, betonte die Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins Grabenstätt, Bärbel Schuster, und verwies auf 331 Broschüren mit Freizeit-Angeboten in der Tourist-Information.

»Seit Beginn des Tourismus in Grabenstätt haben wir stets improvisiert und uns immer wieder auf neue Gäste und deren gewandelte Ansprüche und Bedürfnisse spontan eingestellt«, so Schuster. Jeder der 42 Gastgeber sei anders, denn man lasse sich nicht in Normen oder festgelegte Standards pressen, sondern improvisiere gerne. Auch auf die kürzere Aufenthaltsdauer der Gäste von durchschnittlich nur noch 2,79 Tagen (2014: 10 562 Gäste) habe man sich eingestellt, lobte Schuster. Privat zu vermieten mache nicht nur Spaß, sondern man könne damit auch gut verdienen, warb sie um künftige Gastgeber.

Der heimische Tourismus sei untrennbar mit der landschaftlichen Vielfalt des Chiemgaus, einer funktionierenden Umwelt und einer einzigartigen Kultur verbunden. Er spiele nicht zuletzt auch für die Wertschöpfung in der Region eine wichtige Rolle, betonte Landrat Siegfried Walch. Dass die Urlauber seit 125 Jahren nach Grabenstätt kommen, sei ein Verdienst des Fremdenverkehrsvereins und der privaten Vermieter, die seit jeher einen Großteil der Übernachtungen abdeckten. Walch zeigte sich überzeugt, dass die privaten Gastgeber im Chiemgau auch in Zukunft »eine tragende Säule« bilden werden. Der heimische Tourismus dürfe sich zwar der Moderne nicht verschließen, müsse aber unbedingt an Tradition, Authentizität und Regionalität festhalten. Gerade bei der Vermarktung regionaler Lebensmittel sehe er noch viel Potenzial, meinte Walch.

Gastfreundschaft, Aufgeschlossenheit und Individualität seien die Erfolgsgeheimnisse der vormaligen Kleinvermieter, die sich mittlerweile zurecht Privatvermieter nennen, betonte der Geschäftsführer des Chiemgau Tourismus, Stephan Semmelmayr. Der im Herbst 2014 gegründete Verein »Private Gastgeber im Chiemgau« unter Vorsitz von Barthl Irlinger greife ihnen mit gezielten Maßnahmen unter die Arme und wirke einem weiteren Bettenschwund entgegen. »Trauen sie sich ruhig, mehr zu verlangen, denn die Gäste geben gerne Geld aus, wenn die Leistung stimmt«, wandte sich Semmelmayr an die Privatvermieter. Er zeigte sich davon überzeugt, dass auch die nächsten 125 Jahre in Grabenstätt touristisch erfolgreich sein werden.

Ein besonderer Dank gelte allen Vermietern und Bürgern, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen hätten, sei es mit Ortsansichten von Grabenstätt, Erlstätt und Marwang, historischen Postkarten, alten Unterlagen oder hilfreichen Informationen, so Schuster zu der Ausstellung. Ein Sonderlob verteilte sie an die Leiterin der Tourist-Information, Marion Wagner, die sich bei der Recherche große Verdienste erworben habe und die treibende Kraft gewesen sei.

Bürgermeister Georg Schützinger freute sich über das Jubiläum des Vereins und wünschte ihm und seinen Mitgliedern »für die Zukunft alles Gute, viele Ideen und aktive Vermieter, damit sich die Gäste bei uns wohlfühlen und ihren Urlaub genießen können.« Wenn der Chiemgau Tourismus mit dem Slogan »Chiemgau - Bayerns Lächeln« werbe, sei Grabenstätt »das Grübchen in Bayerns Lächeln«, stellte Schuster mit einem Schmunzeln klar.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 2. August zu den Öffnungszeiten der Tourist-Information – montags von 8 bis 12 Uhr, dienstags bis freitags 9 bis 12 Uhr, montags bis donnerstags zusätzlich von 14 bis 16 Uhr sowie samstags von 9 bis 11.30 Uhr. mmü