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Goldschatz aus dem Chiemsee wurde erneut verkauft

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Dieser Goldkessel, der 2001 im Chiemsee gefunden wurde, wurde nun erneut verkauft. Allein der Goldwert soll bei 400 000 Euro liegen.

Der sagenumwobene Goldschatz aus dem Chiemsee hat den Besitzer gewechselt. Verkauft wurde der zehn Kilogramm schwere Kessel aus 18-karätigem Gold vom Konkursamt Rapperswil im Schweizer Kanton St. Gallen. Eine Rückkehr an seinen Fundort wird damit immer unwahrscheinlicher, was Kreisheimatpfleger Christian Soika sehr bedauerlich findet: »Denn jetzt wissen wir nicht, wohin er kommt. Es könnte sein, dass nun für alle Zeiten ein Stück Kulturgut unserer Gegend verschwindet, ohne dass es ausreichend wissenschaftlich untersucht wurde.«


Der Verkauf fand in St. Gallen statt, da der letzte Besitzer des Goldkessels ein Schweizer war. Das Konkursamt hat sein gesamtes Vermögen gepfändet, so auch den Goldschatz aus dem Chiemsee. Über die Identität oder die Nationalität des Käufers wollte die zuständige Konkursbeamtin Katharina Kuster nichts sagen. Nach Informationen des Traunsteiner Tagblatts soll es sich aber um eine Privatperson und nicht etwa ein Museum handeln.

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»Es ist einfach schade, dass die Öffentlichkeit von so einem einmaligen Stück Geschichte nichts hat«, sagt Christian Soika. Er hätte es sehr schön gefunden, wenn der Goldkessel hier in der Region geblieben und ausgestellt worden wäre. »Das wäre auch aus touristischer Sicht eine tolle Sache gewesen.«

Die Landkreispolitiker wollten das Geld – der reine Goldwert soll bei über 400 000 Euro liegen – dafür jedoch nicht ausgeben. »Wir stecken mitten in einer Finanzdebatte und haben wesentlich wichtigere Themen zu bearbeiten«, argumentierte der damalige Landrat Hermann Steinmaßl in einer Kreistagssitzung vor gut einem Jahr. Außerdem habe der Goldkessel auch keinerlei historischen Wert. Zwei Gutachten, die das Finanzministerium in Auftrag gegeben hat, hätten bestätigt, dass der Kessel weder aus der Kelten- noch aus der Nazizeit sei, sagte Steinmaßl damals. »Damit hat der Kessel für uns nur bedingten Wert.«

Schatztaucher hatten das mysteriöse Gefäß 2001 aus dem Chiemsee geborgen. Staatliche oder private Museen zeigten jedoch kein Interesse daran, weil Gutachter ihm keinen historischen Wert zumaßen. Wegen runenähnlicher Zeichen war der Kessel zunächst in die NS-Nähe gerückt. Der Freistaat verkaufte ihn. Über Umwege gelangte er in die Schweiz und wurde nun erneut verkauft.

Ganz aufgegeben hat Kreisheimatpfleger Christian Soika die Hoffnung aber trotzdem nicht, dass der Goldkessel zumindest wissenschaftlich untersucht wird. Er stehe im engen Kontakt mit dem Konkursamt Rapperswil. Es sei ihm versprochen worden, sein Anliegen an den neuen Besitzer weiterzugeben. »Der hätte ja auch etwas von einer ordentlichen wissenschaftlichen Dokumentation, die es bislang nicht gab.« KR