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»Goldenes Abitur-Jubiläum« wird groß gefeiert

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So sah die Abiturklasse 1960 drei Jahre vor dem Abi aus. Am Samstag feiern die damaligen Abiturienten des Traunsteiner Gymnasiums mit Oberrealschule ihr »Goldenes Abitur-Jubiläum«.

Traunstein. »In seinem Verhalten wie in seinen Leistungen wirkte sich dies gelegentlich ungünstig aus«, heißt es im Zeugnis von 1961 am Gymnasium mit Oberrealschule Traunstein, dem »Gymnasium mit Orsch«, wie sich Werner Krol und Manfred Weyerer schmunzelnd erinnern. Das Zeugnis ziert das Titelblatt der Festschrift, die sie aus Anlass des Klassentreffens 50 Jahre nach ihrem Abitur erstellt haben. Dieses »Goldene Abitur-Jubiläum« werden sie am Samstag gebührend mit ihren früheren Schulspezln feiern.


»100 Mark für jeden Lehrer, der diese Klasse übernimmt«

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Ziemliche Lausbuben waren sie damals, und ein bissl was davon haben sie sich bis heute bewahrt. »Also unseren Lehrern haben wir ja alles angetan«, erinnert sich Werner Krol. »Unser Klassenlehrer hat mal verkündet, er gibt jedem Lehrer 100 Mark, der unsere Klasse übernimmt. Der ist heute über 90, er ist auch der einzige Lehrer, der vielleicht kommt.« Aber auch an andere Lehrer erinnern sich die zwei lebhaft: »Der Friedl Franz, den haben wir gehasst. Das war so ein richtiger Buchhalter«, sagt Krol. Und Weyerer ergänzt: »Einmal hat er Verweise verteilt wegen Schneebällen. Dabei haben wir gar nicht auf ihn gezielt, nur auf den schneebedeckten Baum, unter dem er grad durchgegangen ist ...«

Lehrer Schorsch Zwickl hatte einen VW Käfer. »Dem haben wir das Auto so zwischen zwei Bäume reingehoben, dass er vorn und hinten praktisch keinen Platz mehr hatte. Erst hat er's mit Rangieren versucht, dann hat der den Hausmeister geholt. Am Ende haben ein paar größere Schüler das Auto wieder rausgehoben. Dass wir das waren, hat er zum Glück nie rausgefunden«, berichtet Weyerer.

Und Mathe-Lehrerin Emma Scharschmidt stellten sie vor dem Direktor bloß: »Da haben wir alle Bänke umgedreht, sodass wir nach hinten geschaut haben. Außerdem saßen wir alle mit nacktem Oberkörper da, als sie reinkam«, erinnert sich Krol. »Die ist schreiend raus zum Direktor gerannt. Bis die zurückkamen, waren alle wieder angezogen und saßen richtig rum. Den Blick vom Direktor hätten sie sehen sollen!«

Der Englisch-und Geschichte-Lehrer, der »Schönling« Kopp, erzählte vielleicht einmal zu viel von seiner Frau, die als Hürdenläuferin an der Olympiade teilnahm – ihm legten die frechen Bengel Reißnägel auf den Stuhl. Der einzige Lehrer, der ungeschoren davon kam, war »Honsl« Honsberg, »der war eine Respektsperson, aber auch ein Kumpel.«

Das Gymnasium war damals noch an der Marienstraße – heute ist dort das Landratsamt. Der Abiturjahrgang 1963 hatte 77 Schüler, darunter – damals fast eine Sensation – auch fünf Mädchen. Der Jahrgang war aufgeteilt in drei Abiturklassen: den humanistischen Zweig, der überwiegend aus Schülern des erzbischöflichen Studienseminars bestand – ihr berühmtester Vertreter ist Papst a.D. Benedikt, aus den »Schmalspur-Humanisten« mit Englisch und Latein als Fremdsprachen und dem neusprachlichen Zweig mit Englisch und Französisch.

Der Abiturjahrgang brachte bedeutende Persönlichkeiten hervor: einer wurde Professor der Philosophie, einer Professor der Medizin, ein anderer Starfighter-Jetpilot. Wieder ein anderer war DJ bei Hazy Osterwald, einer arbeitete im Bayerischen Innenministerium. Auch ein ehemaliger Bürgermeister findet sich darunter.

Ihr Berufsleben haben sie inzwischen alle hinter sich. Von 23 ehemaligen Klassenkameraden – darunter nur zwei Frauen – hat das vierköpfige Organisationskomitee die Adressen noch oder wieder ausfindig gemacht. Vier sind bereits verstorben, darunter der einst in der Auswahl der Nationalmannschaft startende Skifahrer Peter Gutwald, der Professor an der Technischen Universität München, Ernst Hagn, und der in der Region wohl bekannteste von ihnen, Bräu Max Wieninger aus Teisendorf.

Ebenfalls einer bekannten heimischen Brauerei-Familie stammt Thomas Dietl ab, Spross des Bräus von Baumburg. Als zweitjüngstes von mehreren Kindern wurde er aber nicht Bräu, sondern Arzt in Laufen. Er gehört dem Organisationskomitee für das Klassentreffen ebenso an wie der frühere Lehrer Uli Thiele aus Bergen.

Werner Krol kam als Geologe viel rum in der Welt: Norwegen, Doktorarbeit in Osttirol, dann Zimbabwe, Südafrika und Namibia, Brasilien, Gabun, Spanien, Denver/Colorado und Kanada. Nachdem er jahrelang Metallvorkommen erschlossen hatte, musste er komplett umdenken – »ich wurde Referent im Umweltschutz«, erzählt er. Auch wenn er den Ruhestand mit der Renovierung seines alten Sacherls offensichtlich genießt, ganz lassen kann er's bis heute nicht: So ist er nach wie vor als »Senior Expert« für die Bereiche Geologie/Bergbau/Umweltschutz registriert. Außerdem organisierte er das »Internationale Pittenharter Kunsthappening« und weitere kulturelle Veranstaltungen.

»Bedeutend dreinschaun und g'scheid daherredn«

Der Vierte im Kleeblatt der Organisatoren ist Manfred Weyerer, diplomierter Ingenieur der Elektrotechnik. Die Fliegerei hat ihn nach der Bundeswehrzeit bei der Luftwaffe nicht losgelassen – er arbeitete unter anderem bei MBB, später EADS. Mit dem Abstand des Ruhestands betrachtet, erklärt er amüsiert, was er als Berater verschiedener Gremien, unter anderem der EU-Kommission und der NATO gemacht hat: »Viel Kaffee trinken, bedeutend dreinschaun und g'scheid daherredn!«

Die Lausbuben und -dirndln von damals treffen sich am Samstag – mit Partnern und Freunden der Annette-Kolb Schule und Parallelklassen – ab etwa 16 Uhr am Chiemgau-Gymnasium zum Sektempfang. Anschließend feiern sie ab etwa 18 Uhr weiter im Landgasthof »Griessee« in Oberbergham – nur falls sich der eine oder andere an sie erinnert und sie unbedingt mal wieder treffen will ... coho