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Glyphosat schadet den Lebewesen im Boden

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Marquartstein – »Wir sind der Anwalt der Natur vor Ort – und wir packen an.« Mit diesen Worten eröffnete der Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Achental, Hermann Eschenbeck, die Jahreshauptversammlung im Hotel Weßner Hof.


Eschenbeck berichtete von den Aktivitäten der rund 300 Mitglieder starken Ortsgruppe. In der Wandersaison brachten Helfer fast 2200 Amphibien wie Kröten und Frösche sicher über die Kreisstraße zwischen Staudach und Marquartstein. Das Achental sei ein hervorragendes Biotop für Fledermäuse. So seien vermehrt Nachweise gefunden worden, zum Beispiel ein Sommerquartier der Mopsfledermaus und Einzelfunde der seltenen Kleinen Hufeisennase. Eschenbeck bat, alle Funde, auch tote Tiere, zu melden.

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Entlang der Tiroler Achen und ihrer Nebengewässer entstehen immer neue Biberbauten. Der BN meldet seine Beobachtungen dem Landratsamt, das dann mit Grundbesitzern und Wasserwirtschaftsamt Lösungen sucht. Eschenbeck bedauerte, dass die Diskussion um den Biber oft sehr gereizt geführt werde. Die von ihm angerichtete »Unordnung« werde mehr als aufgewogen durch die biologische Vielfalt, die seine Dammbauten hervorrufen.

Projekte für Kinder und Jugendliche

Auch bei anderen Aktionen ging es um Verständnis für die Bedeutung der Artenvielfalt. So gab es eine Führung mit Stefan Kattari zu den Trockenrasen am Achendamm mit dem Reichtum an Blütenpflanzen. Entbuschungsaktionen mit Klassen des Staatlichen Landschulheims auf der Heimweide in der Hollandau in Unterwössen sollten den Schülern die Bedeutung der Almen und ihre besondere Fauna nahe zu bringen.

Geschwendet wurde auf der Heidenholzalm und am Rossanger in Ettenhausen, wobei auch Asylbewerber oft mithalfen. Als ideale Möglichkeit, bei Kindern Verständnis für Insekten zu wecken, bezeichnete Eschenbeck Bau und Betreuung eines Insektenhotels. Dazu ist ein Projekt mit der Unterwössener Mittelschule geplant. Weiter gab es zwei sehr gut besuchte Vorträge zur Bedeutung von Honig- und Wildbienen. Der Vorsitzende kritisierte, dass im Achental durch die frühe und häufige Mahd des Grünlands, auch der Straßenränder, Lebensmöglichkeiten für Bienen und andere Insekten stark eingeschränkt würden.

Bei der Glyphosat-Debatte werde nur das mögliche Krebsrisiko diskutiert. Unumstritten aber seien die schädlichen Auswirkungen von Glyphosat auf die Bodenorganismen, zum Beispiel auf Regenwürmer. »Um zu wissen, dass ein Boden ohne Regenwürmer nicht nachhaltig fruchtbar sein kann, muss man kein Bodenkundler sein«.

Anschließend stellte die Vorsitzende Beate Rutkowski, die Arbeit der Ortsgruppe in einen größeren Zusammenhang. Zum Schutz der Artenvielfalt bemüht sich die Kreisgruppe seit Jahren, ökologisch wertvolle Flächen zu kaufen oder zu pachten, um ihre Wertigkeit zu verbessern. Beispielhaft sei das am Tüttensee gelungen, so Rutkowski. Hier sei es gelungen, naturnahe Feuchtflächen wiederherzustellen und die Wasserqualität des Sees entscheidend zu verbessern.

17 Hektar im Landkreis Traunstein gehören dem BN

Insgesamt besitzt der BN im Kreis Traunstein 17 Hektar Flächen, zudem hat er zehn Hektar gepachtet, die er pflegt. Kauf und Pacht neuer Flächen seien schwierig geworden, weil der BN in Konkurrenz zu konventionellen Landwirten und verstärkt auch zu Biogasproduzenten stehe, die viel höhere Preise zahlen könnten. Neue Flächen könne der BN nur durch Spenden gewinnen.

Rutkowski berichtete weiter über die Renaturierung von Mooren. In 30-jähriger Arbeit ließ sich im Ödmoos der Hochmoorcharakter wieder herstellen. Bei einem Monitoring 2015 wurden ein Dutzend Libellen und Schmetterlinge nachgewiesen, die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Bei allen Biotoparbeiten bezieht der BN Jugendliche mit ein, etwa über Schulen.

In der Diskussion warb der Grassauer Landwirt Franz Pletschacher um Verständnis für die Situation der Landwirte. Auch Wolf Steinert aus Übersee machte sich Sorgen, dass mit der bisherigen Förderpolitik die bäuerliche Landwirtschaft nicht überleben könnte. »Alles an Naturschutz können wir vergessen, wenn uns die Landwirtschaft weg bricht«, bestätigte Rutkowski. Dabei komme den bäuerlichen Familienbetrieben eine entscheidende Bedeutung zu, weil sie für den Erhalt einer kleinteiligen und strukturreichen Feldflur sorgen. gi