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Glück: »Wir sind alle ein Teil dieser Erde«

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Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler, Aschaus Bürgermeister Peter Solnar, Schlechings Bürgermeister Josef Loferer und der ehemalige Landtagspräsident Alois Glück (von links) kamen zum Fest »25 Jahre Geigelstein« auf die Priener Hütte. (Foto: Rehberg)

Aschau im Chiemgau – »25 Jahre Naturschutzgebiet Geigelstein, bedeutet 25 Jahre des Umbruchs in der Landwirtschaft und in der Almwirtschaft unserer Region.« Das betonte Schlechings Bürgermeister Josef Loferer anlässlich der Feierlichkeiten »25 Jahre Naturschutzgebiet Geigelstein« auf der Priener Hütte. Der Berg sei in den 25 Jahren jedoch gleich geblieben. Befürchtungen aus den 80er Jahren, die Einrichtung eines Naturschutzgebiets am Geigelstein bedeute das Ende der traditionellen Almwirtschaft, hätten sich nicht bestätigt.


Zeit des Umbruchs – früher und heute

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Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Almwirtschaft haben sich auf die neuen Gegebenheiten eingestellt. Aus dieser Zeit des Umbruchs heraus sei unter Federführung des ehemaligen Bürgermeisters Fritz Irlacher das Ökomodell Achental entstanden, mit Vorbildfunktion weit über die Region hinaus. Zurzeit sei wieder alles im Umbruch, da viele Bauern zu kleine Viehbestände haben oder die Landwirtschaft bereits ganz aufgegeben haben. Deshalb werde zunehmend Pensionsvieh auf die Almflächen getrieben, um sie vor dem Verbuschen zu bewahren.

»Unsere Vorfahren haben diese Landschaft so geschaffen, wie sie jetzt ist«, so Loferer weiter. »Unsere Aufgabe muss es sein, sie zu erhalten«. Hier sei es für die Landwirtschaft nicht hinnehmbar, wenn große Beutegreifer wie Wolf und Bär wieder auf den Almen jagen. »Wölfe verändern die Landschaft, wenn sie als Meutejäger Jungvieh im Pferch reißen, dann kommt über kurz oder lang die Almwirtschaft zum Erliegen. Kein verantwortungsvoller Bauer wird sein wertvolles Vieh als Wolfsfutter auf die Almen treiben.«

Zahlreiche Gäste waren zur Festveranstaltung »25 Jahre Geigelstein« auf die Priener Hütte gekommen. Da es stark regnete, zelebrierten die beiden Pfarrer Johannes Palus aus Aschau und Martin Strasser aus Schleching miteinander den Festgottesdienst unter einem schützenden Vordach vor der Priener Hütte, die Aschauer Alphörner und die Weisenbläser umrahmten den Gottesdienst musikalisch.

Der Geigelstein ist der Chiemgauer Blumenberg

Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler stellte kritisch die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zwischen dem Wendelstein jenseits des Inns und dem Geigelstein fest; beide seien von ähnlicher Gestalt, doch während der eine voll erschlossen und mit zahllosen Gebäuden und Einrichtungen bebaut sei, mache der Geigelstein seinem Namen als Chiemgauer Blumenberg alle Ehre. »Es ist gut so, dass es so ist«, so Berthaler.

Traunsteins stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber dankte allen, die in den vergangenen 25 Jahren zum Gelingen des Projekts beigetragen haben. 25 Jahre seien zwar eine kurze Zeit, stellten aber doch fast eine ganze Generation dar. Roland Weit von der Oberen Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern merkte an, dass das Vorhaben vor 25 Jahren bestimmt nicht unumstritten gewesen sei und für viel Aufregung und Ärger in der Bevölkerung und Arbeit bei der Behörde gesorgt habe. »Mittlerweile haben sich die Gemüter beruhigt und das Naturschutzgebiet Geigelstein ist ein Vorzeigebeispiel dafür geworden, wie man solch ein Gebiet für Mensch und Natur einvernehmlich miteinander betreiben kann.«

Der ehemalige Landtagspräsident Alois Glück zitierte mehrfach aus der Enzyklika von Papst Franziskus und wies darauf hin, dass Naturschutz der Schutz der Schöpfung Gottes sei und somit eine Pflicht aller. Naturschutz sei der Erhalt der Schöpfung und uns außerhalb der kirchlichen Räume eine Verpflichtung. »Wir sollten niemals vergessen, dass wir alle ein Teil dieser Erde sind«.

Menschenschutz nicht nötig, wenn Naturschutz funktioniert

Bürgermeister Peter Solnar aus Aschau stieß in das gleiche Horn: »Zusätzlicher Menschenschutz ist nicht möglich und auch nicht nötig, wenn der Naturschutz richtig angewandt wird. Naturschutz muss nicht begründet werden als zusätzliche Maßnahme. Der Mensch und die Natur sind eins – und der Mensch gehört dazu in diesen Kreis. Wenn sich der Mensch außerhalb stellt, muss er sich nicht wundern, wenn sich die Natur selber schützt, gegen den Menschen«. Das Naturschutzgebiet Geigelstein zeige seit seiner Gründung die Verbundenheit zwischen Mensch und Natur.

Gemeinsam präsentierten beide Bürgermeister eine umfangreiche Jubiläumsschrift, ausgearbeitet von der Tourist-Info Aschau. Sie ist unter Telefon 08052/90490 erhältlich. reh