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Gleich drei Stücke sorgen in Grabenstätt für Begeisterung

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Im Stück »Der Rosstäuscher«, einer Episode aus dem Königlich Bayerischen Amtsgericht, kam der Streitfall »Nialinger« gegen »Freimelhuber« zur Verhandlung. (Foto: Müller)

Grabenstätt. Ganz und gar nicht sittsam und bescheiden geht es derzeit beim Theaterverein Grabenstätt zu, wenn zwei Delikte aus dem »Königlich Bayerischen Amtsgericht« von Autor Georg Lohmeier vor dem Richtertisch zur Verhandlung kommen.


Spätestens wenn sich der Vorhang zur Amtsgerichtspolka, gespielt von Alois Wiesholler, Michael Kaindl, Lukas Wimmer und Thomas Urian hebt, geht es hoch her. Die Obrigkeit hat alle Hände voll zu tun, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Klaus Bierdimpfl führt Regie und schlüpft als Darsteller in zwei Rollen, die unterschiedlicher nicht sein können: abgehobener, schnöselig-unsympathischer Staatsanwalt und tollpatschig-sympathischer Dorftrottel.

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Mit einem sehr delikaten Paragrafen muss sich der Richter (Wolfgang Riederer) im »Rosstäuscher« befassen. Hier hat er es mit einem schlitzohrigen Junghausl (Simon Urian) zu tun und zu allem Ärger muss er sich auch noch mit der waxen »Freimelhuberin« (Rebecca Miller) und ihrem trinkfreudigen Gatten (Stefan Knuppertz) herumschlagen. Faustdick hat es die liebreizende »Nialingerin« (Marilena Pfeilstetter) hinter den Ohren, während der »Nialinger« (Christoph Urian) im Vorfeld schmachvoll seine halbe Manneswürde hatte einbüßen müssen. Der Staatsanwalt (Klaus Bierdimpfl) wiederum wittert ein schlimmes Vergehen an der »äußerst pikanten Sache«. Die vertauschten Pferde scheinen ihn dabei weniger zu interessieren als das Liebesleben der »Nialingerin«. Schließlich wird auch noch der Ökonomierat (Michael Hartl) aufgerufen, um Ross und Reiter zweifelsfrei zu benennen.

Bis aufs Äußerste werden die Nerven des Richters (Wolfgang Riederer) in »Der Trompete« strapaziert. Keine Geringere als die Pfarrersköchin Urschula Attenberger (Manuela Keil) hat den Trompeter Bartl Kaser (Christoph Urian) vor den Richtertisch gezerrt. Ihr zur Seite steht die ängstliche, doch durchaus schadenfrohe Vorsitzende der Jungfrauenkongregation, Walli Hirner (Rebecca Miller). Kaum zum Schnaufen kommt das bigotte und bärbeißige Fräulein Urschula, so regt sie sich über das schwere und vor allem sündhafte Vergehen von Bartl auf. Habe dieser doch mit der »nur geliehenen«, geweihten Trompete der Jungfrauenkongregation auf dem sündigen Tanzboden aufgespielt und nicht nur, wie vereinbart, in der Kirche.

Der Richter muss mit dem Hammer mehrmals zur Ordnung rufen, zumal die Pfarrersköchin gewichtige Zeugen wie den Haasn Xare oder den Schneider Hans vom örtlichen Kirchenchor vorweisen kann. Vor das hohe Gericht tritt auch Zeuge Vinzenz Wastlhuber (Klaus Bierdimpfl), der Schwiegersohn von Bartl, der ohne seine prächtigen Lippen und die »Trompeten-Mitgift« seiner Angetrauten gar nicht Schwiegersohn geworden wäre.

Licht ins Dunkel sollen der Lehrer Wagner (Simon Urian) und Bürgermeister Kottmayr (Michael Hartl) bringen. Der Wachtmeister (Peter Kriegenhofer) hält derweil das streitlustige Volk routiniert an der Kandare. Wie könnte solch eine Verhandlung anders enden als mit Pauken und Trompeten? Auch dem einzig stummen Zeugen Franz Josef Strauß schien es zu gefallen.

Glanzvoll eröffnet wurde der Abend vom Nachwuchs des Theatervereins. Beim Bühnendebüt zeigte er den Kinderkrimi »Der mysteriöse Fund«. Weitere Vorstellungen folgen am heutigen Freitag und Samstag jeweils um 19.30 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr im Gasthaus zur Post. Karten gibt es im Vorverkauf bei Annemarie Biller unter der Telefonnummer 08661/388 am heutigen Freitag von 9 bis 13  Uhr oder an der Abendkasse. mmü