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Glaubenskrieg am beschaulichen Ufer der Weißache

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Die in Bergen gedrehten Szenen spielen auf der von zahlreichen Zwischenfällen geprägten Reise von München nach Augsburg im Jahr 1517. Unser Bild zeigt die Schauspielerinnen Elena Uhlig (links) und Ruby O' Fee. (Foto. Effner)

Bergen – Ausgerechnet der Wertstoffhof in Bergen – unweit des Ortes, wo normalerweise leere Flaschen, alte Batterien und Plastik entsorgt werden, entstehen gerade die Schlüsselszenen eines neuen TV-Films, der als »eines der Programm-Highlights 2017« angekündigt wird. Zwischen dicht gedrängt parkenden Lastwagen, Stromgeneratoren, einem Essenszelt und einer historischen Kutsche spazieren deutlich gestikulierende Personen in altertümlichen Gewändern hindurch oder eilen hektische Mitarbeiter der Produktionsfirma vorbei.


Wenige Meter davon im Wald entfernt, vor dem Wasserfall und an den Sandbänken der träge dahinfließenden Weißache ist ein halbes Studio für die Filmaufnahmen aufgebaut. Historienstoffe, noch dazu, wenn sie opulent in Szene gesetzt werden, kommen gut an beim Fernsehpublikum. Nach dem Erfolg des verfilmten Romans »Die Wanderhure« und zweier Fortsetzungen soll 2017, im 500. Jubiläumsjahr der Reformation, ein weiterer Bestseller von Iny Lorentz für hohe Einschaltquoten sorgen: »Die Ketzerbraut«.

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Als der Glaube lebensgefährlich sein konnte

Das Buch schildert eine Welt voller Umbrüche, in der der neu entfachte christliche Glaube des Reformators Martin Luther die katholische Welt erschüttert. Glauben konnte damals lebensgefährlich sein. Sinnlich erfahrbar wird das Geschehen in der gleichnamigen Verfilmung, die bis Ende Oktober von Regisseur Hansjörg Thurn (»Die Wanderhure«) an Schauplätzen in Prag, Tschechien, Salzburg und in Bergen als einzigem Schauplatz in Deutschland in Szene gesetzt wird.

In der Titelrolle spielt Shootingstar Ruby O' Fee (»Tatort«, »Die Rückkehr der Hebamme«) die junge Genoveva Leibert. Im München des Jahres 1517 wächst sie wohlbehütet als reiche Kaufmannstochter bei ihrem Vater auf, bis ihr schlagartig alles genommen wird: das Haus niedergebrannt, ihre Familie ermordet, ihre Ehre geschändet.

Sind die Ideen des »Ketzers« tatsächlich so abwegig?

Das brave Mädchen von einst sinnt nun auf Rache. Doch wer ist noch Freund und wer Feind? Kann Veva sich auf ihren Jugendfreund, den Freigeist Ernst Rickinger (Christoph Letkowski), verlassen, der maskiert Flugblätter gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche verteilt? Damit ist er Pfarrer Johann von Perlach (Paulus Manker) ein Dorn im Auge. Auf der Jagd nach dem Ketzer verbreitet der Kirchenmann mit Hilfe des Ritters von Gigging und seiner listigen Frau Walpurga (Elena Uhlig) Angst und Schrecken in der Bevölkerung Münchens. Doch sind die Ideen des vermeintlichen »Ketzers« tatsächlich so abwegig und im Glauben wirklich alle Mittel Recht?

»Es geht um Haltung: Nie den Glauben zu verlieren – auch an sich selbst«, erklärt Hauptdarstellerin Ruby O' Fee in der Drehpause und posiert für die Presse. Ihre Film-Gegenspielerin Elena Uhlig schätzt die persönliche Herausforderung: »Ich freue mich, zum ersten Mal eine wirklich böse Frau zu spielen, denn das ist mir persönlich sehr fremd«, erklärt sie ihre Rolle. »Für mich ist Walpurga von Gigging die spannendste, dunkelste und hintergründigste Figur des Films.« Mit ihren roten Haaren, den schadhaften Zähnen, dem diabolischem Blick und dem Todesstachel am kleinen Finger wirkt die sonst elegante Schauspielerin wie eine Hexe.

Die Filmpferde trugen schon Orlando Bloom

Wenn auch auf den ersten Blick nicht erkennbar, sind auch weitere inoffizielle Stars mit am Set. Die von einer tschechischen Tiertrainerin betreuten Filmpferde trugen schon Orlando Bloom im Film »Die drei Musketiere« und waren im Kinofilm »Bibi und Tina« im Einsatz.

Mit der »Ketzerbraut« und dem Thema des Religionskrieges vor 500 Jahren greift SAT.1 einen historischen Stoff auf, der aktueller nicht sein könnte. Produzent Andreas Bareiss verspricht einen »emotionalen Parforceritt an der Seite von Ruby O' Fee«, der auch die Zuschauer immer wieder mit der Frage konfrontiert: »Auf welcher Seite hätte ich damals gestanden und wieweit wäre ich für meinen Glauben gegangen?« eff