weather-image
27°

»Gitterrost war der einzig mögliche Kompromiss«

3.4
3.4
Bildtext einblenden
Was aussieht, wie ein Schildbürgerstreich, ist das Ergebnis eines Kompromisses, den die Stadt Traunstein einging, um die Verlegung der Schulbushaltestelle in Traunstorf an die Einmündung zur Kaiserstraße überhaupt zu ermöglichen. (Foto: Hohler)

Traunstein. Ein bisschen mutet sie an, wie ein »Schildbürgerstreich«, die neue Haltestelle für den Schulbus in Traunstorf. War die Haltestelle ursprünglich am früheren Gemeindehaus gelegen, gab es dort zwei Hindernisse: zum einen wurde das Haus samt Grundstück verkauft, so dass die Stadt nicht mehr über die Fläche verfügen kann; zum anderen hatten sich Eltern an die Stadt gewandt mit der Bitte, die Bushaltestelle von der Kreuzstraße an die Einmündung in die Kaiserstraße zu verlegen.


Die Eltern wollten auf diesem Weg erreichen, dass die Kinder – darunter viele kleine Grundschüler – nicht mehr an der viel befahrenen Kreuzstraße entlang gehen müssen. Denn dort gibt es nicht einmal einen Gehsteig und die Straße ist eng, zumal im Begegnungsverkehr zweier Autos, und erst recht, wenn dort auch noch Schulkinder gehen.

Anzeige

Die Stadt kam also dem Wunsch der Eltern nach und verlegte die Haltestelle an die Einmündung zur Kaiserstraße – wofür die Eltern ausdrücklich dankbar sind. Nur dort sei das möglich gewesen, so die Pressereferentin der Stadt Traunstein, Carola Westermeier auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Anderenorts wäre eine Zustimmung privater Grundeigentümer nötig gewesen, die aber nicht erteilt worden sei.

Der Standort diene allerdings als Versickerungsfläche. Deshalb sei dort ein durchlässiger Gitterrostboden eingebracht worden. Eine Überbauung mit einem Buswartehäuschen sei wegen der Versickerungsfläche überhaupt nicht möglich. Im Übrigen hätten die wenigsten Haltestellen im Stadtgebiet – auch Schulbushaltestellen – Wartehäuschen. Zum Beweis listet Westermeier über 30 Haltestellen ohne Wartehäuschen allein im Stadtgebiet auf. Es erscheine auch durchaus zumutbar, dass Schulkinder – bei gutem wie schlechtem Wetter – einige Minuten im Freien auf den Bus warten. Das allein wäre ja noch nicht so tragisch, meinen die Eltern, aber »gerade im Winter ist das Gitter brutal eisig«, sagt etwa Regina Timm auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts. Schlimmeres passiert sei bisher – bis auf eine kaputte Hose – aber zum Glück noch nicht. Die Stadt habe aber vor etwa drei Wochen Abhilfe versprochen durch eine Art Rasenteppich oder etwas ähnlich wasserdurchlässiges.

Auf die Sickerfläche könne jedenfalls nicht verzichtet werden, so Westermeier weiter. »Diese Fläche dient der Versickerung des Straßenoberflächenwassers mit einem ganz speziellen, komplizierten Aufbau im Untergrund. Dazu gehört auch ein Notüberlaufschacht in den tiefen Untergrund, der nur bei großen Wassermengen anspricht.« Ganz wichtig dabei sei, dass die Fläche bewachsen ist, um die natürliche Reinigung des Wassers gewährleisten zu können – was im Falle eines darüber gebauten Buswartehäuschens nicht mehr gegeben wäre, da die Pflanzen darunter absterben würden.

Durch ständiges Begehen, besonders in nassem Zustand, würde die Fläche schnell verschlammen und die Sickerfähigkeit würde gegen Null tendieren. »Die Funktionalität dieser Fläche würde also innerhalb kurzer Zeit verloren gehen. Es bestünde dann die Gefahr (wie vor dem Umbau der Straßen in Traunstorf), dass in einige Häuser mehrmals jährlich Wasser hineinläuft.« Die Haltestelle sei also mit einem Gitterrost ausgestattet worden. Diese Lösung sei ein Kompromiss zur Realisierung der Bushaltestelle. Aufgrund des Gitters werde der Bewuchs nur unwesentlich beeinflusst. Ferner bleibe der Notüberlaufschacht zu Wartungszwecken zugänglich.

Bedenken – und zum Teil auch bereits Erfahrungen – der Eltern, die Kinder könnten sich beim Sturz von der Plattform verletzen, sowie die Anregung, wenigstens ein Geländer anzubringen, kommentiert Westermeier so: »Die Absturzhöhe von der Rostfläche beträgt weniger als 50 Zentimeter und bedarf deshalb keines Geländers. Ein Geländer birgt zudem Gefahren, wenn die Kinder es etwa zum Spielen nutzen.« coho