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Gisela Sengl zieht in den Bayerischen Landtag ein

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»Ich denke, dass mein Beruf den Ausschlag gegeben hat«, sagte Biobäuerin Gisela Sengl gestern im Interview mit unserer Zeitung über ihr gutes Zweitstimmenergebnis.

Der Landkreis Traunstein ist künftig mit zwei Abgeordneten im Bayerischen Landtag vertreten: Neben Klaus Steiner (CSU) aus Übersee, der sich bereits am Sonntagabend das Direktmandat gesichert hat (wir berichteten), gelang am Dienstagabend auch Gisela Sengl (Bündnis 90/Die Grünen) der Sprung ins Münchner Maximilianeum. Die Biobäuerin aus Sondermoning kam über die Liste ihrer Partei ins Bayerische Parlament.


Schon am Sonntagabend hatte es für Gisela Sengl allen Grund zum Jubeln gegeben: Mit einem starken Erststimmen-Ergebnis in ihrem Stimmkreis Traunstein von 12,81 Prozent überflügelte die dreifache Mutter nicht nur ihre eigene Partei – die Grünen kamen bei der Zweitstimme lediglich auf 8,78 Prozent –, sondern hätte um ein Haar fast noch den SPD-Kandidaten Dirk Reichenau (12,86 Prozent) hinter sich gelassen. Schon da war klar, dass die Sondermoningerin eine Chance auf einen Sitz im Bayerischen Landtag hat – »aber nur eine hauchdünne«, wie sie selber am Sonntagabend noch glaubte.

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Als am Dienstagabend dann alle Stimmen ausgezählt waren, erhielt Sengl endlich Gewissheit: Mit Listenplatz 13 schaffte sie es, als eine von sieben grünen Abgeordneten ins Bayerische Parlament einzuziehen. Den Tag über habe sie ein Wechselbad der Gefühle erlebt, schildert die Biobäuerin. »Ich bin dann am Nachmittag mit meinen beiden Töchtern zum Schuhkaufen gefahren, weil ich die Spannung nicht mehr ausgehalten habe«, gesteht die 53-Jährige. Ihr Sohn habe sie dann um 18.30 Uhr mit der erlösenden Nachricht aus München angerufen: »Du bist drin.« »Das ist wirklich phänomenal«, freut sich Gisela Sengl und gibt zu: »Ich wollte das Mandat unbedingt erreichen.« Die Sondermoningerin hat in allen oberbayerischen Stimmkreisen gut punkten können, vor allem in den Nachbarlandkreisen Berchtesgadener Land und Rosenheim. Warum, das erklärt sie sich so: »Ich denke, dass mein Beruf den Ausschlag gegeben hat. Das zeigt mir, dass die Wähler die Themen Landwirtschaft und Ernährung weiter von den Grünen vertreten sehen wollen.«

Gisela Sengl weiß, dass sich ihr Leben jetzt ändern wird. Auf dem Biobauernhof daheim in Sondermoning ist es bislang so, dass sich ihr Ehemann um die Landwirtschaft und sie sich um den Bioladen kümmert. Künftig, das verrät die 53-Jährige, wird eine langjährige Angestellte in ihrem Bereich die Geschäftsführung übernehmen. Dennoch ist es der Mutter von zwei Töchtern (13 und 16) und eines 30-jährigen Sohnes wichtig, dass die Familie trotz der neuen Aufgabe nicht zu sehr ins Hintertreffen gerät. »Berlin wäre nichts für mich gewesen, da wäre ich zu weit weg von daheim«, sagt Gisela Sengl und erklärt, dass ihr Mann und ihre drei Kinder im Wahlkampf hinter ihr gestanden hätten: »Sie haben mich alle unterstützt.«

Wann sie das erste Mal als Abgeordnete an einer Sitzung im Maximilianeum teilnehmen wird, das weiß Gisela Sengl noch nicht. Parteiintern geht es aber bereits in eineinhalb Wochen los: Die neue grüne Landtagsfraktion kommt am 30. September zu ihrer ersten Sitzung zusammen.

Der Stimmkreis Traunstein hatte seinen grünen Vertreter im Landtag mit dem Tod von Sepp Daxenberger im August 2010 verloren. Seine Nachrückerin, Anne Franke aus Starnberg, betreute den Stimmkreis Traunstein danach mit. Sie verlor bei der jetzigen Wahl ihr Mandat. Rausgeflogen ist außerdem SPD-Abgeordnete Maria Noichl; die Rosenheimerin betreute in der vergangenen Wahlperiode den Stimmkreis Traunstein ebenfalls mit. san