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Gewerbeverein »Waging bewegt« sucht neuen Vorstand

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Karin Wiedemann (von links) und Lydia Wembacher, die beiden Vorsitzenden des Gewerbevereins, suchen Nachfolger. Bei der Wahl in der Jahreshauptversammlung erklärte sich niemand bereit, für die Vorstandschaft zu kandidieren. Mit auf dem Bild sind Bürgermeister Herbert Häusl und Tourismus-Chefin Eva Gruber, die von Amts wegen der Vorstandschaft angehören. (Foto: Eder)

Waging am See – Es kam, wie es erwartet worden war: Der Gewerbeverein »Waging bewegt« hat keine Vorstandschaft mehr. In der Jahreshauptversammlung im Hotel Wölkhammer fand sich niemand, der bereit gewesen wäre, für die Vorstandsposten zu kandidieren.


Die bisherigen Vorsitzenden Lydia Wembacher und Karin Wiedemann hatten bereits im Vorfeld erklärt, nach acht Jahren im Amt nicht mehr antreten zu wollen.

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Jetzt haben die Mitglieder – von den insgesamt rund 200 waren bei der Versammlung gut 30 anwesend – noch vier Wochen Zeit, jemanden zu finden, der die vakanten Posten übernehmen und den Verein weiterführen würde. Voraussichtlicher Termin für eine erneute Mitgliederversammlung ist der 4. April. Um eventuellen Interessenten den Start zu erleichtern, haben sich Wembacher und Wiedemann bereit erklärt, sich auch weiterhin um die ausgesprochen zeitintensive Organisation der drei Märkte zu kümmern.

»Den Verein sterben zu lassen, wäre ein Fehler«

Bürgermeister Herbert Häusl appellierte an die Mitglieder, die verbleibenden vier Wochen gut zu nutzen: »Lassen wir uns noch ein Monat Zeit. Überlegt es euch gut, da was draus zu machen. Den Verein sterben zu lassen, wäre ein großer Fehler.« In seinem Grußwort hatte der Bürgermeister festgestellt, dass gerade die von »Waging bewegt« organisierten Märkte in der Umgebung für viel Anerkennung sorgten und immer noch mehr Besucher anziehen. Der Verein kümmere sich das ganze Jahr über um die Belange des Handels und sei Ansprechpartner für die Gemeinde, die ihrerseits finanzielle Unterstützung leiste. Er lobte die verantwortlichen Personen im Verein, die viel Engagement eingebracht hätten. Waging brauche die Zusammenarbeit von Gewerbeverein und Gemeinde – auch wenn man nicht immer einer Meinung sei.

Karin Wiedemann nannte einige Zahlen, um die doch sehr umfangreiche Arbeit der Vorstandschaft für den Verein zu beschreiben. Allein rund 50 Stunden Arbeitszeit erfordere die Vorbereitung für die drei Märkte. Viel Zeit gehe auch für Vorstandstreffen, Mitglieder- und Finanzverwaltung auf. Ausgesprochen gut sei die Zusammenarbeit mit dem Bauhof und dem Ordnungsamt, so Wiedemann weiter.

Sie ging auch auf die Fragebogen-Aktion des Vorstands ein, deren Resonanz aus den Reihen der Mitglieder sehr zurückhaltend gewesen sei: Von den verschickten rund 200 Fragebögen seien gerade mal 30 zurückgeschickt worden, darunter nur elf von Handelsgeschäften. Von den Rücksendern habe zwar die Mehrheit versichert, dass die Aktivitäten des Vereins erwünscht seien, aber nur elf hätten sich bereit erklärt, eventuell beim Verein aktiv mitarbeiten zu wollen. So ist die fehlende Unterstützung ein ganz entscheidender Punkt, dass die bisherigen Vorsitzenden nicht mehr weitermachen wollen. »Seit acht Jahren appellieren wir an unsere Mitglieder, uns zu unterstützen. Bisher gänzlich ohne Erfolg«, betonte Wiedemann.

In einem Ausblick in die Zukunft regte sie an, die Mitgliederverwaltung und auch die Akquise in die Hände des Tourismus oder der Gemeinde zu legen, also professionell erledigen zu lassen; der Arbeitsaufwand sei ehrenamtlich kaum mehr zu schaffen. Außerdem sollten Projektteams gegründet werden, um die einzelnen Veranstaltungen zu organisieren, »falls diese nicht sterben sollen«. Auch der Einsatz von geringfügig beschäftigten Mitarbeitern wäre zu begrüßen.

Sehr gefreut hat sich Karin Wiedemann über einen sehr positiven Brief, den die Vorstandschaft zugeschickt bekommen hat. Darin stellt ein Waginger Bürger fest, er bewundere den »Elan, mit welchem Sie seit Jahren ehrenamtlich die Märkte und sonstige Events für die Waginger organisieren« – und das in Zeiten, in denen andernorts immer häufiger hauptamtliche Manager gesucht werden.

Im Kassenbericht listete Kassenprüfer Josef Babl die umfangreichen Finanzbewegungen des Vereins auf, die eine, in etwa ausgeglichene Bilanz ergaben. Bei den Ausgaben stehen die Kosten für Märkte, Werbung und die Adventsaktionen im Vordergrund, bei den Einnahmen die Beteiligung der Mitgliedsfirmen, der Zuschuss der Gemeinde, die Standgebühren der Fieranten und die Mitgliedsbeiträge.

»Nicht in Totengräber-Stimmung verfallen«

Nach dem erfolglosen Punkt Neuwahlen meldeten sich verschiedene Mitglieder zu Wort. Bernhard Mühlbacher etwa stellte fest, es sei ein großer Verlust für Waging, wenn die bisherigen Vorsitzenden nicht mehr weitermachten – und das gerade in einer schwierigen Zeit, in der der Ort in zwei Lager gespalten sei. Es sei allerdings verständlich, wenn sich angesichts der vielen Aufgaben und des hohen Zeitaufwands keine Nachfolger fänden. Dazu betonten Wembacher und Wiedemann unisono, dass sie gerne bereit seien, einen neuen Vorstand nach Kräften zu unterstützen beziehungsweise einzuarbeiten. Sie würden sogar die Märkte weiterhin organisieren – allerdings, so Karin Wiedemann, würde man sich für die Arbeit eine finanzielle Entschädigung wünschen.

Georg Huber appellierte an den Verein, »nicht in Totengräber-Stimmung zu verfallen«. Die Last müsse künftig auf mehrere Schultern verteilt werden, von daher sei die Diskussion über die Zukunft sehr wichtig. Auch er wäre bereit, mitzuhelfen, zwar nicht als Vorstand, aber als Mitarbeiter. Abschließend empfahl er die Gründung eines Wahlausschusses, dessen Aufgabe es sein solle, im Laufe der kommenden vier Wochen Personen konkret anzusprechen, um sie für eine Kandidatur im Verein zu gewinnen. he