weather-image
26°

Gewerbegebiet Nord mit Kreisverkehr anbinden

2.3
2.3
Bildtext einblenden
So sieht die im Planungsausschuss beschlossene neue Anbindung des Gewerbegebiets Nord (unten rechts) aus. Rechts führt die Wasserburger Straße in die Stadt, links neben dem Kreisverkehr ist der Knotenpunkt Nord der Nordumfahrung Traunstein zu sehen mit der Anzweigung Richtung Ettendorfer Tunnel und Waging sowie links die Fortsetzung der Bundesstraße in Richtung Matzing.

Traunstein – Einstimmig beschloss der Planungsausschuss des Stadtrats, das Gewerbegebiet Nord über einen Kreisverkehr am Knotenpunkt Nord der Ortsumfahrung Traunstein an die B304 anzubinden.


Außerdem soll das Gewerbegebiet bis zur nördlichen Gemarkungsgrenze erweitert und der Flächennutzungsplan entsprechend geändert werden. Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag in einer Woche.

Anzeige

Mit Kosten von 2,2 Millionen Euro sei das zwar nicht die günstigste Lösung, aber die verkehrssicherste, erklärte Monika Althammer von der Ingenieurgesellschaft SAK in Traunstein. Sie stellte dem Gremium eine Machbarkeitsstudie zu verschiedenen Möglichkeiten der Erschließung des Gewerbegebiets vor.

Riesiges Problem mit dem Bahnübergang Empfing

Untersucht wurden Möglichkeiten einer nördlichen Zufahrt zum Gewerbegebiet. Hintergrund war die gefährliche Verkehrssituation an der Einmündung von der Kotzinger in die Wasserburger Straße. »Wir haben da ein riesiges Problem mit dem Bahnübergang Empfing«, sagte Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD). »Und die Variante 3 würde auch das Staatliche Bauamt mitmachen.«

Denn die drei Varianten eines Umbaus der Zufahrt über Weiderting (1.1 bis 1.3) scheiterten an eingeschränkten Sichtverhältnissen, am Platz und dem Untergrund, der eine Pfahlbohrgründung nötig machen würde. Aus Gründen der Verkehrssicherheit wären sie auch vom Staatlichen Bauamt abgelehnt worden, so Althammer.

Variante 2, eine neue Anbindung an die B 304 westlich des bestehenden Knotenpunkts mit Auf- und Abfahrtrampen parallel zur Bundesstraße, scheitere nicht zuletzt am fehlenden Platz zwischen Bundesstraße und Bahnlinie. Zudem würde diese Variante einen zusätzlichen Knotenpunkt bedeuten. Die Variante würde 1,63 Millionen Euro kosten. »Sie ist nicht zu bevorzugen – wegen des geringen Abstands zum bestehenden Knotenpunkt würden Erkennbarkeit und Beschilderung schwierig«, so Althammer. »Wir empfehlen wegen der eindeutigen Verkehrsführung und der Verkehrssicherheit Variante 3.«

»Ich freu mich narrisch, dass sie auf das Gleiche kommen, für was ich vor Jahren belächelt worden bin«, sagte Josef Kaiser (UW). »Das ist das einzige, was verkehrssicher und auf städtischem Grund machbar ist.«

135 Euro je Quadratmeter – »Kriegen wir das los?«

Burgi Mörtl-Körner (Grüne) fragte nach der Anbindung der Industriestraße »ohne, dass wir auf den Grund der Firma Schaumaier und in die Naturwaldparzelle eingreifen.« Generell war sie skeptisch: »2,2 Millionen Euro muss die Stadt vorschießen. Dabei wissen wir gar nicht, ob wir tatsächlich Bedarf haben. Und ich komme auf 135 Euro je Quadratmeter Grund, kriegen wir das dann los?«

»Der Preis ist für die meisten nicht das Problem«, hielt Kegel entgegen. »Aber die Erschließung in Kotzing ist nicht optimal. Jetzt können wir das bereinigen. Und wir haben größten Bedarf an Gewerbegrund.« Und Dr. Christian Hümmer (CSU) ergänzte: »Es ist ja nicht so, dass morgen die Motorsäge kommt, wenn der Bedarf nicht da ist, bleiben die Bäume stehen. Aber die Nachfrage ist reißend.«

»Wir müssen etwas für die Verkehrssicherheit tun«

»Unsere Bürgerinitiative 'Rettet den Haidforst' war damals   richtig, aber da hatten wir noch keine Umgehungsstraße«, sagte Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD). »Inzwischen haben sich die Firmen weiterentwickelt mit mehr Lkw-Verkehr, da müssen wir etwas für die Verkehrssicherheit tun.«

Mörtl-Körner blieb kritisch: »Erstens weiß ich nicht, ob die Regierung von Oberbayern den dringenden Bedarf anerkennt und zweitens belasten wir den Haushalt mit 2,2 Millionen Euro, da werden wir sehr schnell verkaufen müssen und können nicht mehr so drauf schauen, wer da kommt.« »Ich bin mir sicher, dass diese Kosten schnell wieder hereinkommen«, so Kegel.

Während Karl Schulz (CSU) mahnte, die Entwicklung voranzutreiben und zu überlegen, »wo wollen wir mit der Planung hin?«, erinnerte Josef Kaiser (UW) an den Unfallschwerpunkt am Bahnübergang Empfing: »Da fahren täglich Hunderte Lastwagen weg. Wir müssen etwas tun.«

Wolfgang Osenstätter brachte einen ganz anderen Aspekt ein: Die Fichte habe an diesem Standort ohnehin keine Zukunft. Die Stadt hat 600 Hektar Wald. »Wir müssen den Wald sowieso umbauen.« Dazu sagte Mörtl-Körner: »15 Hektar sind ein enormer Verlust. Luft und Wasser haben unmittelbaren Einfluss auf die Lebensqualität. Und was zubetoniert ist, ist weg. Ökologische Ausgleichsflächen sind doch Augenwischerei.«

Josef Kaiser schloss sich dem Vorschlag von Stadtplaner Elmar Schwäbisch an, gleich die ganze Fläche im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet auszuweisen. So brauche man nicht bei jeder Erweiterung aufwändige Umweltverträglichkeitsprüfungen. »Und wir fangen nicht jedes Mal wieder mit der Grundsatzdiskussion an«, so Kaiser.

Der Leiter des Baurechtsamts, Bernhard Glaßl meinte: »Wenn wir einen zukunftsfähigen Plan erstellen wollen, sollten wir gleich die ganze Fläche überplanen.« Dr. Hümmer (CSU) meinte: »Wir haben über den Verkauf und auch rechtlich die Möglichkeit, zu entscheiden, wer wann kommt, aber wir laufen nicht mehr der Entwicklung hinterher.« coho