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»Gesundheitsregion plus« überzeugte nicht

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Traunstein – Der Landkreis Traunstein wird sich wohl nicht an dem Konzept »Gesundheitsregionen plus« des Bayerischen Gesundheitsministeriums beteiligen. Das Thema passierte den Kreisausschuss unter Leitung von Landrat Siegfried Walch gestern zwar ohne förmliche Ablehnung, aber auch ohne positiven Beschluss. Das Gremium bevorzugte, auf Landkreisebene aktiv zu werden – vor allem mit dem Ziel, die hausärztliche Versorgung auf dem Land zu verbessern.


Hans Zott vom Landratsamt hatte zuvor das Konzept des Ministeriums präsentiert. Insgesamt sollen in Bayern 24 vom Freistaat finanziell geförderte und bis Ende 2019 befristete Modellprojekte »Gesundheitsregionen plus« mit den Schwerpunkten Versorgung und Prävention entstehen. Laut Zott sieht der Bayerische Landtag im Doppelhaushalt 2015/16 für die künftigen »Gesundheitsregionen plus« bis zu 50 000 Euro jährlich bis 2019 vor. Der Zuwendungsempfänger müsse einen Eigenanteil von mindestens 20 Prozent leisten.

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»Mir erscheint alles sehr abstrakt«

Die Diskussionen eröffnete Sepp Hohlweger (Bündnis 90/Die Grünen): »Es ist sicher ein guter Schritt, sich zu vernetzen und Verbesserungen zu erreichen. Aber mir erscheint alles sehr abstrakt.« Landrat Walch (CSU) sprach von seiner Sorge um die künftige hausärztliche Versorgung: »Es wäre meine Hoffnung, mit Unterstützung des Ministeriums Erfahrungen auszutauschen und Möglichkeiten zu finden.« Als »großen Fehler dieses Projekts« bezeichnete Willi Geistanger (Bündnis 90/Die Grünen), dass es nur eine Anschubfinanzierung gebe. »Dann bleiben wir auf den Kosten sitzen.«

Grundsätzlich positiv zu dem Projekt äußerte sich Dr. Thomas Graf (ÖDP). Ihn interessiere das Engagement der Krankenkassen. Der Landrat erwiderte, es gebe »Signale« zu einer Beteiligung der Kassen. Graf hakte nach: »Die ambulante Versorgung ist geregelt, die ambulante Prävention weniger.« Dazu meinte Zott: »Es wäre von Vorteil, alle an einen Tisch zu bringen.« Das sei »eine wunderbare Zukunftsvision«, so Graf.

»Aus dem gesunden Menschenverstand heraus sehe ich Probleme, wenn wir ein Projekt nach dem anderen kriegen. Ich staune, wofür es Geld gibt. Ein Ziel ist nicht erkennbar«, betonte Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD). In ihren Augen ist es sinnvoller, einmal pro Jahr alle Beteiligten im Landratsamt an einem runden Tisch zu versammeln: »Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir auch nur einen Hausarzt bekommen durch das Projekt. Wir wollen die Kreisumlage senken und steigen gleichzeitig in jedes Projekt ein.«

Die bereits im Rahmen der Gesundheitsregion aktiven Arbeitskreise rief Franz Parzinger, (CSU) ins Gedächtnis. An viele Verbände und Krankenkassen, die schon Prävention leisten, erinnerte Landratsstellvertreter Andreas Danzer (FW/UW). Der Kreisgesundheitsausschuss solle sich mit dem Modellprojekt befassen.

Auf eigene Faust tätig werden

Der Landrat beendete die Diskussion mit dem Vorschlag, aus dem Konzept »Gesundheitsregion plus« das Passende herauszuziehen, auf dem kürzlich beendeten, regionalen Projekt »Regionale Gesundheitskonferenz« aufzubauen und auf eigene Faust tätig zu werden. kd

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