»Gesundheit ist vor allem ein Geschenk und kein Verdienst«

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Wird am heutigen Samstag 75 Jahre alt: der ehemalige CSU-Vordenker Alois Glück. (Foto: dpa)

Traunreut – Über den Ex-CSU-Vordenker Alois Glück könnte man viel erzählen: Dass er von 1970 bis 2008 im Bayerischen Landtag saß, zahlreiche Ehrenämter bekleidet, Buchautor ist, mit hohen Auszeichnungen dekoriert ist und zu den ewig Rastlosen zählt. Seit seinem Rückzug von der politischen Bühne managt er als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) quasi einen Großbetrieb. Das Traunsteiner Tagblatt sprach anlässlich seines 75. Geburtstags mit Alois Glück.


Herr Glück, mit 75 Jahren stehen Sie richtig im Leben und sind fit wie ein Turnschuh. Wie schaffen Sie es, so fit zu bleiben?

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Die gute Gesundheit ist vor allem ein Geschenk und kein Verdienst. In all den Jahrzehnten dieses sehr intensiven Lebens mit sehr unregelmäßigen Abläufen habe ich mich immer bemüht, mich gesund zu ernähren und mich vor allem auch immer wieder entsprechend viel bewegt. Ich brauche es, wenigstens am Wochenende, immer wieder etwas mit dem Rad zu fahren, im Winter langzulaufen, auf Berge zu wandern und mich auch zu Hause auf dem Hometrainer zu bewegen.

Wie planen Sie denn Ihren Geburtstag heute?

Ich habe überhaupt keine besondere Planung.

Werden Sie die Glückwünsche zum Geburtstag mitzählen?

Nein, ich führe weder gedanklich noch anderweitig eine Liste; freue mich über die guten Wünsche und die Aufmerksamkeiten. In erster Linie bin ich an diesem Tag aber dank-bar für all das, was mir in meinem Leben alles geschenkt wurde durch die Begleitung und Unterstützung von Menschen. Das gilt besonders für meine Frau und die Familie. Im Rückblick stelle ich fest, dass alle wichtigen Entscheidungen und Entwicklungen in meinem Leben mit der Begegnung mit Menschen zusammenhängen. Das ist der größte Schatz in meinem Leben. Dafür danke ich Gott.

Sie haben im Interview anlässlich Ihres 70. Geburtstags erwähnt, Ihr größter Lebenstraum wäre, im Alter ruhiger und gelassener zu werden. Hat sich dieser Traum mittlerweile erfüllt?

Das ist leider weitgehend ein Traum geblieben. Nun hoffe ich auf den Beginn des nächsten Jahres, wenn ich das Amt des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken abgegeben habe.

Vor sechs Jahren haben sie der politischen Bühne Adieu gesagt. Haben Sie noch persönlichen Kontakt nach München?

Natürlich habe ich noch persönliche Kontakte nach München, halte mich aber aus der aktuellen Politik konsequent heraus.

Würden Sie in der aktuellen Tagespolitik noch gerne mitmischen?

Ich hatte nie das Bedürfnis jetzt gerne mitzumischen. Ich habe dies über Jahrzehnte in der Politik praktiziert, vieles mitgestaltet und auch entsprechend Verantwortung getragen. Mit dem Abschied aus dem Landtagsmandat habe ich das abgegeben und ich hatte dabei nie Entzugserscheinungen.

Verfolgen Sie die Tagespolitik im Traunsteiner Tagblatt?

Das Traunsteiner Tagblatt zählt zur täglichen Lektüre und ist mir vor allem für das regionale Geschehen wichtig.

Wie beurteilen Sie die Änderung der Medienlandschaft in der Region?

Die gesamte Medienlandschaft ist in Bewegung und in Veränderung. Die Printmedien sind unter besonderem Druck. Ich nehme das zur Kenntnis und kommentiere es auch nicht weiter, weil ich es ohnehin nie ändern könnte.

Im November wollen Sie Ihr Amt als ZdK-Präsident aufgeben. Fällt Ihnen diese Entscheidung schwer?

Ich hatte nur für eine Wahlperiode zugesagt und habe wegen der besonderen Situation vor dem Katholikentag in Regensburg und dem laufenden Dialogprozess noch für weitere zwei Jahre zugesagt. Nun bin ich aber auch froh, wenn ich diese Aufgabe im November diesen Jahres abgeben werde. Insgesamt war es aber eine Zeit der Bereicherung, nicht nur der Belastungen.

Sie bekleiden viele Ehrenämter auch in der Region. Planen Sie, sich künftig vollständig zurückzuziehen?

Ich plane keinen vollständigen Rückzug. Ein totales »Ruhestandsleben« liegt mir nicht, würde mich eher krankmachen. Ich werde vor allem die Aufgaben des Netzwerks Hospiz und alle Bereiche, die wir jetzt zusätzlich auf den Weg bringen, wie die Spezialisierte ambulante Palliativversorgung und ein stationäres Hospiz für die ganze Region, weiter engagiert begleiten.

Das Interview führte Gabi Rasch.

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