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»Gespür für Baukultur fördern«

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Übersee. Auf überraschend großes Interesse stieß eine Veranstaltung mit Thomas Lauer vom »Bayerischen Landesverein für Heimatpflege« im Gasthof »Hinterwirt« über das Thema »Bauen in unserer schönen Landschaft«. Nach längerer Diskussion wuchs die Bereitschaft unter den Anwesenden, sich für den Erhalt der rund 100 alten Höfe in Übersee zu engagieren. Das Motto heißt »Erhalten statt abreißen«.


»Baukultur hat etwas mit Lebensqualität zu tun. Daher haben wir dieses Thema aufgegriffen«, sagte Reiner Schöniger vom Arbeitskreis (AK) »Kultur«, der gemeinsam mit dem AK »Ortsentwicklung« den Abend organisiert hatte. »Wie soll unser Ort künftig aussehen?« – von der Antwort auf diese Frage seien alle Überseer Bürger betroffen, so Schöniger.

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Eine mögliche Antwort darauf gab Thomas Lauer, Architekt und bereits seit 28 Jahren in der baulichen Heimatpflege tätig. Er zeigte Bilder und schilderte Beispiele gelungener Baugestaltung in ganz Bayern. Immer wieder beeindruckten dabei die traditionellen, lang gezogenen Baukörper, die mit neuer Solartechnik, Verglasungen, Holzschalungen und modernen Fensterlösungen versehen in die Landschaft eingebunden wurden. In Übersee gebe es »fantastisches Kapital« an traditionellen Bauten, mit dem man sorgsam umgehen müsse, sagte er.

Wolf Steinert, Landschaftsarchitekt und Leiter des AK »Ortsentwicklung«, nannte in diesem Zusammenhang etwa 100 alte Höfe, die es zu erhalten gelte. Sie dürften mit einem Abriss nicht das gleiche Schicksal erfahren wie das ehemalige Schuster-Jule-Anwesen in der Feldwies. »Heute haben wir dort einen Fremdkörper in einem gewachsenen Bereich«, bedauerte Steinert.

Auch der Landtagsabgeordnete Klaus Steiner äußerte die Sorge, dass beispielsweise durch Vererbung vieles verloren gehen könnte. Es sei deshalb von größter Bedeutung, das Gespür und das Bewusstsein zu wecken für den Erhalt der alten Baukultur. Hierzu brauche es vor allem den Mut und die Geschlossenheit im Gemeinderat, so Steiner.

Ein Diskussionsteilnehmer wies auf den täglichen Landverbrauch von 17 Hektar, das sind 25 Fußballfelder, in Bayern hin. Auch deshalb sollte man sich darauf besinnen, das Alte zu nutzen. Gustav Starzmann, ehemaliger Landtagsabgeordneter, vermisste bei diesem Thema den Willen der Gemeinde und vor allem der Bürger. Unter dem Motto »Man muss wissen, was man will«, ermutigte er die Bevölkerung zum Dialog.

Die Anregung Lauers, auch in Übersee einen »Gestaltungsbeirat« nach dem Vorbild der Gemeinde Aschau zu etablieren, stieß auf eine breite Zustimmung. Laut AK-Leiter Steinert könnte dieses Team vorentscheiden, was in Übersee baulich geht und was nicht. Einig war man sich darin, diesen Abend als Auftakt einer Veranstaltungsreihe zu sehen, die im Herbst fortgesetzt werden soll. bvd