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Gespräche mit Landwirten stehen an

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Grabenstätt – Wie könnte eine von der Interessengemeinschaft »Rettet die Hirschauer Bucht« (IG) geforderte Rückverlegung der Achendämme nördlich der Autobahn aussehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Ortstermins, den MdL Klaus Steiner mit Vertretern der IG, des Wasserwirtschaftsamts, des Forstbetriebs Ruhpolding, der Landwirte und die Bürgermeister von Grabenstätt und Übersee organisiert hatte.


Speziell ging es darum, wo neue Dämme entstehen sollen. Dazu meinte IG-Sprecherin Rosa-Maria Multerer, dass sie sich durchaus auf die Vorschläge der Behörden einlassen könne und selbstverständlich keine Rechte der Landwirte infrage stellen wolle. Der Verlandungsprozess der Hirschauer Bucht könne durch Retentionsflächen deutlich verlangsamt werden. Zudem erreiche man damit eine Entlastung bei Hochwasser. Dazu müsste eine Rückverlegung der Deiche der Tiroler Achen erfolgen.

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Benötigte Flächen sind nicht vorhanden

Diese Einschätzung werde von den Fachstellen nicht geteilt, so Steiner, zumindest was die Entlastung bei Hochwasser im oberen Achental anbelange. Zum einen stelle sich die Frage, wo im Achtental genügend große Flächen seien, die eine Hochwasserlage merklich entspannen und nicht nur verzögern würden. Die weitere Frage sei, welche Auswirkungen kleine Rückhalteflächen nördlich der Autobahn auf den Verlandungsprozess und den Erhalt der Hirschauer Bucht hätten.

Darüber hinaus gebe es auf den diskutierten Flächen Weide- und Holzrechte. Es müsse genau geprüft werden, welche Flächen für die Deichverlegung geeignet seien, welche Auswirkungen dies habe und wie die Nutzer dazu stehen, machte Steiner klar. Auf Überseer Seite sei eine Rückverlegung wegen der Wohnbebauung in Neuwies ohnehin problematisch.

Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Traunstein, betonte, dass Retentionsflächen grundsätzlich bei Hochwasser Entlastung bringen, allerdings seien im Achental die Möglichkeiten begrenzt und hätten auf ein 100-jährliches Hochwasser nur Auswirkungen im Zentimeterbereich. Das gelte auch nördlich der Autobahn. Eine Rückverlegung der Deiche werde weiter geprüft und berechnet. Aber auch nach seiner Meinung könne die Verlandung nicht nachhaltig beeinflusst werden.

Multerer berief sich auf eine Studie von 1956, wonach sich Retentionsflächen positiv auf die Verlandung auswirkten. Die könne zwar verzögert, aber auf keinen Fall aufgehalten werden, sagte Walter Raith. Jährlich bringt die Tiroler Achen rund 300 000 Kubikmeter Schwebstoffe in den Chiemsee. Die Verlandung der Alpenseen sei geologische Tatsache. Trotzdem werde die Maßnahme geprüft, da die Sohle der Tiroler Achen ansteige und die Deiche zu niedrig würden. Sie wären ohnehin in drei bis fünf Jahren überplant worden. Doch zuerst werde mit den Weide- und Forstberechtigten und den Staatsforsten geredet, um Möglichkeiten auszuloten.

Multerer meinte, die Verlegung wäre westlich am sinnvollsten. Dazu sagte Bürgermeister Marc Nitschke, diese Forderung sei für Übersee untragbar und würde die Hochwassersituation für die Wohnbebauung enorm verschlechtern. Im östlichen Bereich seien landwirtschaftliche Flächen, die zu schützen seien, so Grabenstätts Bürgermeister Georg Schützinger.

Weiderechte gehören gewahrt

Bei den Weiderechten gehe es um eigentumsähnliche Rechte, die gewahrt werden müssten, sagte Sebastian Stöger als Vertreter der Weideberechtigten. Sobald in den Auen überflutet werde, seien die Rechte hinfällig, da die Flächen durch Geschiebe und Schlamm nicht mehr genutzt werden könnten. Bei einer Verlegung der Deiche östlich des Rotgrabens würde sich dieser bei Hochwasser aufstauen und zusätzliche Probleme bereiten, gab Hans Wimmer, Landwirt aus Grabenstätt, zu bedenken.

Paul Höglmüller, Leiter des Forstbetriebs Ruhpolding, zeigte sich offen für Lösungen mit der Rückverlegung der Deiche. Er stellte aber auch klar, dass es keine Veränderungen an den Weide- und Holzberichtigten vorbei geben werde. Schließlich meinte Multerer, dass sie den zeitlichen Rahmen als zu lang ansieht. Jedoch wolle sie die Rechte nicht infrage stellen. Abschließend sagte Steiner, dass es jetzt darum gehe, die Gespräche mit den betroffenen Landwirten, Grundstückeigentümern und den Fachbehörden abzuwarten. MP