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Gesamtkonzept für den Gewerbepark vorgestellt

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In wenigen Jahren werden diese alten Industriegebäude Geschichte sein. Das neue Konzept sieht dort große einzelne Gebäude vor, die im Erdgeschoß Platz für Gewerbe bieten. (Foto: T. Eder)

Grassau – Eine Fläche von rund 57 000 Quadratmetern im Bereich des Gewerbeparks wird derzeit komplett neu überplant. Neben Gewerbe soll anstelle der alten Körting-Bauten und Lagerhallen auch Wohnbebauung möglich sein. In der jüngsten Marktgemeinderatssitzung stellten die Investoren Michael Hartinger und Geschäftsführer Christoph Fecke von Beck und Fraundienst Wohnbau ihr Konzept vor.


Seit Januar sind beide Eigentümer des Gewerbeparks. Wie Bürgermeister Rudi Jantke informierte, wollen sie zusammen das Gebiet neu entwickeln. Positiv sei, dass nun endlich Bewegung in diese Angelegenheit kommt. In den letzten 15 Jahren habe die Gemeinde sehr viele Anfragen von Gewerbetreibenden erhalten. Jetzt hoffe man, dass neues Gewerbe einziehen, aber auch vorhandenes bleiben könne.

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Ein Drittel reines Gewerbe mit Tankstelle und Baumarkt

Zunächst erklärte Fecke, dass seit einem halben Jahr an dem Konzept gefeilt werde und auch Gespräche mit Mietern, Interessenten, Gemeindeverwaltung und Landratsamt geführt würden. Das Ingenieurbüro Strasser aus Traunstein habe das Konzept entwickelt, das auf einem Drittel der Fläche ein reines Gewerbegebiet vorsieht, und zwar vom Lidl aus ortsauswärts. Hier sollen eine Tankstelle und ein Baumarkt mit 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen. Darüber ist ein Fitnessstudio geplant. Für Baumarkt und Tankstelle gibt es bereits Interessenten. Auch die Firma CSS würde eine Fläche mieten.

Das Konzept sieht zudem die Überplanung des Gewebeparks vor. Die alten Hallen sollen abgerissen werden. Als Begrenzung zum Gewerbegebiet soll der Grünzug vom Gänsbach auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Bahnhofstraße weitergeführt werden, informierte Gerhard Hajer von der Firma Strasser. Im Anschluss ist ein Mischgebiet vorgesehen. Als Ersatz für die Industriegebäude sollen mehrstöckige Gebäude entstehen mit Gewerbe im Erdgeschoß. In einem weiteren Übergangsbereich sollen Bürohäuser entstehen. Auch ein Kindergarten sei denkbar.

Im Anschluss an dieses Mischgebiet schwebt den Planern ein reines Wohngebiet vor mit Mehrfamilienhäusern im vorderen Bereich und im hinteren Bereich auch Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Reihenhäusern. Die Bebauung, so Hajer, würde nach diesem Konzept viel kleinteiliger mit wesentlich mehr Grünanteilen als bisher.

Von der Gesamtfläche würden für das Gewerbegebiet mit Tankstelle und Baumarkt 21 000 Quadratmeter, also rund 38 Prozent der Fläche, benötigt. Für das Mischgebiet mit Wohnen und Gewerbe seien 17 Prozent vorgesehen, darunter 35 Prozent für Wohnen und 65 Prozent für Gewerbe. Das reine Wohngebiet soll 17 000 Quadratmeter groß werden. An öffentlicher Grünfläche bleiben 2500 Quadratmeter und an Erschließungsfläche 3900 Quadratmeter.

Fecke betonte, dass es sich um eine Entwurfsplanung handle. Vorrangig sei das Gewerbegebiet. Es gebe es bereits einen Interessenten für ein weiteres Unternehmen mit 70 Beschäftigten. Als Nächstes müssten auch mit Katek Parkmöglichkeiten für die wegfallende Parkfläche ausgearbeitet werden. Möglich sei ein Parkhaus.

Wenn ein Baumarkt komme, dann doch besser nach Grassau, meinte dazu Bürgermeister Rudi Jantke. Dr. Winfried Drost (UGL) bezweifelte die Rentabilität des kleinen Baumarkts. Er befürchtete eine Vergrößerung in absehbarer Zeit und kaum Gewerbesteuern. Auch den Bau einer Tankstelle hielt er mit Blick auf den Umstieg auf erneuerbare Energien für falsch. Dazu sagte Fecke, Baumarkt- und Tankstellenbetreiber würden langfristige Verträge unterschreiben.

Sozialer Wohnungsbau ist nicht auszuschließen

Nach der Möglichkeit, sozialen Wohnraum zu schaffen, fragte Herbert Geschöderer (SPD). Diese Frage konnte Fecke nicht beantworten. Das Konzept sei noch nicht weit genug gediehen. Es sei aber nicht auszuschließen.

Manfred Huber (AE) sah die Veränderungen positiv. Zwingend notwendig sei aber, die Parksituation der Firma Katek zu klären. Er fragte, ob Grassau diese enorme Wohnbebauung vertrage. Er schätzte die Zahl der neuen Bürger auf 500. Auch Daniela Ludwig kritisierte die Größe der Wohnbebauung. Sie befürchtete eine Trabantenstadt. Ihr Anliegen sei es, die Gewerbeflächen zu vergrößern.

Hans Genghammer gefiel die Planung, die seiner Vorstellung eines Ortsentwicklungsplans nahe komme. Dennoch hielt er einen Ortsentwicklungsrat für wichtig. Auch müsse sich die Gemeinde rechtlich beraten lassen, ob die Erweiterung des Bebauungsplans vorweg genommen werden kann. Aus kommunalpolitischer Erfahrung, so Jantke, vergebe sich der Rat nichts, wenn der Bebauungsplan nun für das Gewerbegebiet erweitert werde. Das Gesamtkonzept werde ja weiter diskutiert.

Auch Hans Hornberger (SPD) drängte darauf, den Anteil der Gewerbeflächen zu erhöhen. »Dies hat die größte Auswirkung für die Ortsentwicklung von Grassau in den nächsten Jahren«, betonte Stefan Kattari (SPD). Seiner Meinung nach könne der Bereich mit Baumarkt und Tankstelle ausgeklinkt werden, für den anderen Bereich solle ein Gesamtkonzept entstehen. Dennoch wünschte er mehr Gewerbeflächen. Der gewerbliche Anteil sei zu weit zurückgedrängt, fügte auch Jantke hinzu. Das aber sah Michael Hartinger skeptisch, zumal weder Lebensmittelgeschäfte noch Textil- oder Lederwarenanbieter dort angesiedelt werden dürfen. »Ohne Mieter keine Investition«, so Hartinger.

Jantke erklärte, auch in der Verwaltung sei der Zuzug überschlagen worden. Man komme auf 300 bis 350 zusätzliche Bewohner. Die Infrastruktur sei da. Nur bei der Kinderbetreuung könnte es zu Problemen kommen. Fecke erklärte, für die Wohnbebauung sei der Baubeginn frühestens 2019, bezugsfertig wäre sie 2020. Auch ein Kindergarten sei geplant. Für diesen, so Doris Noichl (CSU), müsse aber ein Träger gefunden werden.

Bauleitplanung für das gesamte Gebiet notwendig

Zunächst entschied der Marktgemeinderat einhellig, dass für die Neuentwicklung des gesamten Areals eine Bauleitplanung zu erfolgen habe. Fünf Räte stimmten gegen die Bebauungsplanerweiterung für Baumarkt und Tankstelle. Wiederum einstimmig hingegen fiel der dritte Beschluss, in dem betont wird, dass der gewerbliche Anteil erhöht und das Gewerbegebiet nach Westen vergrößert werden soll. Zudem soll sozialer Wohnungsbau eingeplant werden. tb