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Geranien haben ihr Winterquartier verlassen

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Eine Wand aus Geranien: Ein Blick ins Gewächshaus von Berta Fenninger zeigt eine überwältigende Blumenpracht. (Foto: Eder)

Wonneberg – Wem wären sie nicht schon aufgefallen, die prächtigen Geranien am Anwesen Fenninger in Plattenberg, direkt an der Straße nach St. Leonhard gelegen. Bereits jetzt, da die Geranien von »Normalgärtnern« gerade mal den Baby-Status überwunden haben, hängen die Blumen von Berta Fenninger schon deutlich über zwei Meter vom Balkon in die Tiefe und sind voll erblüht. Die 78-Jährige ist die »Mutter« dieser rekordverdächtigen Geranien – und das liegt ihr offenbar im Blut: Schon in ihrem Elternhaus in Hinterkapell kümmerte sie sich liebevoll um den Garten und vor allem die Balkonblumen, wenn auch bei Weitem nicht in heutigem Ausmaß.


Vor diese Pracht aber haben der liebe Gott und die Natur viel Arbeit gesetzt. Denn niemand muss glauben, dass die Blumen im Winter anspruchslos und sich selbst überlassen dahinvegetieren: Ganz im Gegenteil – sie wachsen kräftig weiter. Wie sonst wäre es auch möglich, dass sie schon jetzt so prächtig gediehen sind? Beinahe wöchentlich, spätestens aber alle 14 Tage müssen die Pflanzen in ihrem Spezialgewächshaus gegossen und auch gedüngt werden.

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Das lange Gewächshaus, das sich an einen Stadel des Anwesens anlehnt, haben die Fenningers vor 30 Jahren selbst gebaut und nutzten dabei die Gunst der Stunde: Das Wirtshaus in St. Leonhard wurde umgebaut, und die großen Fenster, die damals ausgetauscht wurden, bildeten kurze Zeit später die wesentlichen Elemente des Fenningerschen Geranien-Winterquartiers.

Sorgsam über den Winter gebracht, danken es die Geranien – von der Sorte »Pariser Hängegeranien« vor allem in Rot und Lila in verschiedenen farblichen Abstufungen, außerdem in Weiß – mit üppigem Wachstum. Sohn Albert hat die rund 20 schweren Eternitkästen vor wenigen Tagen zum Balkon hinaufgeschleppt, und nunmehr erstrahlt das Haus wieder in buntem Blumenschmuck. Allerdings haben die Geranien längst noch nicht die gewohnte Dichte erreicht. Am schönsten sind sie, sagt Berta Fenninger, gegen Ende Juli; bis dahin hat sich dann alljährlich eine Blumenpracht entwickelt, die ihresgleichen sucht.

Alle zwei Tage gießen reicht

Die Geranien stehen trocken unter dem Dachvorsprung, der extra dafür vor vielen Jahren sogar etwas verlängert worden ist. Denn »Regen mögen sie nicht gern«, weiß die Gartenspezialistin. So muss also regelmäßig gegossen werden. Sie macht das nur jeden zweiten Tag, »und da kann es noch so heiß sein«. Dabei schränkt sie allerdings ein, dass ihre Geranien, die bis zu zwölf Jahre alt werden, »so fest im Kistl drin sind, dass sie nicht so schnell austrocknen«. Ein ausgeklügeltes System von großen Regenwasserbecken sorgt im Zusammenspiel mit den notwendigen Pumpen dafür, dass die Wassertonne am Balkon stets voll ist: So muss Berta Fenninger nicht mehr, wie früher, das Wasser eimerweise nach oben schleppen.

Normalerweise wird eine alte Geranie pro Jahr ausgewechselt, die neue bekommt sie von einer Nachbarin und zieht sie dann selber auf. Denn wenn die Geranien noch länger bleiben dürften, würden die kräftigen Wurzeln den Blumenkasten eines Tages förmlich sprengen. Überhaupt ist Berta Fenninger, wenn auch nur ganz behutsam, dabei, die Anzahl ihrer Balkonkästen zu reduzieren – wird ihr doch von allen Seiten zugeredet, sie solle sich nicht mehr so viel Arbeit damit machen; schließlich gehe sie ja schon kräftig auf die 80 Jahre zu. Das sieht man ihr aber überhaupt nicht an. Neben ihren Geranien kümmert sie sich auch noch um einen großen Garten mit Blumen – von denen dann viele im November zum Schmücken des Festwagens des Leonhardivereins gebraucht werden – und natürlich baut sie auch Gemüse an.

Die Anzahl der Kästen war in den Anfangsjahren nach 1966 deutlich geringer als heute. Der »Durchbruch« kam mit dem Bau des »Geranien-Hauses«. Von da an war reichlich Raum für eine über die Jahre hinweg stets zunehmende Menge an Balkonkästen, auch die Höhe war da, damit sich die zwei Meter langen Geranien ausbreiten konnten, und warm genug wurde es schließlich auch, als die Fenster isoliert und die Heizkörper eingebaut waren.

Ohne regelmäßiges Düngen geht es nicht

Die mächtigen Balkonpflanzen wachsen natürlich nicht ohne Dünger. Bei jedem Gießen ist Dünger beigemengt: »Seit 50 Jahren nehme ich dafür Blaukorn.« Vergangenes Jahr hat Berta Fenninger mal Langzeitdünger ausprobiert, also einen Dünger, der ein halbes Jahr die Pflanzen mit den notwendigen Nährstoffen versorgt; ein Unterschied gegenüber der regelmäßigen Düngergabe sei nicht erkennbar gewesen, so Berta Fenninger. Und so hat sie heuer bereits im Februar wieder die Blumen mit den kleinen Düngerkörnchen versorgt. Übrigens wird im Winter genauso gedüngt; denn, wie sie betont, die Pflanzen legen ja auch in der kalten Jahreszeit kräftig zu.

Im Herbst werden die seitlichen Triebe fast um drei Viertel zurückgeschnitten, im Frühjahr ist beinahe die Hälfte wieder dazugewachsen. Und während des Sommers gibt es zwei große, etwas mühsame Aktionen, wenn dann von der Staffelei aus die verwelkten Blüten abgezupft werden müssen. Wann die Blumen auf den Balkon hinauf beziehungsweise im Herbst wieder herunter kommen, das hängt zum einen vom Wetter ab, schmunzelt Berta Fenninger, aber auch davon, »wann die Mannsbilder zum  Runtertun dawei haben«. he